• vom 02.02.2019, 17:30 Uhr

Gemeine


Konrad Lorenz

Graue Gänse, braune Schatten




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  • Konrad Lorenz bekam 1973 für seine Forschungen den Nobelpreis.
  • Sein Verhalten in der NS-Zeit sorgt bis heute für Kritik.
  • Zur kleinen Nuss Nro. 389.



Das Herz des Publikums eroberte der Verhaltensforscher Konrad Lorenz mit seinen Graugänsen. 

Das Herz des Publikums eroberte der Verhaltensforscher Konrad Lorenz mit seinen Graugänsen. © AFP Das Herz des Publikums eroberte der Verhaltensforscher Konrad Lorenz mit seinen Graugänsen. © AFP

Nach dem "Vater der Graugänse" wurde in der kleinen Nuss Nro. 389 gefragt. Seinen Namen nennt Heinrich Gruber (willkommen in der Gemeine!): Konrad Lorenz. Bei der Recherche zum Verhaltensforscher stößt man bald auf dunkle Flecken: seine Mitgliedschaft in der NSDAP. Mit historischem Feingefühl widmete sich der Tüftlerkreis der Biographie des populären Nobelpreisträgers.

1903 geboren, wuchs Konrad Zacharias Lorenz zeitweise, so Dr. Harald Jilke, Wien 2, "in der elterlichen Villa in Altenberg bei Wien auf." Schon als Bub schlug sein Herz für Tiere - Entenküken, Feuersalamander u.v.m. wurden seine Begleiter. Sein Vater war, wie Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, notiert, weltbekannter orthopädischer Chirurg, dessen Künste bis in die USA gefragt waren. Grund genug, dass Sohn Konrad nach dem Besuch des angesehenen "Schottengymnasiums in Wien . .. ein Medizinstudium an der Columbia University in New York begann." Zurückgekehrt machte er 1928 seinen Abschluss "mit dem Doktorat" an der Alma mater Rudolphina. Danach wurde er Assistent am II. Anatomischen Institut.

Anno 1927, so Mag. Susanne El Mahdi, Wien 9, hatte er die "Medizinstudentin Margarethe Gebhardt" geheiratet. Durch ihr späteres Einkommen als Ärztin war Lorenz "der finanzielle Rückhalt für seine verhaltensbiologischen Forschungen gesichert." So konnte er sich 1937 mit dem Schwerpunkt "Vergleichende Anatomie und Tierpsychologie" habilitieren.

Bloß naiver Mitläufer?

Die katholisch geprägte Uni Wien bot dem Anhänger der Evolutionslehre keine Karrierechancen. Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Also ging er an die ostpreußische Universität in Königsberg (heute Kaliningrad), "wo er ab etwa 1940 wegen seiner fachlichen Kompetenz und "politischen Qualifikation" (er war der NSDAP beigetreten) auf mehr Gegenliebe stieß und zum Hochschullehrer ernannt wurde. Diese Anbiederung an die Nazis hat man ihm in Kreisen der österreichischen Wissenschaft nie vergessen". So entzog ihm 2015 die Uni Salzburg das 1983 verliehene Ehrendoktorat. Dazu Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Die Universität argumentierte, dass im Zuge des Verleihungsverfahrens die "aktive Verbreitung von NS-Ideologie" verschwiegen worden sei. Lorenz habe sich in seinem Gesuch um Aufnahme in die NSDAP vom 28. Juni 1938 als besonders engagierter Nationalsozialist dargestellt."

Bestseller aus dem Jahr 1948. (Bild: Archiv; Repro: M. Szalapek)

Bestseller aus dem Jahr 1948. (Bild: Archiv; Repro: M. Szalapek) Bestseller aus dem Jahr 1948. (Bild: Archiv; Repro: M. Szalapek)

Lorenz rechtfertigte mit "damaliger Naivität" etwa seine 1940 verfassten Zeilen, in denen er von "Schädigung für Volk und Rasse" durch "Menschen mit Ausfällen im arteigenen sozialen Verhalten" schrieb. Unzweideutig forderte er "eine noch schärfere Ausmerzung ethisch Minderwertiger". Und noch in den 1970er-Jahren verteidigte Lorenz in einem Interview seine einstige Auffassung von "sozial minderwertigem Menschenmaterial."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-30 16:17:51
Letzte Änderung am 2019-01-30 16:53:49



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