• vom 03.02.2018, 08:00 Uhr

Gemeine

Update: 27.03.2018, 13:11 Uhr

Gefeierter Bühnenautor Ferdinand Raimund

Ein schwermütiger Komödiant




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  • Mit Süßigkeiten verdiente Ferdinand Raimund in jungen Jahren sein Brot.
  • Angst vor Tollwut trieb ihn 1836 in den Suizid.
  • Zur Orchidee der Nro. 378.



Der Barometermacher Quecksilber demonstriert dem Inselherrscher Tutu die Macht seines Zauberstabs: "Diese Thorflügel sollen Gold seyn". 

Der Barometermacher Quecksilber demonstriert dem Inselherrscher Tutu die Macht seines Zauberstabs: "Diese Thorflügel sollen Gold seyn". © Bild von J. W. Zinke (nach Vorlage von J. Ch. Schoeller). Repro: Moritz Ziegler Der Barometermacher Quecksilber demonstriert dem Inselherrscher Tutu die Macht seines Zauberstabs: "Diese Thorflügel sollen Gold seyn". © Bild von J. W. Zinke (nach Vorlage von J. Ch. Schoeller). Repro: Moritz Ziegler

Da streiten sich die Leut’ herum / Oft um den Werth des Glücks, / Der eine heißt den andern dumm, / Am End’ weiß keiner nix. / Da ist der allerärmste Mann / Dem Andren viel zu reich, / Das Schicksal setzt den Hobel an / Und hobelt’s beide gleich."

Wer hat bei diesen Zeilen aus dem "Hobellied" nicht die Stimme von Hans Moser, Paul Hörbiger oder gar Marlene Dietrich im Ohr? Neben anderen Prominenten interpretierten auch sie diese bekannten Strophen aus dem Theaterstück "Der Verschwender", das jener Bühnenautor schrieb, der in der Orchidee der Nro. 378 gefragt war. DI Wolfgang Klein, Wien 21, nennt den "Zauberdichter" Ferdinand Raimund (1790-1836). Der Tüftler fügt an, dass er selbst schon "vor ca. 55-60 Jahren im Rahmen des ... Theaters der Jugend" Aufführungen von Werken des Dramatikers sah. Den Geburtsnamen des österreichischen Talents kennt DI Gerhard Raimann, Alland: "Eigentlich Ferdinand Jakob Raimann und damit ein Namensvetter von mir." (Ob die Namensgleichheit Zufall ist? Vielleicht kann die Gemeine helfen? Mehr dazu auf Seite VIII in der Rubrik QUERGELESEN).

Hobel und Kraxn

Vertont hat das "Hobellied" der deutsche Komponist Konradin Kreutzer (1780- 1849), der ab 1804 in Wien studierte und Kapellmeister unter anderem am Theater in der Josefstadt war.

In der Landschaft bei Gutenstein steht die "Raimundvilla", die Tüftler Dr. Karl Beck auf diesem Aquarell festhielt.

In der Landschaft bei Gutenstein steht die "Raimundvilla", die Tüftler Dr. Karl Beck auf diesem Aquarell festhielt.© Bild: Dr. Karl Beck. Repro: Moritz Ziegler In der Landschaft bei Gutenstein steht die "Raimundvilla", die Tüftler Dr. Karl Beck auf diesem Aquarell festhielt.© Bild: Dr. Karl Beck. Repro: Moritz Ziegler

"Quasi zum Volkslied" wurde die auch als Tischlerlied bekannte Komposition, wie Dr. Karl Beck, Purkersdorf, festhält: Dabei kam es immer wieder zu "Erweiterung und Anpassung der Strophen." Die "gewisse Melancholie", die dem Musikstück zu eigen ist, blieb in allen Interpretationen erhalten.

Vollendet hat Raimund den Liedtext vermutlich in Gaaden bei Wien. Dort kehrte er erstmals 1825 im Gästehaus des Stiftsgasthofes "Zum Goldenen Kreuz" ein, um sich von einer Depression zu erholen. Ein literarisches Denkmal - so die Chronik des kleinen Orts - setzte Raimund dem Dorf mit dem "Kraxnweiberl", eine Gaadener Figur, die in dem Stück "Der Verschwender" auftaucht.

Wie seinem jüngeren Zeitgenossen Johann Nestroy (1801-1862) gelang es Raimund mitunter, die strengen Zensurregeln im vormärzlichen Wien zu umschiffen. Vor allem für seine Possen bekannt, ließ er zwischen den Zeilen Kritik durchschimmern.

Allerdings setzte ihm die humorvolle Kunst zu, wie Maria Thiel, Breitenfurt, erklärt: "Raimunds Ziel war das tragische ... Fach, Erfolg hatte er jedoch nur in komischen ... Rollen." In den 1830er-Jahren formulierte der Theaterdichter selbst, wie Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, zitiert: "Ich bin zum Tragiker geboren, mir fehlt dazu nichts als die G’stalt und’s Organ."




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Dokument erstellt am 2018-01-31 14:20:17
Letzte nderung am 2018-03-27 13:11:53



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