• vom 03.03.2018, 07:00 Uhr

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Update: 27.03.2018, 13:06 Uhr

Altwiener Volkstheater

Die Possen eines k.k. Beamten




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  • Anfang des 19. Jahrhunderts war Karl Meisl wichtiger Bühnenautor.
  • Später geriet er in Vergessenheit.
  • Zur Zusatzorchidee der Nro. 378.



Das Altwiener Volkstheater beanspruchte v.a. die Lachmuskeln. 

Das Altwiener Volkstheater beanspruchte v.a. die Lachmuskeln. © Bild: Archiv. Repro: Martina Hackenberg Das Altwiener Volkstheater beanspruchte v.a. die Lachmuskeln. © Bild: Archiv. Repro: Martina Hackenberg

Wer der Meinung ist, dass Beamte keinen Witz haben, der kennt die Biographie des in der Zusatzorchidee der Nro. 378 Gesuchten nicht. Geknackt hat die Nuss u.a. Dr. Heribert Plachy, Wien 7, der auch die Lebensdaten von Karl (auch Carl) Meisl liefert: Geboren am 30. Juni 1775 in Laibach, Krain (heute Ljubljana, Slowenien), und verstorben am 8. Oktober 1853 in Wien.

Noch vor seiner Geburt war sein Vater aus Klagenfurt in die Stadt an der Save übersiedelt, um dort eine Gemischtwarenhandlung zu eröffnen. Just verliebte sich der junge Auswanderer in eine wohlhabende Bierbrauerstochter. Das Glück war ihm gewogen: Bald wurde geheiratet und kein Jahr später erblickte Karl das Licht der Welt.

Er erlebte eine glückliche Kindheit und besuchte, wie Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, notiert, im Jugendalter das "Laibacher Lyzeum".

Nach 1790 starb seine Mutter an Typhus. Nur ein Jahr später fand der Vater eine zweite Ehegesponsin, mit der sich Karl jedoch ganz und gar nicht vertrug. Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Nach einem Streit mit der Stiefmutter entlief er der Familie und ließ sich beim in Laibach garnisonierten Infanterie-Regiment Baron von Zach anwerben." (Der als Astronom bekannte Franz Xaver Freiherr von Zach war für einige Zeit als Offizier der Armee beigetreten.) Durch Fleiß erwarb Meisl das "Wohlwollen seines Kompaniekommandanten Leutnant Wenzel Graf Radetzky". Schließlich stieg er "zum Fourier (d.h. für den Proviant, also die Furage, verantwortlicher Unteroffizier, Anm.) und Rechnungsführer auf."

Nach einem beruflichen Aufenthalt in Venedig kam er nach Wien, so Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, und diente bis zu seiner Pensionierung 1840 als "Rechnungsrath des Marine-Departments in der k.k. Hofkriegsbuchhaltung."

Erwähnter Geschichtsfreund Dr. Komaz fügt an: Meisl war "sowohl Soldat als auch Dichter. Als solcher schrieb er eine Menge patriotischer Stücke, aber auch ... Lokalpossen ... Ein geheimer Zensurbericht bescheinigte ihm ..., dass "er beide Stellungen mit Talent und gründlicher Kenntnis ausfüllte."

Karl Meisl (1775-1853).

Karl Meisl (1775-1853).© Bild: Archiv. Repro: Martina Hackenberg Karl Meisl (1775-1853).© Bild: Archiv. Repro: Martina Hackenberg

Einen Kollegen aus dem Theaterfach nennt Mag. Robert Lamberger, Wien 4: Alois Gleich (1772-1841), der "als Meister des Alt-Wiener Besserungsstückes" galt. Zu inhaltlichen Unterschieden fügt der Nussknacker augenzwinkernd an: "Bei Meisl werden die Geister zu Wienern und bei Gleich werden die Wiener zu Göttern."

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, zählt auch Adolf Bäuerle (1786-1859) zu den Schriftstellern, die "bestimmend für die Entwicklung des Wiener Volkstheaters" gewirkt haben. Sie "vollzogen den Übergang vom "Hanswursttheater" zu Nestroy und Raimund."




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Dokument erstellt am 2018-02-28 13:11:38
Letzte Änderung am 2018-03-27 13:06:30


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