• vom 15.07.2018, 09:00 Uhr

Zeitgenossen

Update: 15.07.2018, 15:03 Uhr

Interview

"Das Theater ist mir zu theatralisch"




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Von Christine Dobretsberger

  • "Seelenverwandte" (Folge 1): Die Schauspieler Michael Schottenberg und Wolfram Berger über ihre einstige Theater-Leidenschaft.

"Selbst wenn wir uns viele Jahre nicht sehen, kann ich ihn treffen und wir reden wie gestern . . .": Michael Schottenberg (l.) und Wolfram Berger. - © Robert Wimmer

"Selbst wenn wir uns viele Jahre nicht sehen, kann ich ihn treffen und wir reden wie gestern . . .": Michael Schottenberg (l.) und Wolfram Berger. © Robert Wimmer

"Wiener Zeitung": Herr Schottenberg, als ich Sie gefragt habe, mit wem Sie gerne unter dem Motto "Seelenverwandtschaften" ein Gespräch führen würden, kam sofort der Name Wolfram Berger ins Spiel. Bei unserer letzten Begegnung im Rahmen der "Wiener Salongespräche" vor 16 Jahren war Herr Berger ebenfalls Ihr Wunschgesprächspartner. Es dürfte sich hier um eine besondere Freundschaft handeln . . .

Michael Schottenberg: Wir haben uns seither nicht mehr gesehen.

Wolfram Berger: Vielleicht nicht 16 Jahre, aber zehn Jahre sicherlich! Weil die Welt so groß ist, haben wir gesagt, jetzt schauen wir einmal in verschiedene Richtungen, wir treffen uns sicher wieder bei Dobretsberger. Und zack - sitzen wir schon da!

Information

Wolfram Berger, geboren 1945 in Graz. Nach Abschluss seiner Schauspielausbildung Engagements u.a. in Graz, Basel, Zürich, Stuttgart und Bochum. Seit 1980 ist Berger als freischaffender Schauspieler, Sänger, Kabarettist sowie als Regisseur und Produzent von ungewöhnlichen Theaterabenden abseits des Mainstreams tätig. Eine Vielzahl an Radio-, Hörspiel- und Hörbuchproduktionen (u.a. Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" als ungekürzte Sololesung) runden sein vielseitiges Schaffen ab. Auszeichnungen (Auswahl): "Bester Schauspieler 2015" (Montréal World Film Festival), "ORF – Schauspieler des Jahres 2001", "Salzburger Stier 1997".

Michael Schottenberg, geboren 1952 in Wien, Schauspielausbildung am Salzburger Mozarteum, ab 1975 Engagements u.a. am Theater in der Josefstadt, Volkstheater, Freie Volksbühne Berlin. 1984 gründete er das "Theater im Kopf". Ab 1987 Regietätigkeit in den Sparten Theater, Film und Fernsehen. Von 2005 bis 2015 leitete Schottenberg das Wiener Volkstheater. Für seine Arbeiten gewann er zahlreiche Preise (u.a. bei Filmfestivals in Cannes, Houston, Saarbrücken). Für sein Theaterschaffen wurde er u.a. mit dem Nestroy-, Karl-Skraup- und Dorothea-Neff-Preis ausgezeichnet. 2017 ist sein Buch "Von der Bühne in die Welt: unterwegs in Vietnam" im Amalthea Verlag (208 Seiten, 23 Euro) erschienen.

Christine Dobretsberger,
1968 in Wien geboren, ist freie Journalistin und Autorin. Ihre neue Gesprächsreihe "Seelenverwandte" erscheint in loser Folge. Als nächste im August: Die Psychotherapeutin Christl Lieben und die Kabarettistin Nadja Maleh.

Schottenberg: Ich dachte mir, vielleicht haben Sie ja eine Frage auf Lager, die Sie uns beim letzten Mal gestellt haben und über die wir nun aus heutiger Sicht nochmals nachdenken könnten.

Damals haben wir über die Wiener Theaterszene diskutiert und Ihr Schlusssatz war, dass es an der Zeit wäre, dass andere Theaterdirektoren zum Zug kämen.

Schottenberg: Das könnte diesmal auch wieder der Schlusssatz sein. Wobei es sicher kein Ruhmesblatt war, was ich so angestellt habe, das fand ich ja selber unter jeder Kanone. Aber jetzt? Ich sehe im Theater keinen Spaß mehr und keine Leichtigkeit. Was bleibt ist Belehrung. Gott, wie langweilig.

Sie sprechen Ihre Zeit als Volkstheater-Direktor an?

Schottenberg: Ja, das war genau nicht das, was ich eigentlich als Lebensplan gehabt habe. Eher aus sportlichen Gründen habe ich gesagt, das möchte ich werden, weil ich gedacht habe, ich kann das. Aber zwischen Wollen und Können hockt ein hässliches Tier. Ehrlich gesagt habe ich mich durch diese Zeit hindurchgequält.

Von 2005 bis 2015 waren das immerhin zehn Jahre.

Schottenberg: Das war mein Problem, und ich habe dich, Wolfi, gut verstanden, dass du schon sehr viel früher den Hut genommen hast und seither dein eigenes Ding machst. Der Ensemblegedanke an sich ist schön, aber dieses ewige Zusammenpicken auf Dauer ist nicht lustig, vor allem hat mir die Freiwilligkeit gefehlt. Ich musste auch permanent den Kopf für Angelegenheiten hinhalten, die mich überhaupt nicht interessiert haben, mich letztlich nichts angingen. Aber als Geschäftsführer musste ich das alles sehr ernst nehmen. Okay, habe ich auch. In meiner Vita ist diese Zeit keine wirklich befriedigende Erinnerung.

Es gibt nichts, das Sie aus dieser Ära positiv in Erinnerung behalten?

Schottenberg: Doch: Dass ich gesund geblieben bin.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-12 17:08:06
Letzte Änderung am 2018-07-15 15:03:35


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