• vom 10.08.2018, 17:00 Uhr

Zeitgenossen


Interview

"Man ist ja selber wie eine Melodie"




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Von Christine Dobretsberger

  • "Seelenverwandte" (Folge 2): Die Psychotherapeutin Christl Lieben und die Kabarettistin Nadja Maleh über Wesensähnlichkeiten, Resonanzen, Humor in allen Lagen - und die Inszenierungen des Lebens.

"Ich bin bei der Aufnahmeprüfung am Reinhardt-Seminar auch durchgefallen! Das haben wir also gemeinsam": Nadja Maleh (l.) und Christl Lieben. - © Robert Wimmer

"Ich bin bei der Aufnahmeprüfung am Reinhardt-Seminar auch durchgefallen! Das haben wir also gemeinsam": Nadja Maleh (l.) und Christl Lieben. © Robert Wimmer

"Wiener Zeitung": Frau Maleh, Sie haben vor einiger Zeit eine Rezension über Christl Liebens Buch "Die Liebe kommt aus dem Nichts" geschrieben. Beim Lesen dieser Zeilen hatte ich den Eindruck, dass Ihnen dieses Buch sehr nahe gegangen ist . . .

Nadja Maleh: Ja, auf jeden Fall! Dieses Buch hat mich auf vielen Ebenen sehr berührt.

Information

Christl Lieben, geboren 1936, nach dem Studium von Theaterwissenschaft und der Mitarbeit in der von ihrem Mann, Joachim Lieben, geleiteten Konzertagentur "Jeunesses Musicales" absolvierte sie mit 27 Jahren eine Goldschmiedelehre, eröffnete eine eigene Werkstätte und erhielt internationale Preise. Seit 1976 arbeitet Christl Lieben einzeln und in Gruppen als Psychotherapeutin sowie als Supervisorin und Coach in freier Praxis in Wien. Sie hält Seminare in Österreich, Deutschland und Amerika. www.christl-lieben.com

Zuletzt publizierte Bücher:
"Die Liebe kommt aus dem Nichts", Scorpio Verlag, München 2014, 160 Seiten, 17,50 Euro.
"Im Antlitz des Bösen", Scorpio Verlag, München 2016, 232 Seiten, 18,50 Euro.

Nadja Maleh, geboren 1972 in Wien, nach ihrer Schauspielausbildung (Graumanntheater Wien, Bewegungstheater Odeon) zahlreiche Engagements im Bereich Bühne/Film/Fernsehen. Ihr erstes kabarettistisches Soloprogramm "Flugangsthasen" feierte 2007 Premiere. Es folgten drei weitere Solo-Programme ("Radio aktiv", "Jackpot", "Placebo") sowie 2016 ein überarbeitetes Best-of-Kabarett-Programm. Seit April 2018 ist sie gemeinsam mit ihrer Band auch mit einem Konzertprogramm ("Nadja Maleh in concert") auf Tournee. Am 7. September erscheint Nadja Malehs zweites Album, "Songs Vol 2". Am 10. Oktober hat ihr neues Solo-Programm "Hoppala!" in der Wiener Kulisse Premiere. www.nadjamaleh.com

Christine Dobretsberger, 1968 in Wien geboren, ist freie Journalistin und Autorin.

Siehe auch Folge 1 der Serie "Seelenverwandte": Michael Schottenberg und Wolfram Berger.

Christl Lieben: Wie sind Sie überhaupt auf mein Buch aufmerksam geworden?

Maleh: Ich gehe oft intuitiv in eine Buchhandlung und greife immer zum richtigen Buch. Es war keine Empfehlung, ich habe es einfach gesehen und dachte: Das! So ist ganz viel in meinem Leben. Beim Lesen war da sicher das Gefühl einer Seelenverwandtschaft zu Ihnen. Aber von Ihnen zu mir?

Lieben: Schon auch. Ich war vor kurzem bei Ihrem Abend im Wiener Lokal CasaNova und da hat mir sehr gut gefallen, wie Sie die Frauen dargestellt haben. Meistens sind die Frauen ja das Opfer der Welt, gerade jetzt. Sie haben aber die Kraft, die Souveränität und Eigenständigkeit der Frauen herausgestellt. Das war sofort ein Faden zu Ihnen! Es war auch herrlich, wie Sie gesagt haben, die Frauen betrügen ihre Männer genauso wie die Männer ihre Frauen, nur sind sie geschickter. Wunderbar!

Frau Lieben, sich mit seelischen Dingen auseinanderzusetzen ist Ihr Beruf. Wie denken Sie prinzipiell über das Thema Seelenverwandtschaften? Woher rührt dieses Gefühl, das wohl jeder schon erlebt hat: Man trifft einen Menschen zum ersten Mal in seinem Leben und hat den Eindruck, ihn schon ewig zu kennen. Ist das ein Zufall oder hat das mit besonderer Sensibilität zu tun?

Lieben: Nein, es ist eine Resonanz, eigentlich ein Resonanzeffekt. Wir haben unterschiedliche innere Verfassungen und dann treffen wir jemanden, der mit seiner Verfassung in dieses Schema hineinpasst. Hinzu kommen ähnliche Anlagen, vielleicht ein ähnliches Schicksal. All das schwingt dann zusammen und ergibt das Gefühl, sich sozusagen ewig zu kennen. Diese Verwandtschaft und plötzliche Nähe kennen wir alle - mit Männern und Frauen. So etwas ist wahnsinnig schön, weil man muss sich nichts erklären.

Maleh: Für mich ist es auch so: Man ist ja selber wie ein Lied, eine Melodie - und dann hört man ein Lied oder eine Melodie und das harmoniert und ergibt dann zusammen etwas Zweistimmiges oder einen Chor.

Lieben: Oder eine gemeinsame Melodie.

Maleh: Und so erging es mir beim Lesen Ihres Buches. Es gab einfach einige Parallelen, in denen ich mich wiedererkannt habe. Auch Fragen, die ich gerade gehabt habe, wurden neu beleuchtet.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-09 15:53:38
Letzte Änderung am 2018-08-09 16:55:14


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