• vom 21.09.2007, 14:02 Uhr

Zeitgenossen

Update: 06.10.2009, 15:56 Uhr

"Es war eine sehr gute Lernschule"

Heinrich Treichl




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Von Alexander U. Mathé

  • Der ehemalige CA-Chef Heinrich Treichl ist einer der ältesten noch lebenden ehemaligen Schottengymnasiasten und erinnert sich gerne an seine Schulzeit
  • Wiener Zeitung:Wie war das, als Sie ins Schottengymnasium gekommen sind?
  • Heinrich Treichl: Daran kann ich mich noch genau erinnern. Das war im Herbst 1923. Damals gab es noch diese uralten Schulbänke mit Klapppulten. Auf diesen Bänken sind je zwei Schüler gesessen. Darauf war alles Mögliche eingeschnitzt, auch Namen. Ich weiß noch, dass sich auf meinem Pult der Schriftsteller Ferdinand von Saar verewigt hatte. Der war in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts hier gewesen und es waren noch dieselben Bänke. Wir waren im ersten Jahr mehr als 60 Schüler in der Klasse, ich glaube 66. Die Klasse hat sich dann aber sehr schnell geleert. Es wurden sehr viele hinausgeschmissen, die nicht mitkonnten. Am Ende des ersten Schuljahres waren es nur noch vierzig.

Trat 1923 ins Schottengymnasium ein: Heinrich Treichl. Foto: APA

Trat 1923 ins Schottengymnasium ein: Heinrich Treichl. Foto: APA Trat 1923 ins Schottengymnasium ein: Heinrich Treichl. Foto: APA

Gab es damals weltliche oder geistliche Professoren?

Bis auf den Turnlehrer und den Zeichenlehrer waren alle Lehrer Geistliche.


War es früher ein Privileg, ins Schottengymnasium zu gehen, und war es teuer?

Nein. Es hat natürlich eine gewisse Selektion gegeben. Also, um das soziologisch einzuordnen: Das Theresianum war die aristokratische Schule. Die Schotten haben einen viel breiteren Querschnitt gehabt: der hat von einem Bourbon-Parma bis hin zu Schülern der bescheidensten Herkunft gereicht. Das Gros kam aus dem gehobenen Wiener Bürgertum, also dem Beamtenadel. In der soziologischen Frage waren die Schotten also betont demokratisch. Aber als Bildungseinrichtung waren sie elitär und auch sehr religiös bestimmt.

Wie war es bei Ihnen um die Religion bestellt?

Meine Eltern waren nicht sehr praktizierende Katholiken, aber sie wollten uns in diese Schule schicken. In Bezug auf die Religion verdanke ich den Schotten sehr, sehr viel.

Was hat Ihnen am Schottengymnasium am meisten gefallen?

Also rückblickend finde ich, dass die Benediktiner wunderbare Erzieher sind. Es hat nicht diese jesuitische Disziplin wie in Kalksburg gegeben. Es war offener oder toleranter, wenn man so will. Es war eine sehr gute Lernschule. Ich war kein Vorzugsschüler. Nicht ganz bei den Schlechtesten, eher mittel. Ende der Fünften habe ich das Schottengymnasium verlassen müssen, weil meine Eltern nach Deutschland gezogen sind. Ich war 15 Jahre alt, und meine Mutter hat mich im sehr angesehenen Lessing-Gymnasium in Frankfurt angemeldet. Die haben dort ein bisschen deutsch-arrogant und schnoddrig gesagt, ich komme in die Oberterzia. Das war das Äquivalent zu unserer Fünften. Da hat meine Mutter nachgerechnet und gesagt: "Da verliert er aber sehr viel, er kommt aus einer sehr guten Schule, machen Sie doch eine Aufnahmsprüfung." Dann haben sie mich getestet und gleich zwei Jahre höher eingestuft. Da war ich dann nicht nur der Jüngste, sondern durch die sehr gute Vorbildung bei den Schotten auch einer der Besten. Ein mittlerer Schüler bei den Schotten war im sehr guten Lessing-Gymnasium immer noch unter den Besten.

Damals hat es ja noch die Prügelstrafe gegeben. War das auch ein Thema bei den Schotten?

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Dokument erstellt am 2007-09-21 14:02:11
Letzte Änderung am 2009-10-06 15:56:00


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