• vom 14.07.2009, 17:34 Uhr

Zeitgenossen


Superfund-Gründer Christian Baha über die Triumphe und Misserfolge computerbasierter Anlagestrategien

"Manchen Großbanken aus der Schweiz vertraue ich nicht mehr"




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Von Stefan Janny

  • Trotz guter Performance gab es Kapitalabflüsse.
  • Mittelfristig höhere Inflation erwartet.
  • Kritik an Bankenstützungspaket.
  • "Wiener Zeitung": Die Welt leidet unter der Finanzkrise und viele Investoren mussten beachtliche Verluste hinnehmen. Die Fonds der Superfund-Gruppe konnten im vergangenen Jahr hingegen erhebliche Wertsteigerungen verzeichnen. **

"Ich bin ein extrem risikoaverser Anleger. Kapitalerhaltung geht bei mir immer vor Gewinnmaximierung." Foto: Günther Peroutka

"Ich bin ein extrem risikoaverser Anleger. Kapitalerhaltung geht bei mir immer vor Gewinnmaximierung." Foto: Günther Peroutka "Ich bin ein extrem risikoaverser Anleger. Kapitalerhaltung geht bei mir immer vor Gewinnmaximierung." Foto: Günther Peroutka

Christian Baha: Die Finanzkrise trifft fast jedermann - Privatpersonen wie Unternehmen. Das macht keinen Spaß, auch wenn unsere Fonds im letzten Jahr durchaus sehr gut verdient haben. Wir konnten unseren Anlegern zumindest einen Ausgleich zu den herben Verlusten am Aktienmarkt bieten.

Wenn es überall bergab geht, die Arbeitslosenraten steigen und eine Bank nach der anderen vor einer möglichen Insolvenz zittert, dann färbt das auf die allgemeine Stimmung ab und das ist nicht unbedingt geschäftsfördernd, weil die Menschen verängstigt werden, was das Thema Geldanlage betrifft. Es wird dann generell aus allen Investmentformen Geld abgezogen.


Auch bei Ihren Fonds?

Ja, auch bei uns wurde Geld abgezogen. Die Fonds hatten zwar im letzten Jahr massive Gewinne - zwischen 36 und 80 Prozent, nach Gebühren -, aber manche Anleger haben diese benutzt, um die zum Teil extremen Verluste aus Veranlagungen im Aktien- und Immobilienbereich abzudecken.

Wir konnten die Abflüsse aber weitgehend durch Zuflüsse ausgleichen, die aus Ländern kamen, in denen wir vorher nicht präsent waren.

In den vergangenen sechs Monaten war die Performance Ihrer Fonds dann allerdings nicht mehr so toll.

Von März bis Juni gab es Verluste, der Juli ist schon wieder kräftig im Plus. Es ist normal, dass wir nach extrem starken Phasen einen Teil der Gewinne wieder zurückgeben. Wir erkennen nicht im Vorhinein, wann eine Trendwende kommen wird. Das kann kein Computermodell der Welt. Er kann einen Trend erkennen, der schon läuft, setzt dann auf diese Welle auf und reitet sie aus.

Sobald der Trend kippt, wird verkauft und die Gewinne werden realisiert. Wenn viele Trends in ganz unterschiedlichen Märkten gleichzeitig kippen, dann kommt es auch bei uns zu Verlusten. Da muss man zwischenzeitlich auch Verlustphasen von 20 bis 40 Prozent verkraften. Aber es sind keine 60 bis 90 Prozent wie bei Aktien.

Trotzdem ist es verblüffend, dass Ihre Fonds just zu jenem Zeitpunkt Verluste hinnehmen mussten, als an den Aktienmärkten wieder Geld zu verdienen war.

Für etwa vier Monate stimmt das. Als die Aktienmärkte wieder zum Anstieg angesetzt haben, haben auch sämtliche anderen Märkte gedreht, die üblicherweise nicht korrelieren. In diesem Fall gab es eine starke Korrelation, da haben wir einen Teil der Gewinne wieder hergeben müssen.

Es hat sich in den vergangenen 13 Jahren aber herausgestellt, dass es ein besonders guter Einstiegszeitpunkt ist, wenn die Fonds 20 bis 40 Prozent verloren haben, weil statistisch gesehen dann wieder Phasen mit überproportionalen Gewinnen kommen. Ob das schon in drei, sechs oder zwölf Monaten sein wird, weiß man nicht. Das hängt von den Märkten ab, wann es wieder schöne Trends gibt, auf die das Computersystem setzen und denen es folgen kann.

Der Computer ist dem Menschen jedenfalls deutlich überlegen und jeder, der sein Geld sinnvoll anlegen möchte, sollte sich diese Investmentform der Managed-Futures-Fonds ansehen.

Besteht Ihr eigenes Vermögen nur aus den Unternehmensanteilen an der Superfund-Gruppe, oder haben Sie selbst nennenswert Geld in Superfund-Fonds investiert?

Mein Haupteinkommen sind die Kursgewinne der Fonds und weniger das, was das Unternehmen verdient. Denn diese Gewinne reinvestieren wir zum größten Teil in die Erschließung neuer globaler Vertriebsmärkte und in das Marketing - und in die Weiterentwicklung unserer computergesteuerten Handelssysteme. Wir wachsen stark und sind dabei, dieses Jahr unsere Mitarbeiterzahl um mindestens 20 Prozent aufzustocken.

Ihre Handelssoftware, die Kauf- und Verkaufsentscheidungen im Wesentlichen ohne menschliches Zutun trifft, basiert auf den Erfahrungen und Kursentwicklungen der Vergangenheit. Die nunmehrige Finanz- und Wirtschaftskrise wird nach Meinung vieler Ökonomen aber Veränderungen mit sich bringen. Könnten solche Systembrüche das Computermodell aus der Bahn werfen?

Nein, denn Krisen folgen immer den gleichen Regeln. Eine Krise bedeutet, dass irgendwo Ereignisse passieren, auf die Menschen dann in irgendeiner Form reagieren. Das heißt: Das, was wir handeln, sind die Reaktionen der Menschen an den Märkten - egal ob das die Warenterminmärkte sind oder die Finanzterminmärkte. Manche Trendfolgermodelle existieren schon seit fast 40 Jahren und haben etwa in Phasen hoher Inflation, Börsen-Crashes oder während der Ölkrise extrem gut funktioniert.

Glauben Sie, dass wir in absehbarer Zeit wieder eine Phase hoher Inflationsraten erleben werden?

Ich würde mich mittelfristig eher auf Inflation als auf Deflation einstellen. Wenn so viel Geld gedruckt wird wie jetzt, braucht man nur in die Geschichte zurückblicken. Da gab es immer Inflation oder Hyperinflation, Währungen wurden wertlos.

Wie viel Geld verwalten Ihre Fonds derzeit?

Wir haben etwa 50.000 Kunden und per Ende 2008 hat das verwaltete Vermögen rund 1,6 Milliarden Dollar betragen.

Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass bei manchen Fonds, die den Ihren nicht unähnlich sind, die Performance mit steigenden Veranlagungsvolumina deutlich nachgelassen hat. Sehen Sie eine Größenordnung des verwalteten Vermögens, ab der die Renditen der Vergangenheit nicht mehr zu erzielen sein werden?

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-07-14 17:34:08
Letzte Änderung am 2009-07-14 17:34:00

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