• vom 18.08.2018, 17:00 Uhr

Zeitgenossen

Update: 28.08.2018, 13:27 Uhr

Wälder

"Denkmalschutz für unsere letzten Urwälder"




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"Das sind Orte, an denen einen schon ein Schauer überkommt, wenn man zwischen diesen Jahrhunderte alten Lebewesen steht." - Matthias Schickhofer.

"Das sind Orte, an denen einen schon ein Schauer überkommt, wenn man zwischen diesen Jahrhunderte alten Lebewesen steht." - Matthias Schickhofer.© Matthias Schickhofer "Das sind Orte, an denen einen schon ein Schauer überkommt, wenn man zwischen diesen Jahrhunderte alten Lebewesen steht." - Matthias Schickhofer.© Matthias Schickhofer

Kann naturnahe Waldwirtschaft überhaupt wirtschaftlich sein? Kann man sich so ein Vorgehen finanziell leisten?

Man hat bisher oft möglichst rationell gearbeitet und mit schweren, teuren Maschinen einen möglichst hohen Ertrag erwirtschaftet. Die ökologischen Funktionen der Wälder wurden in der Vergangenheit mitunter vernachlässigt. Das rächt sich jetzt durch degradierte Böden und erzwungene Monokulturen von Bäumen an den falschen Standorten. Zum Beispiel gehören die vielen Fichten im Waldviertel da gar nicht hin, und es gibt jetzt Riesenprobleme, weil der Borkenkäfer und der Klimawandel massiv zuschlagen. Grundsätzlich greifen naturnahe Forstwirte so wenig ein wie möglich und konzentrieren sich auf das Wertholz. Das spart Kosten. Die Evolution hat sich ja über Millionen von Jahren bewährt, und ist daher gescheiter als wir Menschen. Wenn wir möglichst mit diesen evolutionär optimierten Systemen arbeiten und es nutzen, fahren wir langfristig besser. Ein nachhaltiger Förster denkt in Jahrhunderten - und nicht nur an den Ertrag im nächsten Jahr. Ein gesunder Wald braucht auch keine Pestizide. Das ist ein Zeichen eines schwerkranken Waldes, wenn mit chemischen Keulen aufgefahren werden muss. Und wichtig ist auch, dass der Boden nicht verdichtet wird. Deshalb setzen die Öko-Waldbauern für die Bringung abseits der Forststraßen kein schweres Gerät, sondern etwa auch Pferde ein.

Es gibt aber auch einen gewissen Bedarf, der gesättigt werden will. Produziert dann nicht der Naturschutz daheim Schäden woanders, weil man dort intensiver wirtschaften muss?

Das ist ein Killerargument, um die Intensivierung in der Forstwirtschaft bei uns zu rechtfertigen. In der Waldschutzdiskussion geht es ja darum, einige wenige Prozent der Wälder zu schützen, um wertvolle Naturwälder zu bewahren und wieder mehr Artenvielfalt einzubringen. Das hilft ja auch dem Wirtschaftswald. Beim Rest, das sind immer noch 90 Prozent oder mehr, will ja niemand die Forstwirtschaft verbieten. Die Frage ist aber, wie bewirtschaftet wird. Wenn man nur einen einzelnen guten Baum aus dem Areal herausholt, bleiben rundherum viele stehen, die weiterwachsen können. Wenn man permanent ein gesundes, beschattetes, mit Pilzen gut ausgestattetes Waldsystem in Betrieb hat, ist der Ertrag insgesamt höher. Wird hingegen eine ganze Waldfläche abgeholzt, dann ist ein Teil des Holzes aus dem Kahlschlag nicht viel wert. Das schlechte Holz geht dann meistens in die Biomasse-Verwertung als Energieholz.

Da spielen auch die Förderungen eine Rolle. Der Forstsektor ist hochgradig interessiert, sich da stark zu platzieren. Gerade in Bezug auf den Klimawandel muss man aber bedenken, dass ein Urwald oder ein alter Naturwald sehr viel mehr Kohlenstoff speichert als ein Forst, auch im Boden. Und wenn man den jetzt flächig schlägert, wird durch den Abbau von Humus auch viel CO2 aus dem Boden freigesetzt. Das verbrannte Holz wird zunächst einmal zur Emission - und bis der Wald nachwächst und die gleiche Menge an Kohlenstoff wieder aus der Atmosphäre aufnehmen kann, dauert es Jahrzehnte bis Jahrhunderte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-16 16:17:54
Letzte Änderung am 2018-08-28 13:27:06


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