• vom 25.03.2018, 09:00 Uhr

Zeitgenossen


Interview

"Es ist schwer, ihre Blicke zu vergessen"




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Von Christof Mackinger

  • Die kanadische Fotografin Jo-Anne McArthur über den Einsatz von Bildern im Tierschutz, ihre Ansichten über Zoos - und warum sie Gnadenhöfe für Tiere bevorzugt.



"Etwas zu sehen ist der erste Schritt . . .": Jo-Anne McArthur mit "Fanny".

"Etwas zu sehen ist der erste Schritt . . .": Jo-Anne McArthur mit "Fanny".© Farm Sanctuary "Etwas zu sehen ist der erste Schritt . . .": Jo-Anne McArthur mit "Fanny".© Farm Sanctuary

"Wiener Zeitung": Warum rückt man als Fotojournalistin Tiere in den Fokus?

Jo-Anne McArthur: Nachdem ich lange Menschenrechts- und Reisegeschichten fotografiert habe, bin ich über das gestolpert, was ich die "unsichtbaren Tiere" nennen würde. Tiere, die trotz ihrer Masse in den Medien völlig unterrepräsentiert sind: Alle sehen gerne Bilder von süßen Haustieren, aber kaum jemand interessiert sich für die Schicksale von Schweinen in Kastenständen, Hühner in Käfigen oder für die anderen schrecklichen Dinge, die mit Tieren gemacht werden. Und als ich diese "unsichtbaren Tiere" einmal entdeckt hatte, wurde mir klar, dass es unendlich viele von ihnen zu fotografieren gibt; dass sie überall sind. Viele Fotografen nutzen ihre Kamera dazu, um Kunst zu machen oder ihre Neugierde zu befriedigen. Für mich ist sie eher ein Mittel, um die Welt zu verändern.

Information

Jo-Anne McArthur ist Begründerin von "WeAnimals", einem Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, das Verhältnis der Menschen zu Tieren sichtbar zu machen. Die in Toronto/Kanada lebende Fotografin arbeitete u.a. für "National Geographic" oder das "Elle"-Modemagazin. Heute dokumentiert sie vor allem Tiere in Gefangenschaft und wurde dafür 2017 mit dem Publikumspreis des "Wildlife Photographer of the Year" ausgezeichnet, dem renommiertesten Naturfotowettbewerb der Welt.

Christof Mackinger ist Politikwissenschafter und freier Journalist in Wien.

Können Bilder tatsächlich die Welt verändern?

Über die letzten 20 Jahre habe ich sehr viele Veränderungen beob-achtet, die durch Bilder angestoßen wurden. Meine Bilder wurden schon in so vielen Kampagnen von Tierschutzorganisationen benutzt, wie etwa in der Kampagne zum Vancouver Aquarium. Erst kürzlich wurde dort beschlossen, in Zukunft keine Wale und Delfine mehr zu halten. Es mag abgedroschen klingen, aber der Spruch "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" stimmt einfach. Bilder können Emotionen extrem gut transportieren - und sie sind auch leichter vermittelbar als Texte. Dabei sind sie natürlich immer nur eine Möglichkeit von vielen, um einen Wandel herbeizuführen.

Im Unterschied zu den Sozialen Medien, wo heutzutage alles ex-trem schnell passiert, haben Fotos eine gewisse Beständigkeit. Fotos kann man in Büchern drucken, spätestens dann sind sie Dokumente der Zeitgeschichte.

In Ihrem aktuellen Buch, "Captive", geht es um Zoos und Aquarien. Warum?

Das Dasein von Tieren in Zoos und Aquarien ist in der Öffentlichkeit kaum Thema. Als Individuen sind die Tiere dort eigentlich unsichtbar, vielmehr werden sie als Repräsentanten ihrer Spezies ausgestellt - und sind damit völlig austauschbar. Dazu kommt, dass Zoos und Aquarien in der Regel Orte des Kommerzes sind. Die Tiere fungieren als Ausstellungsstücke, und ihr Wohl steht dabei nicht an vorderster Stelle - sonst wären sie ja auch nicht eingesperrt. Dasselbe gilt für Aqua-rien: Sie können unmöglich ein Ort sein, an dem sich Meerestiere wohlfühlen. Viele von ihnen, wie etwa Orcas, werden sogar in Freiheit gefangen. Zoos brüsten sich oft mit Auswilderungsprojekten. Ich würde aber gerne diese ganzen Zucht- und Wiederansiedelungsprojekte sehen, die es überall geben soll und die all das rechtfertigen; erfolgreiche gibt es jedenfalls sehr selten.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-23 14:11:54
Letzte Änderung am 2018-03-23 15:43:43


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