• vom 10.02.2018, 13:00 Uhr

Zeitgenossen


Comics

Ingenieur trifft Fantastilliardär




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Als Don Rosa geboren wurde, war der Zweite Weltkrieg gerade sechs Jahre zu Ende. Harry S. Truman war US-Präsident, und Joseph McCarthy verfolgte Kommunisten. Das war die Welt, die ihn umgab, und darum siedelte er die meisten seiner Geschichten auch in der Zeit seiner eigenen Jugend an. Damals nämlich entdeckte er die Comicsammlung (es waren ausschließlich Hefte aus dem Hause Dell) seiner elf Jahre älteren Schwester Diana: "Die Ducks waren für mich so lebendig wie meine Eltern", erzählt er im großartigen Bildband "I Still Get Chills" von Alex Jakubowski und Lois Lammerhuber, die Don Rosa für einige Tage in seinem Haus besuchten und dies in Worten und Bildern festhielten. Er hält Dagobert für "die größte Figur der Weltliteratur" überhaupt. Für ihn ist er kein gieriger, alter Sack, sondern ein "Abenteurer".

"Ich denke, man muss sie als Kind lesen", sagt er in diesem Buch über seine geliebten Comics, von denen ihm bis heute "Donald Duck und der Goldene Helm", 1965 ein Nachdruck aus dem Hause Gold Key, der liebste überhaupt ist. Diese und alle anderen Geschichten waren ihm als Kind willkommene Zerstreuung und Flucht, denn diesen Teil seines Lebens bezeichnet er rückblickend als sehr schwierig.

"Ich machte nie etwas Spaßiges mit meinen Eltern", fällt er ein vernichtendes Urteil über beide Elternteile, und noch negativer fällt das Urteil über die Mutter aus: "Die war einfach nur boshaft. Eine gemeine, selbstsüchtige Person." Vielleicht blieb er deswegen mit seiner Frau Ann, einer Lehrerin, kinderlos. Ursprünglich wollte Don Rosa nur ein einziges Mal eine Geschichte mit Onkel Dagobert im Mittelpunkt gestalten, das war sein Lebenstraum. Dieser erfüllte sich, als er 1987 für Gladstone Comics "The Son Of The Sun" erzählte und zeichnete. Er arbeitete ein halbes Jahr lang daran, immer abends nach dem Job.

Der gelernte Tiefbauingenieur behauptet von sich: "Ich zeichne wie ein Ingenieur. Wenn ich die Frontalansicht eines Duck-Gesichts zeichne, lege ich im Panel zuerst eine Mittellinie und messe dann daran den Abstand der Augen ab." Inhaltlich bediente er sich an klassischen Genres wie den Entdeckungsreisen des Jules Verne (der einer seiner All Time Favorites ist) oder am Thema "Schatzsuche" wie bei Indiana Jones. Seinen "Schwarzen Ritter" alias Arpin Lusène, den Meisterdieb, lehnte er an Arsène Lupin aus den Romanen von Maurice Leblanc an. Aber auch H. Rider Haggard hatte Einfluss auf ihn, der "das gesamte Genre der ,Verlorene-Zivilisation-Literatur‘ schuf, die im frühen 20. Jahrhundert großen Anklang fand."

Biografie-Meisterwerk

Seine eigenen Geschichten recherchierte er stets penibel: "Ich hatte die Handlung immer schon im Kopf", erzählt er. "Also begann ich mit der letzten Seite, denn wenn ich die Handlung kannte, kannte ich auch das Ende der Geschichte." So arbeitete er sich vom letzten Panel bis zur Mitte, dann vom ersten Panel ebenfalls bis zur Mitte, wie ein Tunnelbauer. "In der Mitte der Geschichte befinden sich immer Slapstick, Action, Comedy. Das ist nicht so wichtig." Jedenfalls im Vergleich zum Rest der Story. Rosa wird vor allem als erfindungsreicher Erzähler geschätzt, zeichnen können andere auch.

Zwischen 1991 und 1994 lieferte er für den dänischen Egmont Verlag sein Meisterstück ab, eine auf zwölf Bände angelegte Biografie des Alten: "Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden." Keine "offizielle" Biografie, wie er einräumt, sondern stark angelehnt an die eigenen Vorlieben. Die erste Begegnung von Donald mit Dagobert in diesen Memoiren gestaltet er mit den Worten: "I am your mothers brother, your uncle. Scrooge McDuck." Nach neun Bänden war Schluss, und seine Zeichnerkarriere endete im Streit mit Disney. "Die Gefangene am White Agony Creek" war im Mai 2006 seine letzte Geschichte. In einem Epilog in Band 9 wollte er erklären, warum es ihn nicht mehr freute: Der deutsche Verlag war einverstanden, der Disney-Konzern aber nicht. Vielleicht deshalb: "Enttäuschung über das Disney-Comicsystem", so benannte er den Grund Nummer eins für seine Entscheidung, nicht mehr zeichnen zu wollen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-09 14:23:19
Letzte Änderung am 2018-02-09 15:34:10


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