• vom 03.02.2019, 09:01 Uhr

Zeitgenossen


Interview

Tanzen, ein Vergnügen auf vier Füßen




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Von Franz Zauner

  • Der Tanzlehrer Georg Watzek erklärt die Wunder des Wiegeschritts und warum das Tanzen für Männer gemacht ist.

"Manchmal stimmt die Bewegungsidee nicht ganz...": Georg Watzek zeigt, wie's praktisch ginge. - © Mario Lang

"Manchmal stimmt die Bewegungsidee nicht ganz...": Georg Watzek zeigt, wie's praktisch ginge. © Mario Lang

"Wiener Zeitung": Sie sind gelernter Klavierbauer mit eigener Werkstatt, haben aber noch eine zweite Leidenschaft: das Tanzen. Wieso gründet ein Klavierbauer ausgerechnet eine Tanzschule?

Georg Watzek: Das hat sich so ergeben. Und so verschieden sind die Berufe gar nicht, wenn man sie vom Resultat her anschaut. Es macht mir Freude, wenn der Pianist in bester Stimmung auf die Bühne geht, weil ich sein Instrument gut gestimmt habe. Und beim Tanzen ist es ähnlich. Mir ist es nicht so wichtig, dass meine Schüler eine Dancing-Star-Performance hinlegen. Sie sollen Spaß an diesem Hobby finden und vielleicht auch noch einen eigenen Stil.

Georg Watzek beim Klavierstimmen.

Georg Watzek beim Klavierstimmen.© Mario Lang Georg Watzek beim Klavierstimmen.© Mario Lang

Information

Die Tanzschule Watzek entstand aus einer Kränkung. Der Vater des Besitzers galt als genialer Klavierbauer. Wenn es darum ging, ein besonders sensibles Instrument zu stimmen, verlangten die Kunden ausdrücklich nach ihm, "dem Watzek". "Und das war nicht ich", erinnert sich Georg Watzek. Er wollte aus dem Schatten seines Vaters treten, selbst etwas auf die Beine stellen. Und gründete die Tanzschule Watzek. Die war zunächst nur ein verlustträchtiger Abschreibposten, doch heute steht Georg Watzek damit in der ersten Reihe der Wiener Tanzschulen. Auch als Klavierbauer ist er erfolgreich, jetzt ist er selbst "der Watzek". Sein Spezialgebiet sind Hammerklaviere, wie sie einst Wolfgang Amadeus Mozart vorfand. Eines, maximal zwei stellt seine kleine Werkstatt pro Jahr her. Er und seine Leute warten die Instrumente auch. Es ist ähnlich wie in der Formel 1, wo die Güte des Mechanikerteams mindestens so sehr für den Erfolg verantwortlich ist wie die Technik und der Rennfahrer. Und in seinem zweiten Hauptberuf bringt Georg Watzek seinen Schülern das Tanzen auf jedem Niveau bei. Wenn es ihre Zeit erlaubt, begleitet ihm dabei seine Frau. Auch sie hat noch einen zweiten Beruf und deshalb nicht immer Zeit: Sie ist Ärztin.

Gibt es Menschen, die einfach nicht tanzen können?

Ich habe einen anderen Zugang. Ich unterrichte die zehn Standardtänze. Jeder dieser Tänze hat seine eigene Charakteristik. Für mich gibt es keinen Menschen, der gleichermaßen das Talent für alle diese Tänze hat. Es gibt für jeden von uns einen Tanz, den er mag oder eben nicht mag. Ich zum Beispiel liebe den Boogie, weil er mir von der Bewegung her liegt. Ich mag aber auch den Slow Fox und den langsamen Walzer wahnsinnig gern. Es gibt Menschen, die sagen, dass der Tango ihr Traum ist. Das ist völlig ok, aber die werden vielleicht nicht die Lockerheit aufbringen, die der Cha-Cha-Cha erfordert.

Es gibt also niemanden, der besser gar nicht tanzen sollte?

