• vom 02.12.2011, 00:00 Uhr

Gemeine

Update: 28.04.2017, 11:27 Uhr

Maria Theresia

Gute Zeiten, schlechte Zeiten . . .




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  • Gegengelesen -Maria Theresia - Kaiserin und Landesmutter?
  • Darf man die Habsburgerin "Kaiserin" nennen?
  • Kritischer Blick auf den Mythos Maria Theresia.

In den Hofnachrichten des "Diarium" war sie "Kaiserin".

In den Hofnachrichten des "Diarium" war sie "Kaiserin".

Maria Theresia verzichtete 1745 auf den Formalakt der Krönung als Kaiserin.

Maria Theresia verzichtete 1745 auf den Formalakt der Krönung als Kaiserin. Maria Theresia verzichtete 1745 auf den Formalakt der Krönung als Kaiserin.

Sie ist eine der prominentesten Figuren der österreichischen Geschichte, immer wieder Protagonistin in den Zeitreisen und - verantwortlich für hitzige Debatten in der Gemeine: Maria Theresia (1717- 1780).

Dass die Regentin im Rückblick oft in einem allzu lichten Glanz erstrahlt, ist Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, Anlass für eine differenziertere Sichtweise - höchste Zeit, "das Bild der großen Monarchin etwas zurechtzurücken"! Bevor einige dunkle Seiten der "guten Landesmutter" angesprochen werden, widmet sich Geschichtsfreund Prof. Bouzek der Frage, ob die Tochter Karls VI. nun überhaupt "Kaiserin" genannt werden könne oder nicht.


Kampf um das Erbe
Tüftler Prof. Bouzek holt aus: "Als ihr Vater am 20. Oktober 1740 völlig unerwartet verstarb, wurde die damals 23-jährige Erzherzogin von Österreich aufgrund der Pragmatischen Sanktion (österreichisches Staatsgrundgesetz vom 19. April 1713) zur Erbin der Habsburger-Monarchie und geriet in einen Kampf auf Leben und Tod um die Erhaltung ihres Erbes gegen eine übermächtig erscheinende Koalition ihrer Gegner.

Nicht nur die Bauern hatten im 18. Jh. ein hartes Los. Bilder: Archiv. Repros: T. Sternisa

Nicht nur die Bauern hatten im 18. Jh. ein hartes Los. Bilder: Archiv. Repros: T. Sternisa Nicht nur die Bauern hatten im 18. Jh. ein hartes Los. Bilder: Archiv. Repros: T. Sternisa

Erst nach dem fast acht Jahre dauernden Österreichischen Erbfolgekrieg war ihre Herrschaft in den habsburgischen Erblanden gesichert."

Den offiziellen Titel einer Kaiserin trug sie dennoch nie. Hedda Loimer, Wien 5, erklärt dazu: Sie war "zwar Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen . . . Diese Titel waren erblich . . . Die Kaiserwürde war hingegen nicht erblich. Der römisch-deutsche Kaiser wurde . . . von den Kurfürsten gewählt."

Auf diese Weise kam im Jahre 1742 zunächst der Konkurrent ihres Gemahls Franz Stephan, der Wittelsbacher Karl Albrecht, als Karl VII. auf den Thron. Prof. Bouzek setzt fort: "Nachdem der Wittelsbacher Kaiser am 20. Jänner 1745 gestorben war und sein Sohn und Erbe Maximilian Joseph . . . auf jeden Erbanspruch auf Österreich und auf die Bewerbung um die Kaiserwürde verzichtet hatte, erreichte Maria Theresia, dass ihr Gatte, der Großherzog der Toscana und Mitregent in den Ländern der Österreichischen Monarchie, am 13. September 1745 von den deutschen Kurfürsten - außer Brandenburg und Pfalz - zum römischen Kaiser gewählt und am 4. Oktober 1745 in Frankfurt am Main als Kaiser Franz I. des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde.

Maria Theresia hatte auf ihre eigene Krönung an der Seite ihres Gatten verzichtet. Manche Historiker sind der Meinung, der Grund dafür sei nicht eindeutig klar, andere führen dafür ihre Schwangerschaft ins Treffen (Geburt ihrer Tochter Maria Amalia am 26. Februar 1746). Sie selbst schrieb dazu: "Lieber gar nicht kommen, obwohl mir dies leid tun würde, als mich in meinem jetzigen Zustand krönen zu lassen.""

Als weitere Erklärung für den Verzicht wurden auch die immens hohen Kosten angegeben.

Prof. Bouzeks Fazit: "Die Tochter und Gattin je eines Kaisers und Mutter zweier Kaiser (ihrer Söhne Joseph II. und Leopold II.) war rechtlich gesehen nie Kaiserin und führte diesen Titel wie die Frau Doktor, die am Standesamt promoviert hat."

Spezialtüftlerin Loimer ergänzt dazu: "Kaiserin hat sie sich selber gerne genannt." Das beweist z.B. ein faksimilierter Ausschnitt aus dem "Wienerischen Diarium" von anno 1763: In einem vom Hof formulierten Bericht, der von der Redaktion unverändert übernommen werden musste, ist von "Ihrer Majestät der Kaiserin" die Rede.

Auch Dr. Brigitte Pixner, Wien 13, hat sich mit der Causa beschäftigt und fügt hinzu: "Zur Kaiserin gekrönt wurde Maria Theresia zwar nicht, aber die Macht übernahm doch sie - durch die Pragmatische Sanktion - nach ihrem Vater Karl VI." Es ging natürlich um die Macht in den habsburgischen Ländern. Ihr Gatte rückte erst durch sie zum römisch-deutschen Kaiser auf. Trotzdem übte Maria Theresia die tatsächliche Herrschaft in Wien aus.

Ambivalentes Bild
Tüftlerin Dr. Pixner streicht vorteilhaftere Seiten der Landesherrin hervor: Sie habe "viele sinnvolle Reformen" in die Wege geleitet, zum Beispiel die "Abschaffung der Todesstrafe".

Zeitreisender Prof. Bouzek hat dem "oft sehr positiv gezeichneten Bild" der Herrscherin jedoch einiges entgegenzuhalten, so etwa "ihr negatives Verhalten dem jüdischen Bevölkerungsteil gegenüber. Während der Regierungszeit ihres Vaters hing in Österreich, vor allem in Wien, dauernd das Damoklesschwert der Ausweisung über den Juden."

Unmenschliche Taten
Und: "Mit Maria Theresia wurde es noch schlimmer. Erbittert über den unglücklichen Verlauf der Kriege, ließ sie ihren Zorn vor allem an den Juden Böhmens aus. Gerüchte über "hochverräterisches" Verhalten lieferten ihr den Vorwand, gegen sie vorzugehen. Als die Preußen 1744 von Prag abgerückt waren, wurde die Judenstadt (Teil der Prager Altstadt, Anm.) schwer "gemaßregelt". Österreichische und ungarische Soldaten drangen zusammen mit Prager Volk am 26. November mordend und plündernd in jüdische Häuser ein. Zwei Tage dauerten die Ausschreitungen an. Maria Theresia zog niemanden zur Rechenschaft. Im Gegenteil, als ihr die Gerüchte über den angeblichen Verrat der Juden zugetragen wurden, schenkte sie ihnen ungeprüft Glauben und ließ sich zu einer unglaublichen Strafaktion hinreißen.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-11-30 20:59:13
Letzte Änderung am 2017-04-28 11:27:31


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