• vom 06.01.2019, 11:00 Uhr

Gemeine


Ein erhellender Wirtschaftszweig

Das Zündholz im englischen Exil




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Von Josef Andersch und Manfred Bermann

  • Die Salzburger Zündwarenfabriken Pfifferling 1856ff in Licht und Schatten.

Rechnung von A. Pfifferling aus 1903; eingeschnitten: die Fabrik, um 1925-1930.  - © Foto: Harald Pritz (privat), über Stadtarchiv Salzburg. Faksimile: Sammlung Andersch/Bermann;

Rechnung von A. Pfifferling aus 1903; eingeschnitten: die Fabrik, um 1925-1930.  © Foto: Harald Pritz (privat), über Stadtarchiv Salzburg. Faksimile: Sammlung Andersch/Bermann;

Produkte der Salzburger Firma und der mit ihr kooperierenden britischen "Anglia". 

Produkte der Salzburger Firma und der mit ihr kooperierenden britischen "Anglia". © Bilder (5): Slg./Archiv Andersch/Bermann Produkte der Salzburger Firma und der mit ihr kooperierenden britischen "Anglia". © Bilder (5): Slg./Archiv Andersch/Bermann

Am 23. Juni 1856 erschien erstmals in der "Salzburger Zeitung" (sowie in der "Neuen Salzburger Zeitung") ein Inserat, in welchem ein Herr Michael Pfifferling angab: "Ich erlaube mir hiemit ergebenst anzuzeigen, daß mir von der hohen Behörde ein (sic!) Fabriks-Befugniß zur Erzeugung aller Sorten Zündwaaren verliehen wurde". Die technische Leitung habe der "anerkannte Chemiker Herr Vinc. Wittek übernommen". Die Produktion befinde sich in Salzburg-Lehen, das "Verkaufs-Lokale (...) in der Judengasse Nr. 58". Das war der Beginn einer Zündwaren-Erzeugung in der Stadt Salzburg.

Ab 1858 gab es übrigens für etwa zwei Jahrzehnte eine zweite Zündholzfabrik, im Johann(e)sschlössl am Mönchsberg, betrieben von Ludwig Achleitner.


Zurück zur Firma Pfifferling: Deren Erzeugnisse dürften Anklang gefunden haben, wurden sie doch bei der Gewerblichen Ausstellung in Salzburg 1865 mit einer Medaille ausgezeichnet. Die Verkaufsniederlassung befand sich mittlerweile am Waagplatz Nr. 5.

Als Michael Pfifferling am 30. März 1882 im 76. Lebensjahr als hochgeachteter "Zündwaaren-Fabrikant" starb, führte seine 27-jährige Witwe Franziska die Fabrik weiter (ab 1886 als wiederverheiratete Urban). Der Betrieb gelangte nach ihrem Ableben 1900 zu gleichen Teilen an die beiden Söhne aus ihrer Ehe mit Pfifferling. Nach dem frühen Tod von Michael jun. im Februar 1901 war Alois, damals 19-jährig, Alleinbesitzer.

Er führte die Fabrik, bis Ende 1912 eine Zwangssperre erfolgte. Hauptgrund war das endgültige Verbot der Verwendung von giftigem weißen Phosphor in der Zündmasse. Ein Markthindernis war auch, dass Pfifferling nicht mit den sechs größten Zündholzfabriken der Monarchie kooperierte, die sich am 1. Jänner 1903 unter dem Namen "Solo" zu einem Trust zusammengeschlossen hatten. Der Wirtschaftsraum wurde in Kontingente aufgeteilt, gegenseitige Konkurrenz hintangehalten sowie noch verbliebene kleinere Erzeugungsstätten anderer Hersteller ausgeschaltet.

F. Schubert auf Etikett von "Handler & Pfifferling".

F. Schubert auf Etikett von "Handler & Pfifferling". F. Schubert auf Etikett von "Handler & Pfifferling".

Alois Pfifferlings Lebensweg nach der Sperre seiner Fabrik 1912 ist nicht lückenlos bekannt; man weiß, dass er vom 1. April 1915 bis 30. Juni 1919 Betriebsleiter der Zündholzfabrik in Schmiedeberg (nun Kovářská, Kreis Chomutov) im böhmischen Erzgebirge war. Doch es zog ihn schließlich wieder zurück an die Salzach.

Brandgefährlich
Die Errichtung einer neuen Zündholzfabrik in Salzburg-Maxglan durch die "Alpenländische Holz- u. Baubedarfs-(...) GmbH" als Konzessionär wurde 1919/20 seitens des Landesrates nicht bewilligt. Begründet wurde dies u.a. mit Feuergefahr bzw. der Nähe zu Krankenanstalten. Man errichtete die Fabrik stattdessen 1921 in Sam bei Kasern (damals Gemeinde Hallwang, nun im nördlichen Teil der Stadt Salzburg). Teilhaber waren neben A. Pfifferling ein Herr Handler sowie Elisabeth Hillinger und ihr Sohn Karl. Die beiden letzteren brachten die Liegenschaft des ehemaligen Ziegelwerkes in der Samstraße 30 ein.

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Dokument erstellt am 2019-01-02 17:59:18
Letzte Änderung am 2019-01-02 18:16:00


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