• vom 08.09.2018, 14:00 Uhr

Zeitgenossen


Interview

"Mein Motto: Der Weg entsteht im Gehen"




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Emmy Werner im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger.

Emmy Werner im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger.© WZ / Moritz Ziegler Emmy Werner im Gespräch mit "Wiener Zeitung"-Mitarbeiterin Christine Dobretsberger.© WZ / Moritz Ziegler

. . . später auch meine.

Trotzdem wurde dann das Theater Ihr Metier und nicht die Musik.

Weil die Begabung nicht da war! Ich habe zehn Jahre Klavier gelernt. Völlig unbegabt. Aber das Musiktheater habe ich geliebt - und war stolz, dass ich nach dem Volkstheater da ein bisschen hineinschnuppern durfte.

Sie sprechen Ihre Inszenierung von "Der Bettelstudent" an, die u.a. am Staatstheater am Gärtnerplatz München aufgeführt wurde?

Das hat mir unglaublichen Spaß gemacht! Es hätte daraufhin von Ernst Köpplinger ein weiteres Angebot gegeben, aber irgendwann - ich sage es ehrlich - möchte man sich diese schwierige Arbeit nicht mehr antun und einfach sagen: Ich bin eine Privatière.

Kurz zurück zu Ihrer Kindheit: Schon als kleines Mädchen haben Sie sich daheim unter dem Esstisch Ihr eigenes sogenanntes "Tischtheater" geschaffen. Das überhängende Tischtuch war der Vorhang. Sie schreiben, das war Ihr absoluter Rückzugsort, "im Tischtheater gab es weder Angst noch Tränen".

Das war mein Raum! Ich hatte kein eigenes Zimmer, wir haben ja sehr beengt gewohnt. Das Tischtheater war mein absolutes Refugium. Ich wollte auch keine Zuschauer dabei.

Womit haben Sie da gespielt?

Mit Puppen und Teddybären, mit allerlei Dingen meiner Mutter, mit Hüten, Patiencekarten und Täschchen. Ich durfte auch mit den schönen hölzernen Schachfiguren meines Vaters spielen. Selbst als wegen des Krieges so viel Angst spürbar war rundherum, unter dem Tisch war eine Ruh!

Es war dann sozusagen eine logische Entwicklung, dass Sie nach der Matura eine Schauspielausbildung absolvierten und ans Theater gingen?

Ja, aber zuvor habe ich noch geheiratet und ein Kind gekriegt. Dann habe ich erst gespielt.

Und das von Anbeginn sehr erfolgreich. Sie hatten Engagements an der Josefstadt, im Volkstheater, im Theater der Jugend, haben Filme gedreht, u.a. als Partnerin von Charles Aznavour. Trotzdem hat das Theaterspielen für Sie bald an Zauber verloren. Woran lag das genau?

Mir ist immer schlecht geworden dabei.

Vor Aufregung?

Nein, wenn ich spielte, fühlte ich mich wie in einem fremden Körper. Außerdem hat mir doch etwas die nötige Extrovertiertheit gefehlt für diesen Beruf. Es widerstrebte mir, auf der Bühne von mir persönlich etwas preisgeben zu müssen.

Und dann kam der Impuls: Die Arbeit hinter der Bühne würde Ihnen mehr entsprechen?

Es hat mich so sehr interessiert, was sich hinter den Kulissen abspielt!

Die erste Möglichkeit, die sich hierfür bot, war die Arbeit mit Stella Kadmon im Theater der Courage. Wobei Kadmon zunächst nicht verstehen konnte, weshalb eine junge begabte Schauspielerin sich mehr für die Arbeit hinter den Kulissen interessiert als fürs Schauspielen selbst.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 15:12:12
Letzte Änderung am 2018-09-06 16:03:28


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