• vom 04.12.2014, 13:30 Uhr

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Update: 05.12.2014, 10:23 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts fast vergessener Bruder




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  • Wie unser Blatt für das Salzburger Genie schrieb.

Einblick in eine Wiener Freimaurerloge um 1790. Ganz rechts sitzend soll Mozart dargestellt sein, neben Schikaneder. Ob auch C. D. Bartsch auf dem Bild ist, bleibt offen. - © Wien Museum

Einblick in eine Wiener Freimaurerloge um 1790. Ganz rechts sitzend soll Mozart dargestellt sein, neben Schikaneder. Ob auch C. D. Bartsch auf dem Bild ist, bleibt offen. © Wien Museum

Die Tinte auf den Notenblättern war noch nicht trocken, als im Prager Ständetheater das Orchester zur Ouvertüre der "Oper aller Opern" anhob - so will es zumindest die Legende. Jedenfalls war höchste Eile geboten, als der Schöpfer des "Don Giovanni", W. A. Mozart, am 4. Oktober 1787 an der Moldau eintraf, wo innerhalb von zwei Wochen die Uraufführung hätte stattfinden sollen. Man verschob die Premiere auf 29. Oktober, was aber nichts daran änderte, dass kaum Zeit zum Proben blieb.

Trotzdem ging alles gut über die Bühne: Die Aufführung wurde zum Triumph für den 31-Jährigen, der selbst die Orchesterleitung übernommen hatte. Prag lag ihm zu Füßen. Am 14. November (die Post aus Böhmen brauchte ihre Zeit) erfuhren auch die Leserinnen und Leser der "Wiener Zeitung": "Herr Mozart diregirte selbst, und als er in das Orchester trat, wurde ihm ein dreymaliger Jubel gegeben, welches auch bey seinem Austrit geschah."


21 Zeilen umfasst der aus der "Prager Oberpostamtszeitung" übernommene Bericht von der Uraufführung, fiel also relativ umfangreich aus. Wie kam es dazu? Ausschlaggebend war der damalige Kopf der "WZ"-Redaktion, Conrad Dominik Bartsch (1759-1817), der bereits Thema der Zeitreisen Nro. 339 war. Zu diesem heute fast unbekannten Zeitgenossen Mozarts meldete sich dankenswerterweise Dr. Rüdiger Wolf, Wien 5, zu Wort und bringt ihn in direkten Zusammenhang mit dem wohl berühmtesten Komponisten aller Zeiten: "Es gibt Hinweise darauf", so Dr. Wolf, dass Bartsch diesen Bericht "extra . . . im Anhang zur "Wiener Zeitung" . . . brachte." Warum?

Am 14. November 1787 erfuhren Leserinnen und Leser der "WZ" von der Uraufführung des "Don Giovani" (sic!).

Am 14. November 1787 erfuhren Leserinnen und Leser der "WZ" von der Uraufführung des "Don Giovani" (sic!).© Faksimile: Iris Friedenberger Am 14. November 1787 erfuhren Leserinnen und Leser der "WZ" von der Uraufführung des "Don Giovani" (sic!).© Faksimile: Iris Friedenberger

Zwei Freimaurer
Spurensucher Dr. Wolf, 2004-2011 Direktor des Österreichischen Freimaurermuseums Schloss Rosenau (bei Zwettl/NÖ) und nun im Kuratorium für das "Haus der Geschichte NÖ", richtet sein Augenmerk auf eine interessante Facette der Persönlichkeit: C. D. Bartsch war Mitglied der Wiener Freimaurerloge "Zur gekrönten Hoffnung". 1784/85 bekleidete er das Amt des Sekretärs und kümmerte sich in dieser Funktion um die ein- und ausgehende Post sowie die Arbeitsprotokolle.

Als man am 14. Dezember 1784 Wolfgang Amadeus Mozart in die Schwesterloge "Zur Wohltätigkeit" aufnahm, bekam "die Verständigung darüber . . . auch Bartsch in die Hand. Eine Aufnahme in eine Wiener Loge wurde allen acht Wiener Logen angezeigt." Ab 1786 "waren Bartsch und Mozart dann Mitglieder in der neuen Sammelloge "Zur neugekrönten Hoffnung"."

Mozart, ein engagierter Freimaurer, widmete dem Bund mehrere Werke. Darunter die Kantate "Maurerfreude" (KV 471), die er 1785 anlässlich einer Feier in Bartschs Loge zu Ehren des Mineralogen und führenden Freimaurers Ignaz von Born komponierte. Per Schreiben wird den Wiener Brüdern später ans Herz gelegt, die gedruckte Kantate für einen guten Zweck zu kaufen - unterzeichnet ist das Papier von C.D. Bartsch.

Aus armem Elternhaus
Dr. Wolf, der zahlreiche Publikationen zum Thema Freimaurerei verfasste, u.a. das Buch "Die Protokolle der Prager Freimaurerloge "Zu den 3 gekrönten Säulen" 1783-1785" (2013), kommt wieder zum "Don Giovanni" zurück: Die Prag-Reise 1787 "wurde vor allem von den prominenten Prager Freimaurern, den Grafen Joseph Anton Thun-Hohenstein, Franz Anton Nostitz, Kaspar Hermann von Künigl, Emanuel Canal von Malabayla sowie Pater Karl Raphael Ungar protegiert. Man kann annehmen, dass Mozarts Logenbruder Bartsch freundschaftliches Interesse daran hatte, in der "Wiener Zeitung" den so positiven Bericht der Prager Zeitung auch dem Wiener Publikum zu bieten. Die Prager Freimaurer hatten im "WZ"-Chef, Bruder Bartsch, den richtigen Ansprechpartner."

Conrad Dominik Bartsch war 1782 in die Redaktion der "Wiener Zeitung" eingetreten. Damit stand er an der Spitze des wichtigsten Mediums der Habsburgermonarchie. Die Bezeichnung "Chefredakteur" war damals zwar unbekannt, entspricht aber durchaus der Position, die er innehatte.

Diese Karriere war ihm nicht gerade in die Wiege gelegt worden. ". . . meine Geburt hat mich unter die kleinen Leute geführt", schrieb er in einem Brief. "Ich habe nie große Projekte und Entwürfe gemacht, und die kleinen, die ich machte, waren entweder klug angelegt oder geschah es durch Zufall: das Schicksal hat sie mir allezeit begünstigt".

Die größte Gunst erwies ihm das Schicksal mit Joseph von Sonnenfels (ca. 1732-1817), dem einflussreichen Berater Maria Theresias, in dem Bartsch einen Förderer fand. Wie viele der Aufklärung verpflichtete Intellektuelle und Staatsmänner (sowie mancher Geistlicher) seiner Zeit war Sonnenfels Freimaurer.

"Die Freimaurerei erreichte von 1780 bis 1785 in Wien einen Höhepunkt. In dieser Zeit bestanden in Wien acht Logen und die Mitgliederlisten lesen sich wie ein "Who is Who" der damaligen Gesellschaft", so Dr. Wolf in einem Aufsatz. Einen ersten schweren Schlag erlitt der Bund mit dem "Freimaurerpatent" Josephs II., das durch eine radikale Neuordnung der Logen 1786 beträchtlichen Schaden anrichtete.

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Dokument erstellt am 2014-12-04 11:02:12
Letzte Änderung am 2014-12-05 10:23:59


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