• vom 03.02.2018, 07:30 Uhr

Gemeine


Kunst und Industrie in England des 19. Jahrhunderts

Sozialstaatsutopie in Handarbeit




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  • William Morris und John Ruskin schrieben gegen Massenproduktion.
  • Einfluss übten sie auf Jugendstil und Bauhaus aus.

Solche Arbeitsverhältnisse , wie auf dieser Postkarte der Weberei der englischen Firma "Amoskeag" aus 1910, prangerte die Arts-and-Crafts-Bewegung an .  - © Bilder: Archiv. Repros: Philipp Aufner

Solche Arbeitsverhältnisse , wie auf dieser Postkarte der Weberei der englischen Firma "Amoskeag" aus 1910, prangerte die Arts-and-Crafts-Bewegung an .  © Bilder: Archiv. Repros: Philipp Aufner

Ich glaube nicht, dass wir alle Maschinen abschaffen sollten: Einige Dinge, die wir jetzt mit der Hand machen, würde ich mit Maschinen machen und andere Dinge, die momentan Maschinen machen, mit der Hand. Kurz gesagt: Wir sollten die Herren unserer Maschinen sein und nicht - so wie jetzt - ihre Sklaven." Das sagte einer der in der Kartennuss aus Zeitreisen Nro. 378 gesuchten Briten. Die Gemeine recherchierte hierfür zur Arbeiterbewegung auf der Insel Ende des 19. Jahrhunderts.

Heidi Liebl, Wien 23 (willkommen im Tüftlerkreis!), nennt die zwei "Mitbegründer der sozialistischen Bewegung" in Großbritannien: "William Morris und John Ruskin". Sie lehnten die billige "Massenproduktion von Gebrauchsgegenständen ab und verlangten Achtung für die Kunst."

Bernard Sleigh wurde von William Morris und John Ruskin (v.l.n.r.) beeinflusst. Unten: Eines von Morris’ Designs.

Bernard Sleigh wurde von William Morris und John Ruskin (v.l.n.r.) beeinflusst. Unten: Eines von Morris’ Designs.© Bilder: Archiv. Repro: Philipp Aufner Bernard Sleigh wurde von William Morris und John Ruskin (v.l.n.r.) beeinflusst. Unten: Eines von Morris’ Designs.© Bilder: Archiv. Repro: Philipp Aufner

Diese Haltung belegt auch das Zitat oben aus Morris’ Vortrag "Die Kunst und ihre Produzenten" (1888). Gemeinsam mit Ruskin beeinflusste er Bernard Sleigh (1872-1954), dessen Illustration des Reiches der Märchen und Sagen die Rubrik KARTEN GELESEN in der Dezember-Nummer zierte.

Morris (1834-1896) "war englischer Textildesigner, Romanautor, Übersetzer und sozialistischer Aktivist", schreibt Dr. Karl Beck, Purkersdorf. Als Beispiel für Morris’ literarisches Schaffen nennt der Tüftler den Roman "Kunde von Nirgendwo" (1890): "Es war eine Kombination von utopischem Sozialismus" und futuristischer Vision. Der Brite hat dazu beigetragen, "das moderne Fantasy-Genre zu etablieren."

Mathilde Lewandowski, Payerbach, erwähnt weiters: "In herrlicher Prosa schrieb er "The Roots Of The Mountains"" (1889, dt.: Die Wurzeln der Berge), einen fantastischen Roman, 1895 eine Übersetzung der nordischen Beowulf-Sage.

Zurück in die Romantik

Seine Faszination, die alten Traditionen galt, beschränkte sich nicht auf Texte, wie Gerhard Toifl, Wien 17, festhält: Er "trug . . . maßgeblich zur Wiederbelebung traditioneller britischer Textilkunst und Produktionsmethoden bei." Er gründete 1861 ein Unternehmen, das u.a. Möbel in Serie, aber nicht in Massenproduktion herstellte.

Gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert waren die Folgen der Industrialisierung auf Umwelt und Arbeitsbedingungen immer stärker sichtbar geworden.

Morris selbst war zum Beispiel "fasziniert von London", wie oben erwähnter Zeitreisender Toifl notiert, aber auch "bestürzt über die Umweltverschmutzung und die schnelle Ausbreitung in die benachbarte Landschaft". Er beschrieb die Stadt als "sich ausbreitendes Geschwür".




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-31 14:26:15
Letzte Änderung am 2018-01-31 14:33:01


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