• vom 03.03.2018, 08:00 Uhr

Gemeine


Rauchwaren anno dazumal

Vom Paffen, Kauen und Schnupfen




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Tabak ist seit dem 16. Jahrhundert in Europa verbreitet.
  • Die Gemeine sinniert über den Konsum der Pflanzenblätter.
  • Zur kleinen Nuss Nro. 377.

Genuss für die einen, Anstoß für die anderen. Tüftlerin Lewandowski fand diese Darstellungen zum Tabakkonsum (danke!).  - © Repro: Philipp Aufner

Genuss für die einen, Anstoß für die anderen. Tüftlerin Lewandowski fand diese Darstellungen zum Tabakkonsum (danke!).  © Repro: Philipp Aufner

Wenn der Vater rauchen will, / weiß ich schon, was meine Pflicht: / Geh ich in die Küche still, / sprich zur Köchin: "Gib mir Licht!" / Bring’ das Licht dem Vater dann, / der zünd’t sich die Pfeife an. / Und es raucht der Fidibus, / dass ich tüchtig husten muss. / Mutter hustet auch dazu: / "Käkäkuu, käkäkuu"." In der Familie von Dr. Luitgard Knoll, Wien 19, haben diese Zeilen über die Tochter, die dem Vater eine Kerze zum Anzünden der Pfeife bringt, Tradition. Ihre 1849 geborene Urgroßmutter dichtete die Strophen, die die Tüftlerin anlässlich der kleinen Nuss Nro. 377 zum Thema Rauchen mit der Gemeine teilt.

Einen historischen Einstieg gibt Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: "Die Tabakpflanze wurde ursprünglich nur in Mittel- und Südamerika von der einheimischen Bevölkerung genutzt."


Manfred Bermann, Wien 13, schlug im Lexikon nach: "Als Tabaco wurde zunächst die von ... amerikanischen Indianern zum Rauchen benutzte Röhre bezeichnet." Dies diente "vor allem kulturellen Zwecken."

Auf die "Kalumet" genannte Zeremonialpfeife, die als Symbol des Friedens galt, geht Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, ein: Sie bestand mitunter aus bunten "Stäben, mit Federn geschmückt, mit einem Kopf aus rotem Tonschiefer" und war nicht selten Sinnbild für "Erde/Himmel, Mann/ Frau, oder Sonne/Mond."

Die Pfeife rauchte man zur Besiegelung von Verträgen. Das Kalumet-Ritual war v.a. im Mississippi-Gebiet verbreitet.

Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Die Europäer lernten Tabak bei ihren ... Begegnungen mit den Menschen in Amerika kennen. Als Christoph Columbus am 12. Oktober 1492 auf den Bahamas landete, brachten die Inselbewohner ihm Präsente, darunter auch Tabakblätter. Mit diesem Geschenk konnte Columbus erst etwas anfangen, als zwei seiner Männer sahen, wie ... Einheimische auf der Insel Kuba die Blätter" in einer Pfeife "anzündeten und dann den Rauch "tranken"".

Mit Pfeifchen lehnt sie am Fenster: Bei diesem niederländischen Paar raucht sie, nicht er. 

Mit Pfeifchen lehnt sie am Fenster: Bei diesem niederländischen Paar raucht sie, nicht er. © Bild: Harmen Hals um 1650/Archiv. Repro: Philipp Aufner Mit Pfeifchen lehnt sie am Fenster: Bei diesem niederländischen Paar raucht sie, nicht er. © Bild: Harmen Hals um 1650/Archiv. Repro: Philipp Aufner

Mathilde Lewandowski, Payerbach (Applaus für Bildspenden und -tipps!): Bereits um 1560 brachte Jean Nicot, ein "französischer Gesandter am portugiesischen Hof", der Protagonist der Hauptgeschichte der November-Zeitreisen war, die Tabakpflanze unter den Adel. Aber es waren, so Gerhard Toifl, Wien 17, v.a. niederländische Matrosen die um 1570 "Gefallen am Tabak" fanden und ihn "in die süd- und westeuropäischen Häfen" brachten. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, weiter: Die "rituelle Verwendung des Tabaks setzte sich in Europa nicht fort". Hier standen medizinische Zwecke, zum Beispiel "bei Schmerzen verschiedenster Art, Magenbeschwerden, offenen Wunden u.a., und der Genussaspekt im Vordergrund."

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-28 13:26:37
Letzte Änderung am 2018-02-28 15:02:10


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Warum Tiere keine Maschinen sind
  2. Von Krawallminnerl bis Radibuam
  3. Per Eilzug in die k.u.k. Kulturoase
  4. Kleine Zeitreisen-Nuss Numero 389
  5. Umbruch 1918 in der Bäckerstraße
Meistkommentiert
  1. Forscher sucht Zeitreisende

Werbung





Werbung