• vom 03.11.2016, 14:00 Uhr

Gemeine


Die Autorin Marie Weyr

In Stein gemeißelte Edelfedern




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  • Marie Weyr, eine vergessene "WZ"-Journalistin.
  • Ihr Denkmal verschwand 1938.
  • Zur Zusatzorchidee der Nro. 362.

Marie Weyr (1864-1903) , l. als Radlerin in Szene gesetzt, gelang mit der Posse "Hosennandl" ein Publikumserfolg am damals sogenannten "Deutschen Volkstheater" in Wien. - © Bilder: August Strindberg Museum Saxen (l.)/Archiv

Marie Weyr (1864-1903) , l. als Radlerin in Szene gesetzt, gelang mit der Posse "Hosennandl" ein Publikumserfolg am damals sogenannten "Deutschen Volkstheater" in Wien. © Bilder: August Strindberg Museum Saxen (l.)/Archiv



Zugegeben: Es war kein leichtes Unterfangen, über diese Frau etwas herauszubekommen! Die Gemeine legte sich bei ihren Recherchen zur Zusatzorchidee der Nro. 362 rund um die ältere Schwester der "WZ"-Journalistin Frida Uhl (1872-1943) ins Zeug und trug manches Detail zusammen. Während die exzentrische Frida u.a. wegen ihrer Ehe mit dem schwedischen Literaten August Strindberg im Gedächtnis blieb, vergaß man ihre begabte Schwester rasch. Höchste Zeit also, sie in Erinnerung zu rufen!

Den Namen der Gesuchten fand Maria Thiel, Breitenfurt: Marie Weyr. Ihr Spitzname war, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, Mitzi. Wie in der August-Nummer angedeutet, war in der damaligen Hauptgeschichte ein Hinweis auf die Gefragte gut versteckt. Herbert Ambrozy, Wien 7, ist einer der wenigen, die ihn fanden: Die Initialen des sechsspaltigen Artikels ergaben "MARIEW" (für Marie Weyr) - Chapeau!

Ein interessantes Detail fiel Herbert Beer, Wolfpassing, auf: "Frida Strindberg verwendete den Vornamen ihrer Schwester als Pseudonym". So schrieb sie in späteren Jahren Drehbücher als "Marie Eve".

Wie Dr. Harald Jilke, Wien 3, und Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, anmerken, war Marie, ebenso wie Frida, Journalistin und Schriftstellerin. Klaus-Peter Josef, Tulln, hebt ihre Tätigkeit als Theaterkritikerin hervor. In dieser Funktion vertraten beide Schwestern zeitweise Vater Friedrich Uhl, den angesehenen "WZ"-Chef.

Als "kluge und witzige" Schreiberin bezeichnet Dr. Alfred Komaz, Wien 19, Marie. Zum liebevoll-geschwisterlichen Verhältnis zu Frida (auch Frieda) zitiert der Zeitreisende aus einem Brief Maries an eine Freundin, den sie 1894, also etwa ein Jahr nach der Heirat ihrer Schwester mit Strindberg, schrieb: "Frieda ist . . . für die vielen Dummheiten, die sie begangen, härter bestraft, als der strengste Richter verlangt hätte." Über Schwager Strindberg urteilte sie: "Geniale Menschen dieser Art genießt man am besten aus der Ferne."

Berühmter Gatte

Bildhauer R. Weyr verewigte Schwiegervater F. Uhl in Stein (l.: Weyr im Atelier vor der Figur). Als Neptun wacht Uhl seither am Wiener Michaelerplatz und grüßt kundige "WZ"-Leser wie Dr. Beck, der eine Zeichnung (r.) vom einstigen Chef unseres Blattes machte; danke!

