• vom 06.02.2014, 15:10 Uhr

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Update: 06.02.2014, 15:18 Uhr

Otto Wagner

Mit Volldampf in die Moderne




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  • Herausgelesen - Zur Frage 1 der Nro. 330 - In nuce
  • Wiener Stadtbahn fuhr ab 1898.
  • Otto Wagners Stil stieß auf Skepsis.

Der Generalregulierungsplan bezog auch die Gestaltung des Donaukanals ein. Hier ein Entwurf der Kaianlagen von Otto Wagner (1897).

Der Generalregulierungsplan bezog auch die Gestaltung des Donaukanals ein. Hier ein Entwurf der Kaianlagen von Otto Wagner (1897).© Bild:Wien Museum Der Generalregulierungsplan bezog auch die Gestaltung des Donaukanals ein. Hier ein Entwurf der Kaianlagen von Otto Wagner (1897).© Bild:Wien Museum

Immer Ärger mit dem städtischen Verkehr! "Stellwagen und Tramway sind Schnecken für einen Complex von einer Million Seelen", wetterte 1873 das Wirtschaftsblatt "Der Oesterreichische Oekononmist". Die wachsende Donaumetropole brauche dringend schnelle Verbindungen zwischen Peripherie und Zentrum. Ergo: "Wir bedürfen der Locomotive und des Dampfes."


Über die Stadtbahnfrage war insgesamt "fast 50 Jahre ergebnislos gestritten" worden, so Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, der den Antwortreigen zu Frage 1 der Nro. 330 eröffnet. Die Eingemeindung 1890/92 bedeutete "für . . . Wien riesige Belastungen, denn die Vororte mussten an die städtischen Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen (Gas, Wasser, Strom; Kanalisation) angeschlossen und verkehrsmäßig mit der Stadt verbunden werden." Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: "1892 schrieb der Magistrat . . . einen Wettbewerb . . . für einen "Generalregulierungsplan" . . . aus." Kern war ein "Programm für die Wiener Verkehrsanlagen".

Man rechnete damit, dass Wien (heute 1,7 Mio.) auf vier Millionen Einwohner anwachsen würde. Auch Otto Wagner (1841- 1918) plante ein solches Wachstum ein, wie Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz, herausfand: Sein Konzept "sah durchgängig die Stadtstruktur einer Metropole vor; tatsächlich ist Wien noch heute vielfach von der dörflichen Struktur vieler Stadtteile geprägt."

Wagner gewann den ersten Preis (ex aequo Josef Stübben). Sein Entwurf, von dem nur ein Teil umgesetzt wurde, umfasste neben dem "Bau der Stadtbahn", so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, "auch die Regulierung des Wienflusses, den Ausbau des Donaukanals zum Handelshafen und die Errichtung von Sammelkanälen längs des Donaukanals".

Kampf um Pavillons
Um eines der bemerkenswertesten Architekturdenkmäler Wiens zu besichtigen, braucht man also kein Museumsbillet - ein Fahrschein genügt. DI Wolfgang Klein, Wien 21: "Seit 1. November 2013 habe ich eine Netzkarte . . ., fahre daher oft mit der U-Bahn und bewundere die Bauten von Otto Wagner!"

"Die Wiener Stadtbahn", informiert Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, "existierte unter dieser Bezeichnung von 1898 bis 1989 und gilt als eines der Hauptwerke des Architekten". Robert Porod, MBA, Frauenhofen bei Horn, ergänzt, dass nun auf den ehemaligen Stadtbahnstrecken die U-Bahn-Linien U4 und U6 sowie die Schnellbahn S45 fahren. Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: "Von den historischen Stadtbahnstationen sind heute noch acht . . . erhalten". Gerhard Toifl, Wien 17: "Einige . . . wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört . . ., weitere fielen in den 1960er-Jahren neuen Verkehrsbauwerken zum Opfer. Architekturinteressierte kämpften . . . um den Erhalt der beiden Stationsgebäude am . . . Karlsplatz". Derzeit sind in diesen beiden nicht mehr als Stationen benützten Pavillons ein Café und ein Standort des Wien Museums untergebracht.

Plan der Wiener Stadtbahn (blau). Karte (Ausschn.) aus "Wien am Anfang des XX. Jh.s", Bd. 1, Wien 1905/ Bild: Archiv

Plan der Wiener Stadtbahn (blau). Karte (Ausschn.) aus "Wien am Anfang des XX. Jh.s", Bd. 1, Wien 1905/ Bild: Archiv Plan der Wiener Stadtbahn (blau). Karte (Ausschn.) aus "Wien am Anfang des XX. Jh.s", Bd. 1, Wien 1905/ Bild: Archiv

Die Haltestellen, die heute Touristen anziehen, muteten "für damalige Begriffe bizarr" an, so Heinz Netuka, Wien 14. Und: "Die vorgesehene Bausumme wurde . . . enorm überschritten."

Die Stationen am Gürtel beschreibt Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, als "Multifunktionsbauten mit Warteräumen, Geschäften, Trafiken, Gastwirtschaften und . . . Toiletten".

Mathilde Lewandowski, Payerbach: "Wagner vertrat den Standpunkt, dass der Architekt . . . dem Bautechniker und nicht dem Künstler den Vorrang einzuräumen hatte." Seine Devise nennt Hildegard Rabel, Wien 1: "Artis sola domina necessitas" - der Kunst einzige Herrin ist die Notwendigkeit. Mit Bezug auf die Pavillons am Karlsplatz bemerkt Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: "Ingenieursarbeit und Kunst vereinen sich". Dr. Erich Schlöss, Maria Enzersdorf: "Die Formen seines "Nutzstils" haben sich . . . im Lauf seines Wirkens gewandelt". Die Stadtbahnstationen "an der Donaukanallinie haben nicht mehr den gleichen stilistischen Ausdruck wie jene der Vorortelinie, die gut ein Jahrzehnt älter sind."

Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden: "Otto Wagner war Professor an der Kunstakademie in Wien"; zu seinen Schülern zählten u.a. Josef Hoffmann und Joseph M. Olbrich.

Franz Kaiser, Wien 11: Wagner war "künstlerischer Beirat der Baukommission". Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: Er übernahm "die einheitliche architektonische Ausgestaltung der Hochbauten und Brücken der Stadtbahn". Die Planung ging bis ins kleinste Detail, so Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Geländer, Gitter, Tore sowie alle Gegenstände der Ausrüstung, Möblierung, Beleuchtung, Heizung, Gepäcksauf- und -ausgabe, Fahrkartenkontrolle usw." Brigitte Schlesinger, Wien 12: Für Entwurf und Bauaufsicht der innerhalb weniger Jahre errichteten Stadtbahn sorgte "Otto Wagner mit einem Stab von mehr als 70 Mitarbeitern".

Otto Wagner (1841-1918) auf 500 Schilling-Schein. Bild: Archiv

Otto Wagner (1841-1918) auf 500 Schilling-Schein. Bild: Archiv Otto Wagner (1841-1918) auf 500 Schilling-Schein. Bild: Archiv

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-06 13:02:10
Letzte Änderung am 2014-02-06 15:18:20


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