• vom 06.01.2018, 07:00 Uhr

Gemeine


Die Freiheit der Meere

Universales Recht vor Göttlichem




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  • Im Gefängnis schrieb H. Grotius an dem Fundament zum Völkerrecht.
  • Sein Hauptwerk erschien 1625.
  • Zur Zusatzorchidee der Nro. 376

Hugo Grotius nimmt Abschied von seiner Familie und tritt seine Haft auf Burg Löwenstein an.

Hugo Grotius nimmt Abschied von seiner Familie und tritt seine Haft auf Burg Löwenstein an.© Bild: Anonym, Hugo de Groot brought to Slot Loevestein (1619), wohl zw. 1800 und 1849. Amsterdam, Rijksmuseum. Repro: Martina Hackenberg Hugo Grotius nimmt Abschied von seiner Familie und tritt seine Haft auf Burg Löwenstein an.© Bild: Anonym, Hugo de Groot brought to Slot Loevestein (1619), wohl zw. 1800 und 1849. Amsterdam, Rijksmuseum. Repro: Martina Hackenberg

Die Zusatzorchidee der Nro. 376 hatte es doppelt in sich: Nicht nur begab sich die Gemeine auf Spurensuche nach einem Gelehrten, sondern auch das Fachvokabel "Prisenrecht", das in der Fragestellung vorkam, gab Rätsel auf. U.a. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, grübelte über diesen Begriff, mit dem er anfangs "nicht allzu viel anfangen konnte." Doch dann, so der Tüftler mit einem augenzwinkernden Sprachspiel, "fiel der Cent: ... Irgendwo in den "verklausten Ganglien" schlummerte der französische Begriff "prise"" (= genommen). Gerhard Toifl, Wien 17, führt weiter aus: "Das Prisenrecht schränkt den Grundsatz der Freiheit der Meere ein" und regelt die Aneignung von Waren (= Prisen) im Privatbesitz durch Kriegsschiffe von "feindlichen Handelsschiffen." Es macht also einen "Teil des Seekriegsrechts" aus und gehört damit zum Völkerrecht.

Zur Judikatur merkt Richter i.R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7, an: "Die Feindeigenschaft richtet sich bei Schiffen nach der Flagge, bei Waren nach der Staatsangehörigkeit des Eigentümers oder nach dem gewerblichen Domizil ... Das Prisenrecht muss in einem ordentlichen Verfahren durchgesetzt werden, das mit Anhalten und Durchsuchung des Schiffes beginnt (= Aufbringung). Die Prise muss dann vor ein unabhängiges Prisengericht gebracht werden, das auf Freigabe oder auf Erwerb des Eigentums an der Prise durch den Nehmerstaat erkennen kann. Bei unbegründeter Beschlagnahme wird der Staat zu Schadenersatz verurteilt."


Die Wurzeln dieser Grundsätze reichen weit zurück und werden vor allem mit dem Namen Hugo Grotius (1583-1645) in Verbindung gebracht. Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, notiert: Er gilt als einer der "intellektuellen Gründungsväter des Souveränitätsgedankens, der Naturrechtslehre und des Völkerrechts der Aufklärung".

Der Philosoph wurde, so Dr. Harald Jilke, Wien 3, "in eine wohlhabende calvinistische Familie geboren." Bereits als 11-Jähriger begann er mit universitären Studien und erwarb im Jugendalter den juristischen Doktorgrad. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, schließt an: Er verfasste "mit "De jure praedae" (Über das Prisenrecht) ein Rechtsgutachten für die Niederländische Ostindien-Kompanie. Es ... blieb aber bis 1868 unveröffentlicht. Lediglich ein Kapitel wurde 1609 zunächst anonym" publiziert. Der Titel: "Mare Liberum" (Das freie Meer).

Bücher als Fluchthelfer
Der wache Geist eckte jedoch bald an, so Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: Grotius geriet "durch sein Engagement gegen den strikten Calvinismus und die herrschende Klasse in Widerspruch zur Obrigkeit (u.a. unternahm er den Versuch, den Calvinismus mit der katholischen Kirche zusammenzuführen). Diese Bestrebungen wurden als Aufruhr empfunden", woraufhin 1619 "sein Vermögen beschlagnahmt und er ... zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt" wurde.

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Dokument erstellt am 2018-01-04 13:32:09
Letzte ─nderung am 2018-01-04 14:20:47



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