Ich habe durchaus Menschen getroffen, denen das Tanzen schlussendlich keinen Spaß gemacht hat. Tanzen ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit sich selbst, sondern auch mit dem Partner. Manchmal denkt man sich, furchtbar, was der Partner heute zusammentanzt. Aber meist hat das auch mit einem selbst zu tun, das merkt man in der Selbstbefragung: Was hat die Arbeit heute mit mir gemacht? Warum stehe ich so unsicher auf den Beinen? Meist spiegelt der Partner die eigenen Zustände. Das ist eine wichtige Lektion: Man neigt dazu, alles, was bei einem selbst nicht funktioniert, auf den Partner zu übertragen. Speziell bei den Standard-Tänzen, wo man wirklich auf Tuchfühlung ist. Wo jeder Atemzug vom Partner gefühlt wird. Deshalb gibt es Tanzabende, wo alles wunderbar funktioniert, und dann wieder hat man das Gefühl, dass man sich nur auf die Füße steigt.

Wie wichtig ist die Rolle des Tanzlehrers? Mein Eindruck ist, dass der Unterricht manchmal zu schematisch erfolgt, weil er auf Hinschauen und Nachahmen beruht. Sollen Tanzlehrer auch handgreiflich werden?

Ich kann die Bewegung erklären und mir dabei den Mund fusselig reden. Es ist oft einfacher, jemanden bei den Schultern zu packen und spüren zu lassen, wohin der Impuls gehen soll. Von einem Moment auf den anderen stimmt dann die Bewegung. Gerade der Tango ist dafür ein gutes Beispiel. Das sollte eigentlich eine gezogene Bewegung sein, und man kann sich zehn Stunden verzweifeltes Üben ersparen, wenn man da hineingeschubst wird. Wie ist es denn, wenn man einem Kind das Radfahren erklärt? Man erklärt es eben nicht, man hält das Rad beim Sattel und läuft einfach mit, dann geht es von selbst. Wenn ich als Tanzlehrer jedoch Berührungsängste habe, wird es schwierig. Tanzen ist etwas Körperliches.

Wie geht es den Tanzenden damit?

Manchmal stimmt die Bewegungsidee nicht ganz, oder es geht nur um Kleinigkeiten, etwa die Haltung oder die Schrittgröße. Da ist es hilfreich, wenn man sich als Tanzlehrer-Paar trennt. Manchmal sind Paare verschreckt, wenn ich ihnen einen kurzen Tanzpartner-Tausch vorschlage. So lässt sich aber besser erklären, worum es geht, zum Beispiel: Du machst es dir und deiner Begleitung leichter, wenn du bei der Drehung den Schritt vorwärts eine Spur kleiner machst. Solche Hinweise kann einem der Partner kaum geben, denn er oder sie kämpft ja selbst.

Ich als Tanzlehrer kann aber sehen, wenn jemand vielleicht zu enthusiastisch ist bei einem Schritt und dem Partner einen Impuls gibt, mit dem er nichts anfangen kann. Wenn die Tanzlehrerin mit dem Herrn tanzt, kann sie auch genau sagen, wenn es zum Beispiel an einer Stelle an Schwung mangelt oder zu viel davon da ist. Die Information fließt schneller, wenn man Tanzen durch Tanzen vermittelt. Ich bin mir schon bewusst, dass es eine außergewöhnliche Situation ist, dass alle diese Menschen mir erlauben, ihnen zu sagen, welcher Fuß jetzt sozusagen in die Hand zu nehmen ist. Und deshalb versteife ich mich auch nicht darauf, jede Kleinigkeit zu korrigieren. In einer Woche schaut das oft ganz anders aus.

Was kann in einer Woche passieren?

Nehmen wir zum Beispiel den ersten Abend des Grundkurses. Ich zeige den Grundschritt für den langsamen Walzer: Vor, Seit, Schluss, Rück, Seit, Schluss. Das sieht bei allen, die es zum ersten Mal versuchen, ein bisschen nach Pinocchio aus, hölzern. Dies deshalb, weil der Muskel, der für die Seitwärtsbewegung sorgt, nicht trainiert ist. Den braucht man einfach nicht im Alltagsleben. Am ersten Abend wird der Muskel einfach ein- und ausgeschaltet, erst am zweiten oder dritten Abend lässt er sich dosiert bewegen. Es sieht plötzlich nach Tanz aus. Das ist jedes Mal ein kleines Wunder.

Tanzen soll ja Medizin sein, es gibt viele Studien, die bei so manchem Leiden Besserung durch Tanzen anzeigen. Teilen Sie diese Erfahrung?

