• vom 01.09.2018, 10:00 Uhr

Zeitgenossen


Porträt

Leidenschaft für Fahrstühle




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Von Manfred Rebhandl

  • Zwei Wiener sammeln Aufzüge - reparieren und restaurieren sie, um eines Tages ein Museum damit bestücken zu können.

Das Branding extistiert schon - nur das Museum selbst noch nicht . . . - © Manfred Rebhandl

Das Branding extistiert schon - nur das Museum selbst noch nicht . . . © Manfred Rebhandl

Der erste Wiener Aufzug bewegte sich ab dem Jahre 1869 im Palais des Barons Liebig in der Wipplingerstraße im Ersten Wiener Gemeindebezirk, er hatte einen hydraulischen Hochquellwasserantrieb und beförderte zwei Personen, allerdings rein privat. Ein Jahr später punktete das Grand Hotel am Wiener Ring mit dieser technischen Neuerung, eine Fahrt in den vierten Stock dauerte 55 Sekunden. Für die Weltausstellung, die 1873 in Wien stattfand, wurden dann nicht nur zahlreiche neu erbaute Hotels mit Aufzügen ausgestattet, sondern auch die eigens dafür errichtete Rotunde, die 1937 abbrannte.

In größerem Stil wurden Häuser in Wien jedoch erst ab der Spätgründerzeit mit Aufzügen ausgestattet, 1913 gab es immerhin bereits mehr als 2500 davon, doch setzten sie sich nur langsam durch: "Brauchen wir das? Kann das was? Ist das nicht gefährlich?", hieß es. Die Beletage (frz. bel étage) der feinen Herrschaften lag obendrein im ersten Stock, das schaffte man zu Fuß. Der Kaiserin Maria Theresia war zur ihrer Zeit sogar die Beletage zu hoch, für sie hatte man einen Mechanismus konstruiert, mit dem die liebe Monarchin in einer Art Sessel hinauf transportiert wurde. Von daher könnte das Wort Fahrstuhl herrühren, aber belegt ist das nicht.

Christian Tauß in einer reparaturbedürftigen Kabine.

Christian Tauß in einer reparaturbedürftigen Kabine.© Manfred Rebhandl Christian Tauß in einer reparaturbedürftigen Kabine.© Manfred Rebhandl

Dem Aufzug erging es anfangs nicht besser als der Dampflok, die als Werk des Teufels galt: Viele bekreuzigten sich bei ihrem Anblick und liefen davon. "Für die Leute damals war die Benutzung des Aufzugs so unvorstellbar wie heute für viele die Sache mit den selbst fahrenden Autos!", sagt Christian Tauß vom Wiener Aufzugmuseum, das es als klassisches Museum allerdings noch gar nicht gibt, sondern das bisher mehr als Sammelstelle fungiert.

Christian wartet in einer riesigen Halle an der Nordwestbahnstraße, durch die Oberlichten scheint die Sonne auf zwei alte Aufzuganlagen, die er mit seinem Partner Franz gerade für die Restaurierung vorbereitet. Insgesamt dreizehn Stück davon haben sie bereits vor der Zerstörung aus Wiener Wohnhäusern gerettet, bei vielen anderen gelang es ihnen aber leider nicht. Oft genug standen sie vor den zu renovierenden Häusern, und die alte Anlage lag zersplittert in der Mulde. "Da tut einem das Herz weh", sagt Franz.

Die größere der beiden Aufzugskabinen haben sie mit einem Kran aus dem Dach gehoben und mit dem LKW abgeholt, aus einem Gebäude in der Stadiongasse im ersten Bezirk, Baujahr 1870, zur Zeit des Ringstraßenbaus. Der Aufzug wurde 1913 nachträglich in die "Stiegenspindel" eingebaut, die Kabine wiegt knappe 400 Kilo. Christian deutet lachend auf den Kasten: "Da sind blanke Klemmen auf Holz angebracht!" Für einen Elektrotechniker wie ihn ist das natürlich ein absolutes No Go. "Aber die Erdung haben sie immerhin nachgerüstet!"




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Dokument erstellt am 2018-08-31 14:24:00
Letzte Änderung am 2018-08-31 14:56:48


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