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Update: 28.12.2012, 14:42 Uhr

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Beethovens heimliche Liebe




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Von Silvia Anner

  • Ein nie abgeschickter, langer Brief des Komponisten an die "Unsterbliche Geliebte" beschäftigt die Nachwelt
  • Adressat war möglicherweise die unglückliche Gräfin Josephine von Brunsvik.

Transkription des faksimilierten Beginns des Briefs an die "Unsterbliche Geliebte": "Am 6. Juli morgends. Mein Engel, mein Alles, mein Ich!
Nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift (mit deinem . . .) erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimt, welcher Nichtswürdige Zeitverderb in d.g. (=in dergleichen) . . .

Transkription des faksimilierten Beginns des Briefs an die "Unsterbliche Geliebte": "Am 6. Juli morgends. Mein Engel, mein Alles, mein Ich!
Nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift (mit deinem . . .) erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimt, welcher Nichtswürdige Zeitverderb in d.g. (=in dergleichen) . . .
Transkription des faksimilierten Beginns des Briefs an die "Unsterbliche Geliebte": "Am 6. Juli morgends. Mein Engel, mein Alles, mein Ich!
Nur einige Worte heute, und zwar mit Bleystift (mit deinem . . .) erst bis morgen ist meine Wohnung sicher bestimt, welcher Nichtswürdige Zeitverderb in d.g. (=in dergleichen) . . .

Das Privatleben von Stars interessiert nicht erst die moderne Regenbogenpresse. Seit Mitte des 19.Jahrhunderts rätseln Musikschriftsteller und Beethoven-Forscher, wer die "Unsterbliche Geliebte" war, an die Ludwig van Beethoven in seinem berühmten Brief tief empfundene Worte einer leidenschaftlichen Liebe richtete. Das Mysterium um die Adressatin jenes Schreibens hat über Generationen zu Spekulationen, Fehlinterpretationen und zu - bewussten und unbewussten - Verfälschungen geführt.

Der dreiteilige Brief, den Beethoven am 6./7. Juli 1812 in Teplitz während einer Reise in die böhmischen Kurbäder verfasste, stellt neben dem "Heiligenstädter Testament" das bedeutendste Selbstzeugnis des Komponisten dar und wird in der Berliner Staatsbibliothek unter der Signatur Mus. ep. autogr. Beethoven 127 aufbewahrt. Er ist an eine namentlich nicht genannte Frau gerichtet, mit der Beethoven kurz zuvor, am 3. Juli in Prag, eine für die Zukunft der Beziehung entscheidende Begegnung hatte. Der Brief wurde nie abgeschickt und erst nach dem Tod des Verfassers von dessen Freunden Karl Holz, Stephan von Breuning, Anton Schindler - der mit der Fälschung und Vernichtung von Dokumenten aus Beethovens Nachlass eine unrühmliche Rolle spielen sollte - sowie Johann, dem Bruder des Komponisten, bei der Durchsuchung seiner Räume gefunden.


Allerlei Hypothesen

Eine zeitgenössische Zeichnung Josephines.

Eine zeitgenössische Zeichnung Josephines.© Wikipedia Eine zeitgenössische Zeichnung Josephines.© Wikipedia

Anton Schindler, der kurzzeitig Beethovens Privatsekretär war, veröffentlichte den Brief, der mit den Worten "Mein Engel, mein alles, Mein Ich" beginnt, in seiner 1840 erschienenen Beethoven-Biografie und nannte als Empfängerin des Schreibens und damit als Beethovens unbekannte Geliebte die Gräfin Julie "Giulietta" Guicciardi. Eine Spekulation, die in der Folge zu den unwahrscheinlichsten und abenteuerlichsten Hypothesen und einem Tauziehen zwischen einflussreichen amerikanischen Musikwissenschaftern und einem Teil der deutschsprachigen Beethoven-Forschung führte. Wobei Übersetzungsfehler, Unkenntnis der deutschen Sprache und Ungenauigkeiten den "Glaubenskrieg" um die Identität der "Unsterblichen Geliebten" noch verschärften.

