• vom 08.09.2018, 14:00 Uhr

Zeitgenossen


Interview

"Mein Motto: Der Weg entsteht im Gehen"




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Von Christine Dobretsberger

  • Emmy Werner, die ehemalige Volkstheater-Direktorin, über ihre frühe Liebe zum (Tisch-)Theater, ihr Unabhängigkeitsbedürfnis, die Lust am Renovieren - und über ihren kommenden 80. Geburtstag und das Älterwerden.

"Am Theater muss man einsehen, dass der Reibungsverlust groß sein kann zwischen der Vision und dem Endprodukt" - Emmy Werner. - © WZ / Moritz Ziegler

"Am Theater muss man einsehen, dass der Reibungsverlust groß sein kann zwischen der Vision und dem Endprodukt" - Emmy Werner. © WZ / Moritz Ziegler

"Wiener Zeitung": Frau Werner, zeitgleich zu Ihrem bevorstehenden 80. Geburtstag erscheint Ihr Buch ". . .als ob sie Emma hießen". Es liest sich wie ein spannender autobiografischer Roman einer Frau, die ihr Leben auf mehreren Ebenen gelebt hat. Letztlich ist es auch ein Plädoyer für das Alleine-Leben als freiwillig gewählte Lebensform.

Information

Emmy Werner, geboren am 13. September 1938 in Wien. Vater Prof. Hans Werner (1898–1980): Schriftsteller, Textautor bekannter Wienerlieder. Mutter Emmy Werner (1905–2002): Tänzerin an der Wiener Volksoper. Nach der Matura Schauspielausbildung bei Otto Kerry, Maria Luise Rainer, Eduard Volters. 1959 Heirat mit dem Schauspieler und Regisseur Georg Lhotzky (geb. Lhotsky, die Ehe wurde 1974 in freundschaftlichem Einvernehmen geschieden), Geburt von Sohn Alexander Lhotzky.

Engagements als Schauspielerin u.a. am Theater der Jugend, Theater in der Josefstadt, Volkstheater, Theater der Courage sowie bei zahlreichen Fernseh-Produktionen. 1979/80 Gründung des Theaters Drachengasse, das sie bis 1987 leitete und das mehrfach als beste Wiener Kleinbühne ausgezeichnet wurde. Von 1988–2005 künstlerische Direktion des Volkstheaters Wien, parallel dazu zahlreiche Regiearbeiten. Auszeichnungen (Auswahl): Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (1998), Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (2005), Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2006).

Seit 2006 fallweise freie künstlerische Arbeiten, u.a. Inszenierungen von "Der Bettelstudent", "Der Bockerer", "Der Alpenkönig und der Menschenfeind". Emmy Werner lebt in Wien. Ihr Buch ". . . als ob sie Emma hießen. Eine Nachbetrachtung" (Residenz Verlag 2018, 320 Seiten, 26 Euro) wird am 12. September im Theater in der Drachengasse (Drachengasse 2) präsentiert.

Christine Dobretsberger,
1968 in Wien geboren, lebt als freie Journalistin, Autorin und Geschäftsführerin der Text- und Grafikagentur "Lineaart" in Wien.


Emmy Werner: Es war eigentlich eines meiner Hauptanliegen, einmal über dieses Thema, das ja fast ein Tabuthema ist, zu schreiben. Man wird ja beinahe bedauert: Ach, du lebst alleine? Quasi, du Arme! Da gerate ich natürlich in Rage. Ich lebe ja nicht alleine! Ich wohne nur alleine und ich habe nach meiner Ehe (mit Georg Lhotzky, Anm.) keinen Mitbewohner mehr haben wollen. Mir war es ein großes Anliegen, hier Mut zu machen und zu sagen: Man kann auch ohne ständig sichtbaren Partner sehr glücklich sein.

Ein Zitat aus Ihrem Buch: "Was diskrete enge Beziehungen keineswegs ausschließt . . ."

Natürlich nicht! Ich habe ja Partnerschaften gelebt, aber habe mir diese immer mit der Zuckerzange ausgesucht.

Womit hat Ihr Wunsch, in den eigenen vier Wänden mit sich alleine zu sein, in erster Linie zu tun?

Mit einem Unabhängigkeitsbedürfnis. Diese fast 15-jährige Ehe war letztlich eine Einengung für mich und widersprach auch meinem Wesen. Ich war dieses späte, von meinen Eltern sehr erwünschte Mädchen, ich war ein wildes, freies Kind. Dann diese Einengung, die ich lange Zeit sogar als inspirierend empfand. Ich möchte keine Minute davon missen. Das war meine Lehrzeit, was etwa das Theater betrifft. Aber danach bin ich endlich wieder die geworden, die ich schon gewesen bin. Es hat mit Unabhängigkeit zu tun, nicht an jemandem zu hängen, was gleichzeitig aber nicht heißt, dass man nicht auch geliebt hat und lieben kann.

Hinzu kommt, dass Sie das Privileg hatten, mit dem Theater liiert zu sein . . .

Natürlich, das ist auch ein Unterschied, wenn man überall hingehen kann Arm in Arm mit dem Theater. Aber es hat auch nachher funktioniert - und geht natürlich nur, wenn man ein ungemein dichtes Freundschaftsgefüge hat.

Sie haben es zuvor angesprochen: Sie sind 13 Jahre nach Ihrem Bruder Robert auf die Welt gekommen. Dass Sie ein sehr geliebtes und erwünschtes Kind waren, bezeichnen Sie als den prägenden Schlüssel Ihres Lebens, als "standfeste Basis für alle späteren Luftsprünge".

Bei allen Selbstzweifeln, die man auch haben muss, war dieses tolle Elternhaus sicherlich die Grundbasis für alles.

Sie sind in einer sehr musik- und opernbegeisterten Familie aufgewachsen: Ihre Mutter war Tänzerin an der Volksoper, Ihr Vater Schriftsteller und Textdichter bekannter Wienerlieder. Die Volksoper war seine zweite Heimat . . .




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 15:12:12
Letzte Änderung am 2018-09-06 16:03:28


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