• vom 07.01.2018, 07:00 Uhr

Gemeine


Kraut und Rüben

Viel Getöse um Mode und Klötze




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    Für rege Bautätigkeit sorgte dieses Spiel einst bei Tüftler Faulhammer und Freund Karli.  - © Bild: Archiv.

    Für rege Bautätigkeit sorgte dieses Spiel einst bei Tüftler Faulhammer und Freund Karli.  © Bild: Archiv.

    Dass Frauen auf Rädern nicht nur auf Zustimmung stießen, war in den November-Zeitreisen zu lesen: Ihre gewonnene Bewegungsfreiheit auf dem Drahtesel passte vielen nicht. Dazu kamen modische Gründe, schlüpften Radlerinnen doch mit Vergnügen in Hosenröcke. Dass das praktische Kleidungsstück für Protest sorgen konnte, recherchierte Prof. Brigitte Sokop, Wien 17: Im Mai 1911 erlaubten "sich einige Damen ..., in Brioni einen Hosenrock zu tragen. "Sein Debut hatte er schon im letzten Sommer in Wien"," wurde auf der Insel vermeldet. Auf dem Eiland hatten Frauen mit dem Beinkleid bei einem Korso Aufsehen erregt.

    Aber auch in der Donaumetropole hatten es Modepionierinnen damals nicht leicht. Tüftlerin Prof. Sokop gibt einstige Berichte wieder: "Gegen die Trägerinnen solcher, dem Publikum mißliebigen modernen Kleidungsstücke gab es in der Kärntner Straße und am Graben förmliche Exzesse. Die Menge folgte ihnen unter höhnischem Rufen, Pfeifen, Johlen. Die Damen flüchteten in die Geschäfte, die von den Protestierenden belagert wurden, wartend, bis sie wieder herauskamen. Es kam zu unliebsamen Szenen vor den Auslagen ... bis zu Störung des Verkehrs. Man forderte die Sicherheitswache an, um die Menge zu zerstreuen."

    Ein Blatt wagte sogar den Blick in die Zukunft: "Ohne Zweifel wird ... diese Culotte (franz. Hosenrock, Anm.) in der Mode verschwinden, ehe sie noch recht eingeführt worden ist."

    Falsch getippt! Da lacht das Frauenherz über 100 Jahre später: Praktische Hosen, sogar ganz ohne Rock, sind aus der Damenmode nicht mehr wegzudenken.

    *****

    Die gleiche Zeitreisen-Ausgabe, Nro. 377, veranlasste auch Friedrich Faulhammer, Wien 18, zur Feder zu greifen. Genauer noch: Das "Fundstück", das eine Annonce des "Anker-Steinbaukastens" zeigte und den Zeitreisenden in Erinnerungen schwelgen ließ: "In der 2. Klasse der Volksschule (1930) war es üblich geworden, einen Nachmittag der Woche mit Schulfreund Karli zu verbringen." Der besaß eine "Kiste mit Anker-Bausteinen, die mich magisch anzog. So bauten wir also wild drauf los, immer nach dem selben Muster: Einen Turm von ca. einem Meter Höhe".

    Auch die Ausstattung für den Bau, so der Geschichtsfreund, war jedes Mal die gleiche: "Eine Außenstiege und innen ein durchgehender Schacht ... Dann stiegen kleine ... Männchen die Treppe hinauf, um oben in den "Durchfaller" genannten Schacht zu stürzen. Doch da war es schon halb sechs Uhr geworden und der Turm wurde mit Getöse umgeworfen - die Steine mit vollen Händen in der Kiste verstaut. Denn um sechs Uhr musste ich zu Hause sein."

    Ausgewählt & arrangiert von Christina Krakovsky





    Schlagwörter

    Kraut und Rüben, Zeitreisen

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-01-04 13:50:05
    Letzte nderung am 2018-01-04 14:28:19



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