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Update: 07.11.2018, 18:13 Uhr

Geschichte

Wo der Doppeladler heute nistet




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Von Gerhard Stadler

  • Wie in den Nachfolgestaaten der einstigen Donaumonarchie die Erinnerung daran wachgehalten wird. - Eine Rundreise.

100 Jahre nach Republiksgründung: Eine pro-monarchische Kundgebung vor der Prager Burg am 28. Oktober 2018 (rechts Wenzel von Böhmen). - © G. Stadler

100 Jahre nach Republiksgründung: Eine pro-monarchische Kundgebung vor der Prager Burg am 28. Oktober 2018 (rechts Wenzel von Böhmen). © G. Stadler

Nach 1945 bzw. dem Ende des Kommunismus in Ostmitteleuropa trat in den dreizehn Staaten, auf die nun das Gebiet der Donaumonarchie aufgeteilt ist, in der Wahrnehmung ihrer Zeit unter Habsburgs Krone(n) ein entscheidender Wandel ein: Sie wurde, mit Nuancen, anerkannter und gewerteter Teil der jeweiligen nationalen Geschichte und wirkt so auch auf die Gegenwart. Im Folgenden soll der heutige Konnex all dieser Staaten zu dieser Ära skizziert werden, wenngleich nur mit wenigen Bespielen und aus subjektiver Erfahrung.

Kaiserfest & Museen



Information

Gerhard Stadler, Sektionschef i.R., hat von 2000 bis 2018 alle Gebiete der Donaumonarchie bereist, z.T. mit Reisegruppen "auf rotweißroten Spuren", und darüber publiziert.

Zum Thema "100 Jahre Republik" erscheint am 9. November ein "Wiener Journal" und am 10. November eine 8-seitige Sonderausgabe der "Wiener Zeitung".

Die Tschechoslowakei war 1918 der gegen die Monarchie am negativsten eingestellte Staat und auch die neue Republik Österreich stand der ČSR nach dem erfolglosen Bemühen um den Erhalt der sudetendeutschen Gebiete ablehnend gegenüber. Aber sie war auf Kohlelieferungen angewiesen und unsere Regierung musste 1921/22 in Prag darum bitten.

Seit 1989 hat sich in der Tschechischen Republik die Anschauung über die Monarchie geändert und ist von negativer Tendenz frei. Indizien dafür sind zahlreiche neue historische Arbeiten, die gerade laufenden Ausstellungen über das Jubiläum der Staatsgründung, die Diskussion über das Wieder-Aufstellen des monumentalen Denkmals für Wenzel Radetzky im Zentrum Prags - und ein jährlich in Brandýs (Brandeis) mit offiziöser Teilnahme stattfindendes "Kaiserfest", bei dem heuer sogar ein Erzherzog anwesend war. "Kaiser" ist dort Karl I., nicht František Josef, dem man wegen seiner Verweigerung der böhmischen Königskrönung weiter distanziert gegenübersteht. Die Zahl von etwa 250 Schlössern und Museen, in denen Reminiszenzen an die Monarchie zu besichtigen sind, wird in Österreich nicht erreicht.

In Österreich gab es nach 1950 zwei Tendenzen: die populär-kulturelle, mit Landesausstellungen, an die gute alte Zeit erinnernden Filmen wie "Sissi", "Die Deutschmeister" und später "Radetzkymarsch", und die offizielle, innenpolitisch heftige und rechtliche Auseinandersetzung, die zu mehreren höchstgerichtlichen und Regierungsentscheidungen führte; erst 1966 konnte Otto Habsburg-Lothringen einreisen. Die heutige Rechtslage kann so umrissen werden, dass die Landesverweisungen totes Recht sind, die Enteignungen 1919 aufrecht bleiben, doch könnte ein Mitglied der Familie Habsburg-Lothringen zum Bundespräsidenten gewählt werden.

2011 war die Beisetzung Ottos in der Kapuzinergruft kein politisches Ereignis mehr, sondern eines der Medien, die historischen Themen breiten Raum widmen. Die Erinnerung an die Monarchie ist uns heute Achtung, vielleicht sogar Stolz; auch historische Folklore: die jährlichen Kaiserfeste in Bad Ischl; Schloss Schönbrunn ist eine der zehn meistbesuchten UNESCO-Weltkulturerbestätten Europas und eine der wenigen ohne Subventionen. Von Österreich aus wurde die Seligsprechung Kaiser Karls betrieben und 2004 erreicht, militärische Traditionsverbände konnten 1998 zur Erinnerung an den Sieg Admiral Tegetthoffs auf der Insel Vis eine Replik des "Löwen von Lissa" aufstellen, mit Hilfe der kroatischen Kriegsmarine.


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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2018-11-02 11:37:10
Letzte Änderung am 2018-11-07 18:13:53



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