• vom 12.01.2019, 14:00 Uhr

Zeitgenossen

Update: 12.01.2019, 17:23 Uhr

Interview

"Wir haben beide ein irres Tempo"




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Von Christine Dobretsberger

  • Die Schauspielerinnen Adele Neuhauser und Miriam Stein über ihre kriminalistischen TV-Rollen.

"Uns kommen ständig Ideen, wie man eine Szene vielleicht noch besser umsetzen könnte": Adele Neuhauser (l.) und Miriam Stein. - © Robert Wimmer

"Uns kommen ständig Ideen, wie man eine Szene vielleicht noch besser umsetzen könnte": Adele Neuhauser (l.) und Miriam Stein. © Robert Wimmer

"Wiener Zeitung": Frau Neuhauser, es hat sicher gute Gründe, weshalb Sie sich Miriam Stein als Gesprächspartnerin gewünscht haben . . .

Adele Neuhauser: Das hat gute Gründe, ja. Eigentlich habe ich Miriam zu meiner Tochter gemacht. Es war auch der Plan, dass sie in "Vier Frauen und ein Todesfall" meine Tochter spielen soll. Zu dem Zeitpunkt kannte ich sie noch nicht. Vorab habe ich sie natürlich gegoogelt, damit man schon ein Bild voneinander hat. Dann ist sie beim Casting bei der Tür hereingekommen - und ich wusste: Sie ist es, sie ist meine Tochter!

Information

Adele Neuhauser, geboren 1959 in Athen, übersiedelte als Vierjährige mit ihrer Familie nach Wien, wo sie aufwuchs. Ihre Karriere als Schauspielerin startete sie in Deutschland. Engagements führten sie u.a. nach Münster, Essen, Mainz und Regensburg. Sie spielte in diversen Kinofilmen und TV-Serien, u.a. in "Vier Frauen und ein Todesfall" (alias Julie Zirbner).

Seit 2010 ermittelt sie als Bibi Fellner im Wiener "Tatort" an der Seite von Harald Krassnitzer (am Sonntag, 13. Jänner, zum 20. Mal, 20.15 Uhr, ORF2). Adele Neuhauser ist fünffache Romy-Preisträgerin (Kategorie "Beliebteste Seriendarstellerin"). Sie hat einen Sohn (Julian Pajzs) und lebt in Wien.

Buch: "Ich war mein größter Feind", Autobiografie, Brandstätter 2017, 216 Seiten, 21,90 Euro.

Miriam Stein, geboren 1988 in Wien, stand im Alter von elf Jahren erstmals für die Titelrolle in Peter Reichenbachs Film "Das Mädchen aus der Fremde" (1999) vor der Kamera und erhielt den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises. Seither war sie in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, u.a. als Hauptdarstellerin im romantischen Drama "Goethe!" (2010) und in "Vier Frauen und ein Todesfall" (alias Pippa Sponring).

Im TV-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" (2013) spielte sie die Charlotte, die Produktion wurde mit einem Emmy-Award ausgezeichnet. Seit 2014 ermittelt sie im "Steirerblut"-Landkrimi alias Sandra Mohr . 2014 erhielt sie die Romy in der Kategorie "Beliebteste Schauspielerin". Miriam Stein lebt in Berlin.

In der Gesprächsreihe "Seelenverwandte" sind bisher folgende Beiträge erschienen:

Miriam Stein: Ich kam da rein, sah Adele und wusste: Ich hab sie lieb! Sofort! Wir hatten dann eine sehr emotionale Casting-Szene. Schon beim Text-Durchmachen schauten Adele und ich uns an - und uns beiden ist sofort das Wasser hochgestiegen. Andreas Prochaska, der Regie geführt hat, sagte: Wartet, wartet, wir sind noch gar nicht so weit!

Neuhauser: Wir konnten gar nicht anders! So war es dann auch beim Drehen. Wir mussten uns nur anschauen und schon ging es in die Emotionalität. Wir mussten gar nicht spielen in dem Sinn, sondern einfach nur authentisch sein. Mit Miriam zu drehen ist einfach außergewöhnlich. Wir haben uns dann noch hinaufgeschaukelt, damit es in dieses zänkische Mutter-Tochter-Verhältnis kommt, das ja erwünscht ist.

Stein: Ich habe mit niemandem so gerne gestritten wie mit der Julie Zirbner (so heißt Adele Neuhauser in ihrer Rolle in "Vier Frauen und ein Todesfall", Anm.)! Es ist so selten, dass man auf Kolleginnen trifft, wo das so funktioniert und man so viel Spaß zusammen hat. Ich glaube, wir haben beide die Emotionen sehr schnell abrufbar, und was wir noch gemeinsam haben: Eine Szene muss für uns logisch nachvollziehbar sein. Sie muss Sinn machen. Wenn nicht, dann reite ich auch mal alle in den Wahnsinn, bis es Sinn macht.

Neuhauser: Das schätze ich irrsinnig an Miriam. In der Zeit, wo sie noch nicht dabei war, war eigentlich ich genau die Energie am Set, die Miriam dann an den Tag gelegt hat. Da wurde mir dann plötzlich klar: Aha, so ist das für die anderen. Aber abgesehen von der Arbeit ist dann etwas entstanden, was ich vorher bei einer anderen Kollegin noch nie empfunden habe: Ich habe Miriam so tief ins Herz geschlossen, als wäre sie meine Tochter, die ich nie hatte. Wir sind auch in der Arbeit ähnliche energetische Menschen. Deswegen würde ich wirklich total unterstreichen, dass wir Seelenverwandte sind.

Was genau sind diese energetischen Parallelen?

Stein: Wir sind beide auf eine positive Art sehr ehrgeizig. Wir nehmen die Arbeit sehr ernst, sind sehr gut vorbereitet, weil wir die Arbeit einfach gut machen wollen. Und beim Spielen habe ich gemerkt: Wow, da kommt eine Ehrlichkeit, eine Direktheit - man spielt nicht immer mit Kollegen, denen man jedes Wort so glaubt wie der Adele. Und es ist auch diese unbändige Energie: Egal wie kalt es ist, wie müde man gerade ist, man kämpft sich gemeinsam durch diesen Drehtag und will das Beste herausholen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-11 13:23:38
Letzte Änderung am 2019-01-12 17:23:48


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