• vom 20.01.2018, 17:00 Uhr

Zeitgenossen

Update: 29.01.2018, 17:32 Uhr

Porträt

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Von Martina Farmbauer

  • Der österreichische Designer Hans Donner hat in seinem Sehnsuchtsland Brasilien Karriere gemacht - und sein privates Glück gefunden.

Der Österreicher Hans Donner hat Brasiliens Nationalflagge neu designt.

Der Österreicher Hans Donner hat Brasiliens Nationalflagge neu designt.© privat Der Österreicher Hans Donner hat Brasiliens Nationalflagge neu designt.© privat

Im Jahr 1958, im Alter von zehn Jahren, hat Hans Donner sich in Brasilien verliebt. Er war begeistert vom Fußball der Brasilianer - und von deren Emotion: Nach jeder Partie der brasilianischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Schweden, die er live via Eurovision im Fernsehen sah, spielten sein Bruder Harald und er im Hinterhof in Bregenz "Pelé" und "Gilmar" (wobei Hans als Torhüter zwischen zwei Bäumen im Gegensatz zu Gilmar keinen Ball durchließ). Als dann Pelé (der echte) an der Brust des Torhüters weinte, nachdem Brasilien erstmals die WM gewonnen hatte, identifizierte Hans Donner sich mit diesem - ohne auch nur im Entferntesten davon zu träumen, jemals die portugiesisch Sprache zu sprechen oder gar Pelé kennenzulernen. Er sollte diesen später, bei einer Ausstellung über seine Arbeit in New York, treffen und zu ihm sagen: "Ich habe dich weinen sehen, als du 17 warst."

Viele solcher Begegnungen, Verbindungen, Zufälle - die für ihn keine Zufälle sind, sondern Bestimmung, Fügung, Schicksal - haben das Leben Donners in Brasilien bestimmt. Sie haben ihn, der in Wuppertal geboren und mit zwei Jahren Österreicher wurde, in Wien eine Ausbildung zum Designer gemacht und in Rio de Janeiro das TV-Globo-Logo geschaffen hat, zu dem gemacht, was er hier ist: ein Superstar.


Brasiliens Flagge
Jahrzehntelang ist Hans Donner für das Design des größten (und mächtigsten) Fernsehsenders Brasiliens und eines der größten Senders der Welt, TV Globo, zuständig gewesen. In den vergangenen Jahren hat er sich zunehmend eigenen Projekten gewidmet, "eigenen Schüben", wie er sagt, die aus seinen Erfahrungen entstanden: eine neue Zeit(-messung), eine neue brasilianische Fahne.

Donners Logo von TV Globo.

Donners Logo von TV Globo. Donners Logo von TV Globo.

Hans Donner hat die Fahne jüngst bei der Eröffnung des Fórum do Amanhã (gegründet vom italienischen Soziologen Domenico di Masi) vorgestellt, das Unternehmer, Intellektuelle und Kreative in Tiradentes zusammenbringt. Seinen Vortrag beginnt er - mit der Zahl 1958. Es folgt ein rasanter und rauschender Überblick über seine Arbeit für TV Globo und den Bezug zu Brasilien. "Für die Menschen in Brasilien bin ich ja TV Globo", sagt Donner. Er schlägt auch den Bogen zu Tiradentes, dieser schnuckeligen, portugiesisch anmutenden Stadt im Bundesstaat Minas Gerais, von wo Portugals Kolonialherren massenhaft Gold abtransportierten oder damit Kirchen in den sogenannten historischen Städten jener Region ausschmückten.

Tiradentes, der Namenspatron der Stadt, war ein brasilianischer Freiheitskämpfer des 18. Jahrhunderts; Hans Donner ist ein österreichischer Designpionier der Gegenwart, der ebenfalls eine große Zuneigung zu Brasilien hat und darum positive Impulse geben möchte. Nach vier Jahrzehnten hier weiß er, wie er die Herzen der Brasilianer erreicht. Im Internet erschienen die üblichen Memes (Inhalte, die sich viral verbreiten). Aber das brasilianische Nachrichtenmagazin "Veja" widmete seinem Fahnendesign und ihm einen Beitrag über vier Seiten. Auf die Frage, aus welchem Grund er das mache, das mit der Fahne, sagt Donner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Damit kann ich etwas zurückgeben. Ich habe zu viel bekommen. Wenn man meine Geschichte kennt, ist das fast unglaublich." Und wenn man seine Geschichte kennt, dann kann man auch verstehen, weshalb die stolzen Brasilianer akzeptieren, dass er ihnen einen Design-Vorschlag macht.

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Dokument erstellt am 2018-01-19 10:14:07
Letzte Änderung am 2018-01-29 17:32:11


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