Auf der Liste der möglichen Kandidatinnen finden sich zentrale Frauengestalten in Beethovens Leben wie Therese Brunsvik, Amalie Sebald, Dorothea von Ertmann, Antonie Brentano oder Bettina Brentano, die der Kanadier Edward Walden in einem 2011 veröffentlichten Buch als die "Unsterbliche Geliebte" zu identifizieren glaubte.

Als besonders heiße Favoritin galt aber seit Harry Goldschmidts 1977 veröffentlichter Monografie Thereses Schwester, Josephine Brunsvik. Der Musikwissenschafter hatte mit seinem Buch "Um die Unsterbliche Geliebte" eine auf Daten und Fakten beruhende Bestandsaufnahme vorgelegt, nach der nur Antonie Brentano und Josephine Brunsvik als mögliche Adressatinnen übrig blieben.

Die jüngste Publikation zur Causa "Unsterbliche Geliebte" des aus Deutschland gebürtigen, in Neuseeland lebenden Autors John E. Klapproth kommt aufgrund der akribischen Durchsicht aller einschlägigen Forschungsergebnisse - schon im Buchtitel - zum Schluss "Beethovens Einzige Geliebte: Josephine!" und zeichnet das Schicksal der Gräfin Brunsvik anhand der wichtigsten biografischen Ereignisse nach.

Die wilde und unglückliche Lebensgeschichte der Topfavoritin für die "Unsterbliche Geliebte" vereint so ziemlich alles biographische Material, das zu einem Bestseller taugen würde: Eine glückliche Kindheit in einem prächtigen Schloss in Martonvásár bei Budapest, ein glanzvolles Leben in der noblen Wiener Gesellschaft an der Seite eines wesentlich älteren Mannes, nach viereinhalb Jahren Ehe plötzlich Witwe mit drei Kindern und das vierte unterwegs, eine geheim gehaltene Liebe, die im Kampf zwischen Neigung und Pflicht unterlag, eine zweite unglückliche Ehe, Affären, eine - uneheliche? - Tochter, und schließlich das Ende, leidend, verarmt und einsam.

Josephines erste Begegnung mit Beethoven fand 1799 statt. Ihre Mutter, Anna Gräfin von Brunsvik, war mit Josephine und ihrer Schwester Therese nach Wien gekommen, und Beethoven gab den beiden Mädchen Klavierunterricht. Er verliebte sich in die schöne 20-jährige Josephine und widmete ihr und Therese das Lied "Ich denke dein" zu einem Gedicht von Goethe. Auch Josephine war von dem damals 28-Jährigen tief beeindruckt, wie sie Jahre später schrieb: "Meine ohnedieß, für Sie enthousiastische Seele noch ehe ich Sie persönlich kannte - erhielt durch Ihre Zuneigung Nahrung. Ein Gefühl das tief in meiner Seele liegt und keines Ausdrucks fähig ist, machte mich Sie lieben; noch ehe ich Sie kan[n]te machte ihre Musick mich für Sie enthousiastisch - Die Güte ihres Characters, ihre Zuneigung vermehrte es." (Josephine an Beethoven, Winter 1806/7, in: Ludwig van Beethoven, Briefwechsel. Gesamtausgabe, hrsg. von Sieghard Brandenburg, Band 1, München 1996, Nr. 265).

Musik und Liebe
Anna Brunsvik hatte indes andere Pläne und bewog ihre Tochter zur Heirat mit dem 27 Jahre älteren Grafen Joseph Deym, der am Rothen Turm eine Kunstgalerie besaß. Trotz des Altersunterschiedes wurde es eine glückliche Beziehung. Josephine war der umschwärmte Mittelpunkt unzähliger Bälle und Feste. Und Beethoven verkehrte weiter regelmäßig in der Villa Deym und gab Josephine Klavierunterricht.

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Extra, Beethoven

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-12-27 17:47:15
Letzte Änderung am 2012-12-28 14:42:00


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