Bei den Standardtänzen, besonders denen mit einer engen Tanzhaltung, habe ich jederzeit die Möglichkeit, ein wenig von meinem Ungleichgewicht auf den Partner zu übertragen. Man steht dann gemeinsam auf vier Füßen. Manchmal haben wir Veranstaltungen mit älteren Menschen. Da kommen manche Paare schon am Stock in die Tanzschule, nehmen sich in den Arm, und plötzlich tanzen sie Walzer. Das hätte man nicht für möglich gehalten, wenn man sie kommen gesehen hat. Ich habe einen älteren Tanzschüler mit Lungenproblemen. Seine Atmung hat sich im Laufe des Tanztrainings verbessert, allein schon durch die straffere, aufrechtere Haltung, die beim Tanzen nötig ist. Das macht mir Freude, mehr jedenfalls, als würde er die Kreiseldrehung perfekt tanzen. Ich will kein Dogmatiker meines Produkts sein, ich freue mich mehr über die Nebenwirkungen.

Tanz ist auch Verstellung, eine Haltung, die man vorsätzlich einnimmt. Wie wirkt diese Haltung auf die Tänzer zurück?

Der Tanzlehrer Georg Watzek in seiner Klavierbauer-Werkstatt: "Die Berufe sind vom Resultat her nicht so unterschiedlich."

Der Tanzlehrer Georg Watzek in seiner Klavierbauer-Werkstatt: "Die Berufe sind vom Resultat her nicht so unterschiedlich."© Mario Lang Der Tanzlehrer Georg Watzek in seiner Klavierbauer-Werkstatt: "Die Berufe sind vom Resultat her nicht so unterschiedlich."© Mario Lang

Man kann beim Tanzen herausfinden, was mit Körpersprache möglich ist und ein entsprechendes Selbstbewusstsein entwickeln. Die lateinamerikanischen Tänze verlangen zum Beispiel einen fast schon gierigen Ausdruck nach vorne vom Mann. Die Standardtänze brauchen wieder einen gelassenen, ausgeglichenen Körperausdruck. Wir haben ja bereits im Alltag einen bestimmten Standpunkt, und ich glaube, der entscheidet auch darüber, ob wir einen bestimmten Tanz mögen oder nicht. Jeder dieser Tänze hat ja auch einen kulturellen Hintergrund, ein Land, das dahinter steht.

Was ist zum Beispiel der Hintergrund des Wiener Walzers?

Das Ziel des Walzers ist eindeutig, sich trunken zu tanzen. Alle versuchen, beim Walzer nicht schwindlig zu werden. Aber verdammt, das ist genau das Ziel dieses Tanzes. Wenn wir nach einer Ballnacht den Gleichgewichtssinn so beleidigt haben, dass sich auch ohne Alkohol im Bett noch alles dreht, dann war es eine schöne Ballnacht.

Und was ist der tiefere Sinn des englischen Walzers?

Das Englisch, das in adeligen Häusern gesprochen wird, klingt ja immer ein wenig so, als hätten die Sprecher eine heiße Kartoffel im Mund. Und so distinguiert und ein wenig abgehoben gehört der englische Walzer auch getanzt. Also nicht so, als würde er Freude und Spaß machen. Der English Waltz braucht Zurückhaltung und Contenance, als würde die Queen persönlich zuschauen. Wogegen der Foxtrott tatsächlich die Geschmeidigkeit eines pirschenden Fuchses imitieren sollte.

Und der Tango?

Da habe ich ein Bild im Kopf: Argentinien 1920, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit. Die Damen sind eigentlich müde, sie haben den ganzen Tag in der Fabrik Zigaretten gerollt. Die Burschen sind ausgeruht, wissen vor lauter Kraft nicht, wohin, wollen etwas darstellen. So ein soziales Drama steckt im Tango.

Das bringt uns zu einem ganz anderen Rollenproblem im Standardtanz: Der Mann führt, die Frau interpretiert seinen Willen, reagiert auf seine Impulse. Ist dieses Rollenverständnis nicht überholt?

Vielleicht ist das Verständnis dafür verschüttet, aber auch das Zulassen ist eine starke Position. Wenn ich als Frau zulasse, dass ein Mann mich führt, dann ist das eben kein Ausdruck von Schwäche. Das ist eine gleichberechtigte Position. Eine Frau muss in der heutigen Gesellschaft ohnehin ihren Mann stehen.

