• vom 03.02.2018, 19:00 Uhr

Gemeine


Hopfen und Malz anno dazumal

Als Bier gesünder als Wasser war




  • Artikel
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • 2.621.542 Eimer Bier produzierten Wiener Brauhäuser im Jahre 1870.
  • 1874 rebellierten Bürger gegen hohe "Krügerl"-Preise.

Bierwagen mussten besonders im Laufe des 19. Jahrhunderts in und um Wien ausliefern - stieg doch in dieser Zeit der Bedarf an dem würzigen Trank rasant an. 

Bierwagen mussten besonders im Laufe des 19. Jahrhunderts in und um Wien ausliefern - stieg doch in dieser Zeit der Bedarf an dem würzigen Trank rasant an. © Bild: Archiv. Bierwagen mussten besonders im Laufe des 19. Jahrhunderts in und um Wien ausliefern - stieg doch in dieser Zeit der Bedarf an dem würzigen Trank rasant an. © Bild: Archiv.

Ein Zapfenstreich läutete einst das Ende feuchtfröhlichen Treibens in Wiens Gasthäusern ein. Mit Trinkkultur beschäftigte sich die Gemeine anlässlich eines Kartogramms zu Brauereien in Altösterreich, das in der Rubrik KARTEN GELESEN in den September-Zeitreisen (Nro. 375) abgedruckt war. Die wichtigste Quelle war für viele dabei das "Historische Lexikon Wien" von Felix Czeike, erschienen in fünf Bänden 1992-1997 (plus Ergänzungsband 2004).

Den Anfang macht Dr. Harald Jilke, Wien 3: "Im Wiener Stadtrecht von 1340 wird eine "pirglocke" erwähnt, mit der man das Zeichen zum Schließen der Schenken gab. Im 15. Jahrhundert sollte sich nach dem Ertönen der Bierglocke niemand mehr ohne Licht auf den Gassen zeigen." Seit 1546 befand sie sich "im nordseitigen Heidenturm (dem linken gegen den Bischofshof hin) von St. Stephan" und ertönte "je nach Jahreszeit und politischen Verhältnissen" zu unterschiedlicher Stunde. Im Volksmund nannte man sie "Gurgelabschneiderin" oder "den nassen Zapfenstreich".


Eher skeptisch standen die Bürgerinnen und Bürger der Kaiserstadt dem Getreidesaft zu Beginn gegenüber. Dazu erläutert MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Eine der Hauptursachen für die relativ geringe Beliebtheit von Bier war trotz zahlreicher privater und klösterlicher Brauereien ... Qualität und Haltbarkeit ... 1736 wurde in Wien noch dreimal so viel Wein als Bier getrunken." Jedoch war "Ende des 18. Jahrhunderts der Bierkonsum bereits größer als jener von Wein. Seine Blüte erreichte das Brauwesen ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert. In der josephinischen Ära zählte man über 500 Bierhäuser."

Der Siegeszug kam im Vormärz, wie Dr. Karl Beck, Purkersdorf, notiert: "Als Anton Dreher das neue Brauverfahren (untergäriges Bier, also Lagerbier) in den 1830er-Jahren auf den Markt brachte, nahm der Bierverbrauch einen ... Aufschwung". In den zahlreichen Bierhäusern traf sich auch "die geistige Elite", etwa höhere Beamte, Künstler und Studenten.

Ein Beispiel aus einem Vorort der Kaiserstadt führt Nussknacker Dr. Beck an: "In der Herrengasse (heute Gentzgasse) befand" sich die Schank ""Zum Biersack", eines der ältesten Währinger Wirtshäuser". In dem 1731 von dem Ehepaar Ursula und Johann Biersack erworbenen Haus soll Franz Schubert 1826 (zum Musikus siehe auch Seite II) sein "Shakespeare-Ständchen" verfasst haben.

Bahöl um Bierpreise
Mit steigender Beliebtheit rollte der Rubel - oder besser: der Kreuzer. Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, notiert einen Vorfall aus Linz: "Eine Preiserhöhung für das Krügerl Bier von fünf auf sechs Kreuzer erboste die ... Bürger im Mai 1874 derart, dass vor einigen Braugebäuden die Steine flogen."

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-31 14:29:14
Letzte Änderung am 2018-01-31 14:37:57


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wie man Indianer-Häuptling wird
  2. K.u.k. Oasen - eine Fata Morgana
  3. Predigt des rechnenden Denkers
  4. Zehn Küchen und ein Riesenkeller
  5. Baustellenführung mit Ing. Malecki
Meistkommentiert
  1. K.u.k. Oasen - eine Fata Morgana
  2. Predigt des rechnenden Denkers

Werbung





Werbung