• vom 02.06.2018, 14:00 Uhr

Gemeine


Tulpenmanie

Blütenschätze mit Ablaufdatum




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  • Spekulationen auf Preise kosteten Existenzen.
  • Spott und Hohn haben Ausmaß übertrieben.

Affen mit Schwertern stehen für Adlige, die sich im Auge des Malers mit der Tulpenspekulation lächerlich machten: Beim Anbau, Verkauf, Geldzählen und Wiegen der Blumenzwiebeln (nähere Beschreibung s. Artikel).  - © Bild (Ausschnitt): J. Brueghel d. J. (um 1640)/Repro: Ph. Aufner

Affen mit Schwertern stehen für Adlige, die sich im Auge des Malers mit der Tulpenspekulation lächerlich machten: Beim Anbau, Verkauf, Geldzählen und Wiegen der Blumenzwiebeln (nähere Beschreibung s. Artikel).  © Bild (Ausschnitt): J. Brueghel d. J. (um 1640)/Repro: Ph. Aufner

Herrlich geflammte Tulpen in Samenkatalog aus 1647 verdeutlichen die Blütenvielfalt. 

Herrlich geflammte Tulpen in Samenkatalog aus 1647 verdeutlichen die Blütenvielfalt. © Bild: E. Sweerts, Florilegium amplissimum Herrlich geflammte Tulpen in Samenkatalog aus 1647 verdeutlichen die Blütenvielfalt. © Bild: E. Sweerts, Florilegium amplissimum

Ohne Zeitzeugenberichte hätte man bereits 1690 fast gezweifelt, "ob es müglich wäre / daß solche Tulpen-Narren hätten in rerum natura seyn können".

Das stand weniger als 65 Jahre nach dem Platzen der "Tulpenblase" in einer deutschen Publikation zu lesen. Es waren dies die "Monatlichen Unterredungen Einiger Guten Freunde Von Allerhand Büchern und andern annemlichen Geschichten; Allen Liebhabern Der Curiositäten Zur Ergetzligkeit und Nachsinnen heraus gegeben November 1690", erschienen bei Johann Friedrich Gleditsch, Buchhändler in Leipzig. In der Zeitschrift mit oftmals mehreren hundert kleinformatigen Seiten wird über verschiedene Themen philosophiert.


So auch über die Spekulation mit Tulpenzwiebeln, die sich ab den 1620ern in Holland ihrem Höhepunkt näherte und mit 1637 ein jähes Ende fand. Um dieses Phänomen drehte sich die Kartennuss der Zeitreisen-Nro. 381 (März 2018).

Schaden begrenzt
Fast jeder kennt die Geschichte dieser Manie. Allerdings wurde ihr Ausmaß fast so sehr übertrieben wie anno dazumal die Blumenzwiebelpreise. Dazu erwähnt Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, die in London unterrichtende Professorin Anne Goldgar, die 2007 "die fundierteste Untersuchung der letzten Zeit über die Tulpenmanie lieferte". Darin "widerlegt sie die . . . Beteiligung weiter Kreise der Bevölkerung (tatsächlich waren nur kleinere gehobene Bürgerschichten betroffen, kaum aber Handwerker, Bauern und Adlige) und relativiert auch die früher oft kolportierten negativen wirtschaftlichen Folgen." Die Konjunktur des Landes brummte nämlich bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts - weit über die geplatzte Blase hinaus.

Basis für die übersteigerte Darstellung der Ereignisse waren Flugblätter und reißerische Augenzeugenberichte. So las man in den eingangs erwähnten "Unterredungen" über 1623, "da man für die allerschönste Tulipe / . . . in Amsterdam 1000. Gülden gezahlet: Sie wurde Semper-Augustus genennet / weiß von Farbe / mit Lack-roth / aus (sic!) einem blauen Grunde / biß oben zu / fein proportionirlich und ebenmäßig geflammet." Bis 1634 hatte sich der Preis verdoppelt. Drei Jahre später "ist keine üms Geld mehr zu kauffen gewesen / weil derselben nur zwo / eine zu Amsterdam / und die andere zu Harlem verhanden waren."

"Die Tulpe war eigentlich eine Wildpflanze, die in den Hochtälern Zentralasiens gedieh", erläutert Christine Sigmund, Wien 23, zum Ursprung der Pflanze. "Über Persien und das Osmanische Reich kam sie nach Europa - Carolus Clusius setzte sich ... dafür ein." Zu ihm später mehr.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-30 12:49:09
Letzte Änderung am 2018-05-30 17:10:56


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