Stimmt der Eindruck, dass eher die Frauen tanzen wollen als die Männer, dass es jedenfalls einen weiblichen Überhang gibt?

Der Eindruck ist richtig, der Tanzwunsch ist bei Frauen stärker ausgeprägt. Dabei ist das Tanzen für uns Männer gemacht. Das beginnt schon bei der Tanzhaltung. Wenn wir die Hände seitlich vom Körper weghalten und aufrecht stehen, machen wir doch eine gute Figur. Oft ist es ja so, dass das männliche Kommunikationsverhalten nicht so ausgeprägt ist. Beim Tanzen ist die Kommunikation aber nonverbal, das sollte uns in die Tasche spielen. Und bei manchen Tänzen, etwa beim Boogie, leisten die Damen mehr als die Herren, die sich tendenziell nur sparsam bewegen, während die Damen vergleichsweise viel zu tun haben.

Was ist dann die Freude der Damen beim Tanzen?

Das ist natürlich ein großes Glück, dass die Damen an uns Männern beim Tanzen so eine große Freude haben. Es gab übrigens auch Kulturen, in denen die Männer das Tanzgeschehen bestimmten. Der griechische Sirtaki ist zum Beispiel ein Männertanz. Die ganz alten Tänze sind Erzählungen. Bei den heutigen Tänzen geht es um die verschiedensten Dinge, auch um das Sich-Präsentieren und Sich-Zeigen. Das liegt den Damen mehr als den Herren. Vor allem aber liegt eine Ästethik, eine Schönheit im Tanzen, die von den Frauen gerne hervorgebracht wird. Und dann ist da noch die Musikalität. Auch als Klaviermacher sehe ich, dass es im Konzertpublikum weibliche Mehrheiten gibt.

Diese Tanzfreude scheint ja auch ein sehr österreichisches Phänomen zu sein. Wien hat ja einen ganz eigenen, auch touristisch verwerteten Ruf als Walzerstadt. Stimmt diese Zuschreibung noch?

Es gibt in Österreich tatsächlich eine breite Akzeptanz für das Tanzen. Jugendliche gehen noch immer in die Tanzschulen, viele Mädchen haben ein weißes Kleid von einer Balleröffnung im Schrank hängen. Und eine erkleckliche Anzahl von Burschen hat sich schon einmal einen Smoking für eine Tanzveranstaltung ausgeborgt. Das gibt es sonst nirgends. In Deutschland zum Beispiel gibt es im Turniertanz tolle Tänzer. Aber dass so viele Menschen einfach gerne tanzen, das gibt es dort nicht. Das ist einzigartig in Österreich. In Wien gibt es dreißig Tanzschulen allein für klassische Tänze, das ist schon eine sehr große Dichte. Die meisten sehen sich als Freizeitbetriebe, weniger als Instanz. Aber das gibt es auch, zum Beispiel die Tanzschule Elmayer, die ist als Benimminstanz grandios.

Es gibt im tanzverrückten Wien ja nicht nur die klassischen Tänze, sondern ein unglaublich differenziertes Angebot. Alles, was getanzt werden kann, wird getanzt. Wie behauptet sich in dieser Vielfalt das klassische Angebot der Wiener Tanzschulen?

Das Geschäft ist schwieriger geworden. Es gibt einerseits die zehn Gesellschaftstänze, die normiert sind und nur in Tanzschulen von geprüften Tanzlehrern unterrichtet werden dürfen. Und dann gibt es das freie Gewerbe, dazu zählt etwa der Unterricht von Tango Argentino, Salsa und Merenge. Dort kann jeder machen, was er will. Es gibt weder Prüfungen noch Qualitätskontrollen. Wir Tanzschulen haben schon einen Kulturauftrag, und wir unterrichten eben die ganze Palette des Tanzvergnügens: Nicht nur Salsa, sondern auch Rumba, Foxtrott, Tango, Walzer, Boogie und so weiter. Es ist wie die Allgemeinbildung in der Schule.

Was sagt das Publikum, will es diese Breitbandausbildung nach wie vor?

