• vom 16.12.2017, 15:00 Uhr

Zeitgenossen


Filmtechnik

Der Held hinter der Kamera




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Von Werner Schandor

  • Trotz seiner drei Technik-Oscars gehört der Wiener Fritz Gabriel Bauer zu den weniger bekannten Akteuren des heimischen Films. Dabei hat er die Technik von 35 mm-Filmkameras revolutioniert.

Filmtechnik ist sein Leben: Fritz Gabriel Bauer hat einige der besten analogen Kinokameras entwickelt. - © Werner Schandor

Filmtechnik ist sein Leben: Fritz Gabriel Bauer hat einige der besten analogen Kinokameras entwickelt. © Werner Schandor

Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky hat bei einer Podiumsdiskussion der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft 2016 darauf hingewiesen, dass ohne die Moviecam von Fritz Ga-briel Bauer der moderne Film vermutlich anders aussehen würde. Bis in die 1970er waren die Kameras, mit denen man Kinofilme drehte, unheimlich schwere Ungetüme, und es brauchte drei Personen, um eine solche Kamera samt Stativ von A nach B zu bewegen.

Dann kam in den 1970ern Fritz Gabriel Bauer mit seiner Moviecam - einer qualitativ hochwertigen, aber leichten Kamera, die man sowohl als Schulterkamera einsetzen als auch mit verschiedenen Modulen zur Studiokamera aufmagazinieren konnte. Und plötzlich war man bei Actionszenen noch eine Spur näher am Geschehen dran.

Information

Werner Schandor, geboren 1967, lebt als Autor, Journalist und Fachhochschullektor in Graz.

Ist das wirklich so? Hat die Moviecam die Kinoästhetik verändert? - Fritz Gabriel Bauer winkt ab, als ich ihn, einen freundlichen, älteren Herren mit kurzgestutztem grauem Oberlippenbart und wachen Augen, in seinem Haus in Purkersdorf besuche: Ruzowitzkys Einschätzung ist für ihn zu hoch bemessen. Obwohl. Steven Spielberg beispielsweise hat bei der Anfangssequenz von "Soldat James Ryan", wo die Granaten bei der Landung in der Normandie in den Sand einschlagen, dass man sich mitten im Geschehen wähnt, mit Moviecams gearbeitet.

Gemeinsam mit Quentin Tarantino sei Spielberg auch einer der Letzten, die noch mit seinen Analogkameras drehen. Alle anderen hätten längst auf Digitaltechnik umgestellt, 4k ist jetzt der Indus-triestandard in Hollywood. Fritz Gabriel Bauer muss es wissen. Schließlich gehört er seit 2012 selbst jenem Komitee an, das die Maßstäbe definiert: der "Academy of Motion Picture Arts & Sciences", besser bekannt als jene Instanz, die die Oscars vergibt.

Zuerst Bühnenbilder

Spulen wir den Film zurück an den Anfang, nach Wien, Ende der 50er Jahre. Der HTL-Maschinenbauer Fritz Bauer, Jahrgang 1941, will Architektur studieren und arbeitet nebenbei in einem Kons-truktionsbüro. Er berechnet unter anderem die Statik der Messehalle. Im Vorlesungsverzeichnis an der Akademie der bildenden Künste fällt ihm ein Fach auf, das ihn noch mehr fasziniert als Architektur: Bühnenbild. Caspar Neher, der es leitet, ist eine Legende. Neher hat unter anderem die Bühnenbilder für alle Uraufführungen von Bert Brecht entworfen. Und er nimmt Fritz Bauer nicht nur in den Kreis seiner Studenten auf, sondern macht ihn nach einem halben Jahr sogar zu seinem Assistenten.

Stolze Sammlung: Bauers Technik-Oscars.

Stolze Sammlung: Bauers Technik-Oscars.© Schandor Stolze Sammlung: Bauers Technik-Oscars.© Schandor



"Ich bin dann auch dahinter gekommen, warum", erzählt Fritz Bauer: "Caspar Neher hat immer wunderschöne lavierte Tuschzeichnungen gemacht mit Sepiatinte und aufgehellt mit Weiß. Es war alles immer ein bisschen verschwommen und sehr eindrucksvoll, aber die Werkstätten sowohl in der Oper in Catania, wo Neher wirkte, als auch in Berlin oder in Wien konnten damit wirklich nichts anfangen. Er hat also jemanden gebraucht, der seine Ideen ins bühnentechnisch Machbare übersetzte. Das habe ich dann für ihn versucht."




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Dokument erstellt am 2017-12-14 17:35:08
Letzte ńnderung am 2017-12-14 17:49:56



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