• vom 10.08.2018, 17:00 Uhr

Zeitgenossen


Interview

"Man ist ja selber wie eine Melodie"




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Psychotherapeutin Christl Lieben.

Psychotherapeutin Christl Lieben.© Robert Wimmer Psychotherapeutin Christl Lieben.© Robert Wimmer

Lieben: Sicher spielen auch eine gewisse Wesensähnlichkeit oder ähnliche Themen und Erfahrungen eine Rolle. In einer anderen Phase Ihres Lebens hätten Sie vielleicht gar nicht zu diesem Buch gegriffen. Es hat eben gerade gepasst.

Frau Maleh, Ihre Mutter - Margaretha Maleh - ist ebenfalls Psychotherapeutin. Ich nehme an, da gibt es zwangsläufig ein Naheverhältnis zu diesem Beruf.

Maleh: Wenn man als Tochter einer Therapeutin und eines Arztes aufwächst, schaut man bei verschiedenen Themen natürlich genauer hin. Vielleicht hat man auch einen doppelten Poscher (Schaden, Anm.), ich weiß es nicht.

Aber ein Berufswunsch war Psychotherapie nie für Sie?

Maleh: Der Beruf an sich nicht, aber was damit verbunden ist, schon. Damit meine ich: beizutragen zur Heilung von Menschen. Und das mache ich auf meine Art.

Lieben: Jetzt habe ich eine ganz persönliche Frage: Wie ist es, die Tochter einer Psychotherapeutin zu sein? Ist das manchmal mühsam, qualvoll, fühlt man sich verfolgt, analysiert, auseinandergenommen oder hält man das aus? Ich frage das, weil ich selbst eine Tochter habe.

Maleh: Ich fand das super! Ich habe mit meiner Mutter schon als Jugendliche Tarot-Karten gelegt und so viel von ihr gelernt! Ich habe ihr immer mit großen Ohren zugehört. Sie hat mich auch speziell beraten können, wenn ich irgendein Thema in meinem Leben hatte - als Mutter, aber auch als Therapeutin, sie konnte das gut zusammenbringen. Ich bewundere sie auch. Sie ist seit drei Jahren Präsidentin von "Ärzte ohne Grenzen Österreich" und war zuvor jahrelang auf Einsatz in Krisengebieten. Normalerweise ist die Tochter in der Welt unterwegs und die Mutter sitzt zu Hause und macht sich Sorgen. Bei uns war es umgekehrt: Die Mutter war in Kurdistan oder Papua Neuguinea und ich fahre maximal nach Krems mit meinen Tourneen! In Krems bin ich relativ sicher, auch in Nürnberg ist mein Leben noch nicht akut gefährdet, aber sie war wirklich in Gegenden, wo man sich Sorgen gemacht hat.

Frau Lieben, Sie selbst haben ja auch eine künstlerische Ader. Als junge Frau hatten Sie den Wunsch, Theaterregie zu studieren. Das heißt, Bühnenkunst ist für Sie ein reizvolles Thema?

Lieben: Ich wollte Regie machen und letztlich, wenn ich im Rahmen meiner therapeutischen Arbeit mit systemischen Aufstellungen arbeite, ist das Regiearbeit. Allerdings keine, die ein Drehbuch hat, das Drehbuch ist das Problem oder das Thema der Klienten.

Sie haben der Tatsache also nie nachgeweint, dass Sie nicht am Theater gelandet sind?

Lieben: Nein. Ich wollte die Ausbildung am Reinhardt-Seminar machen und bin bei der Aufnahmeprüfung mit dem Monolog der "Jungfrau von Orleans" gleich einmal durchgefallen.

Maleh: Ich bin bei der Aufnahmeprüfung auch durchgefallen! Das haben wir also gemeinsam!




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-09 15:53:38
Letzte Änderung am 2018-08-09 16:55:14


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