Durchaus, es gibt den Wunsch nach einer Ausbildung in den Gesellschaftstänzen. Es gibt aber auch Szenen wie zum Beispiel die Westcoast-Swing-Szene. Das sind teils Modeerscheinungen, die währen zwei, drei Jahre, tolle Gurus treten in Erscheinung, und dann ebbt alles wieder ab. Kein Mensch spricht heute noch von Zumba. Das hat sich jemand ausgedacht und auf Franchise-Basis die Schritte verkauft. Doch Zumba war doch nur eine Art musikalischeres Aerobic. Verglichen mit der Geschichte des Gesellschaftstanzes ist das alles nur ein kurzer Hype.

Ist die Ausbildung zum Tanzlehrer formalisiert?

Es gibt eine Tanzlehrer-Akademie des Wiener Tanzschulverbands, die muss man absolvieren. Im Grunde genommen ist es ein duales Ausbildungssystem. Man macht die Ausbildung in einer Tanzschule auf der Basis eines Lehrvertrags. Für die Fachschule gibt es dann noch eine eigene Aufnahmeprüfung, die Ausbildung dauert drei Jahre. Nach zwei weiteren Jahren kann man dann die Tanzmeister-Prüfung ablegen.

Ist Tanzlehrer ein Fulltimejob, oder übt man den Beruf eher nebenbei aus?

Tanzlehrer in Vollzeit gibt es nur wenige. Das sind meist die, die eine eigene Tanzschule haben. Die meisten Tanzlehrer arbeiten zwei oder drei Tage die Woche und haben tagsüber noch einen anderen Job. Ein Beispiel aus meiner Tanzschule: Ich habe einen Tanzlehrer, der ist Professor an einer Uni, arbeitet aber nur 20 Stunden. Eine andere Tanzlehrerin arbeitet als Forscherin im Naturhistorischen Museum.

Das größte Hindernis beim Tanzenlernen ist das Gedächtnis. Wie lernt man am besten?

Ich versuche Französisch zu lernen und habe dabei eine englische Stimme im Ohr: Use it or loose it. Wenn man ein bisschen mehr erreichen möchte, muss man neben dem Kurs, den man besucht, einmal die Woche auch eine Perfektion aufsuchen. Die meisten Menschen, die heute in einen Tanzkurs gehen, haben aber wenig Zeit. Manche angehenden Tänzer wiederholen einfach den Kurs. Ich schaue mir auch gern Kinofilme öfter an, weil man dann mehr Details entdeckt. Das Tolle am Tanzen ist die Varianz der Füße: Man kann sich so unterschiedlich bewegen, das ist erstaunlich. Und mit jedem Tanz, den man lernt, hat man eine Ausdrucksform mehr.

Die Ballsaison hat begonnen. Was ist das Typische an Wiener Bällen?

Jeder, der einen Ball besucht, ist nicht nur Konsument, sondern auch Akteur. Das gibt es in der Form nur in Österreich, und es ist durchaus eigenartig. Wir haben schon einmal versucht, im Palais Auersperg Bälle für Touristen zu veranstalten. Es kommt jedoch keine Atmosphäre auf, wenn die Menschen in normalen Alltagskleidern auf einen Ball gehen. Wenn wir uns in einen Smoking stecken und ein hochgeschlossenes Hemd tragen, das zwickt und zwackt, und die Damen sich ins Ballkleid hineinhungern oder eigens um viel Geld eines kaufen, und dann auf Stöckelschuhen balancieren, dann ist das doch eher unbequem. Aber all das, die Aufmachung, die Kostümierung, macht aus so einer Tanzveranstaltung einen tollen Ball.

Kostümierung, Verkleidung, wir bewegen uns da in Traumbildern, nicht wahr?

Ja, absolut, und das ist das eigentlich Schöne daran. Der ehemalige Bürgermeister Häupl wurde einmal gefragt: Man sieht Sie am Fußballplatz mit einem Bier in der Hand und in der Oper mit einem Glas Sekt, wer sind Sie eigentlich wirklich? Und er antwortete: Ich bin das eine wie das andere. Es gibt heute keine eindimensionalen Menschen mehr. Ich finde Mehrdimensionalität schön.





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Dokument erstellt am 2019-01-30 13:12:25
Letzte Änderung am 2019-01-30 13:43:10



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