• vom 16.12.2017, 12:00 Uhr

Zeitgenossen


Porträt

Neugier, Humor und Improvisation




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Von Uschi Sorz

  • Ihrer Geburtsstadt Wien blieb die 1938 nach Übersee emigrierte Lisl Steiner immer verbunden. Kürzlich feierte die Fotografin und Zeichnerin hier ihren 90. Geburtstag.

"Ich bin unkompliziert" und "Ich ziehe keine Bilanz": Zwei Wesenszüge der 1927 in Wien geborenen Fotografin Lisl Steiner, hier im Hotel Sacher in Wien.  - © Stanislav Jenis

"Ich bin unkompliziert" und "Ich ziehe keine Bilanz": Zwei Wesenszüge der 1927 in Wien geborenen Fotografin Lisl Steiner, hier im Hotel Sacher in Wien.  © Stanislav Jenis



Das Foto "Klavier mit Silhouette von Gulda im Teatro Colón" wurde 1949 von Lisl Steiner in Argentinien gemacht.

Das Foto "Klavier mit Silhouette von Gulda im Teatro Colón" wurde 1949 von Lisl Steiner in Argentinien gemacht.© ÖNB Das Foto "Klavier mit Silhouette von Gulda im Teatro Colón" wurde 1949 von Lisl Steiner in Argentinien gemacht.© ÖNB

Eine formidable Lockenmähne. Und jede Menge Armbänder. In Grün, Rot, Goldbraun, Orange funkeln sie. Dazu etliche große bis sehr große Ringe an den Fingern. Lisl Steiner ist das, was man in Wien eine Erscheinung nennt. Sie fällt auf.

Dabei wirkt sie ausnehmend freundlich und entspannt. Klarer Blick. Keine Allüren. Exzentrik scheint einfach ein natürlicher Teil ihres Wesens zu sein. In den samtigen Polstern der Blauen Bar im Sacher hat es sich die Foto-Legende bequem gemacht. Ein Stock lehnt am runden Marmortisch. Es ist der 19. November, ihr 90. Geburtstag.

Information

Uschi Sorz hat an der Kunstakademie in Amsterdam studiert, wo sie auch lange lebte. Sie ist nun freie Journalistin und Texterin in Wien.

Frühe Flucht aus Wien

Dass sie den hier feiern würde, hätte sich wohl keiner gedacht, als sie vor mehr als 80 Jahren an der Hand ihres Vaters zum ersten Mal ins Sacher kam. "Ich muss ungefähr drei gewesen sein", erinnert sie sich. Immer sonntags nahm die Familie das zweite Frühstück hier ein. Viele unbeschwerte Kinderjahre lang. Oft machte sich die kleine Lisl einen Spaß daraus, ihr umgedrehtes leeres Frühstücksei mit einer gespielten Beschwerde zurückzuschicken. Sie trieb Scherze mit den Kellnern. Bis es sie im Jahr 1938, mit elf, ganz plötzlich auf einen anderen Kontinent verschlug.

Übertriebene Fluchtgeschichten will sie dennoch keine über sich verbreitet wissen. "Wir waren schon vorher weg", sagt sie trocken. Gemeint ist: bevor Hitler hier sein Unwesen trieb. "Uns ist nichts passiert." Ihr Vater habe früh gespürt, dass es für seine jüdische Frau hier brenzlig werden würde. Seine zwei Brüder, einer Professor in Buenos Aires, einer Journalist in Chile, bildeten den Ankerpunkt. Die Wahrheit über die katastrophalen politischen Entwicklungen hielt die Familie von Lisl fern.

Lisl Steiner wurde 1927 in Wien geboren. Der Vater hatte italienisch-ungarische, die Mutter tschechische Wurzeln. Ihre Kindheit war glücklich, sagt sie, und ihre Jugend in Buenos Aires ebenso. Ihre Eltern liebten sie, ließen ihr zudem viel Freiheit. "Ich war früh selbstständig." In der argentinischen Hauptstadt studierte sie Kunst an der Fernando-Fader-Hochschule. Schnupperte dann ein bisschen an der Universität, aber nicht lange. "Ich wollte lieber Autodidaktin sein."

Sie arbeitete in der argentinischen Filmindustrie, assistierte bei über 50 Dokumentarfilmen. Bekam eine Kamera geschenkt und begann sich für Fotojournalismus zu interessieren. Ab 1955 hat sie eine fulminante Karriere als Porträt- und Reportagefotografin und Zeichnerin hingelegt. Sie fotografierte für "Newsweek", "Time Magazine", "Life" und andere illustre Blätter.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-14 17:32:12
Letzte Änderung am 2017-12-15 16:30:51


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