Bildhauer R. Weyr verewigte Schwiegervater F. Uhl in Stein (l.: Weyr im Atelier vor der Figur). Als Neptun wacht Uhl seither am Wiener Michaelerplatz und grüßt kundige "WZ"-Leser wie Dr. Beck, der eine Zeichnung (r.) vom einstigen Chef unseres Blattes machte; danke!© Bilder: Archiv/ Dr. Karl Beck Bildhauer R. Weyr verewigte Schwiegervater F. Uhl in Stein (l.: Weyr im Atelier vor der Figur). Als Neptun wacht Uhl seither am Wiener Michaelerplatz und grüßt kundige "WZ"-Leser wie Dr. Beck, der eine Zeichnung (r.) vom einstigen Chef unseres Blattes machte; danke!© Bilder: Archiv/ Dr. Karl Beck

Biographische Eckdaten recherchierten Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram: Geboren wurde Marie Weyr "am 8. September 1864". Franz Kaiser, Wien 11, sowie Mag. Gerhard Karasek, Klosterneuburg, und Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, ergänzen das Todesdatum: 19. April 1903. Sie starb also mit nur 38 Jahren.

Das Jahr ihrer Eheschließung nennt Volkmar Mitterhuber, Baden: 1882, als Marie kaum 18 Jahre alt war. Den Namen ihres um 17 Jahre älteren Partners gibt Mag. Robert Lamberger, Wien 4, an: Rudolf Weyr. Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, bezeichnet ihn als "Ringstraßen-Bildhauer".

Glaubt man den Schilderungen ihrer Schwester, war es keine glückliche Ehe. Nachdem Marie nach zwei Jahren Verlobungszeit zweifelte, soll der Vater auf eine Heirat bestanden haben. Frida nannte die Verbindung später "eine liebeleere Ehe".

Zum Schaffen des berühmten Gatten führt Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, aus, dass er ein "maßgebender Vertreter der Bildhauerei der Makartzeit" war. Er schuf u.a. "ein Standbild Karls VI. für das Kunsthistorische Museum" und Werke für das Naturhistorische Museum, die Universität und das Burgtheater. "Außerdem", so Gerhard Toifl, Wien 17, "stammen von Weyr die beiden Bronzelöwen auf den Mauerpfeilern der Nußdorfer Sperrbrücke".

Dr. Karl Beck, Purkersdorf: Er war es auch, der "Friedrich Uhl als "Brunnenfigur" am Michaelerplatz in Stein meißelte." Dr. Manfred Kremser, Wien 18, erinnert sich "mit viel Freude an frühere Zeitreisen" zum "herrlichen Neptun, der das Konterfei dieses "WZ"-Chefredakteurs" ist. Diesen Brunnen, "Die Macht zur See" genannt, bezeichnet Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, als eines der prominentesten Werke des Künstlers. Darüber hinaus führt der Tüftler ihn als "Schöpfer der Prechtl-Herme vor der Technischen Universität" an (das Denkmal für Johann Josef Ritter von Prechtl, erster Direktor des Polytechnischen Instituts, war Thema in Nro. 362). Weyr arbeitete überdies am Grillparzerdenkmal im Volksgarten mit, "für das er die Reliefs zu einzelnen Werken des Dichters schuf". Weiters stammt von ihm "das Brahms-Denkmal auf dem Karlsplatz."

Von den Ehrungen, die dem Bildhauer zuteil wurden, nennt Manfred Bermann, Wien 13, den Umstand, dass er in den Ritterstand erhoben wurde. Wie Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, notiert, benannte die Stadt Wien 1919 nach ihm eine Gasse im 3. Bezirk.

Frauen in Hosen

Zurück zu Marie Weyr, die sich als Journalistin und Schriftstellerin einen Namen machte. Neben etlichen feuilletonistischen Texten, die u.a. in der "WZ" erschienen, publizierte sie 1897 das Buch "Frühling in Abbazia". Wenig später gelang ihr, laut damaligen Zeitungsberichten, ein Publikumserfolg mit der Bauernposse "Die Hosennandl". Das Stück um eine Frau, die wildern geht (und zwar in Hosen), feierte im bayrischen Schliersee Premiere und kam 1899 am Wiener Volkstheater (damals "Deutsches Volkstheater") auf die Bühne.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-11-02 16:29:15
Letzte Änderung am 2016-11-02 17:33:53


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