• vom 07.07.2018, 12:00 Uhr

Gemeine


Eduard Winter

Im Banne des Reformkatholizismus




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  • Eduard Winter verehrte Zeit seines Lebens B. Bolzano.
  • In Berlin fand er sein Glück als Akademiker.
  • Zur Zusatzorchidee der Nro. 382.

Der Lebensweg des Forschers, nach dem in Nro. 382 gefragt wurde, gibt allerhand Rätsel auf. Um Eduard Winter, wie Reinhard Wieser, Wien 22, herausfand, drehte sich die Zusatzorchidee. Auf den ersten Blick zeigt seine Biographie gewaltige ideologische Umbrüche. Was soll man von einem exkommunizierten Priester halten, der dem NS-Regime diente und später marxistische Ideen in der DDR vertrat? Ein düsterer Verdacht kommt auf: Ein Opportunist! Doch halt - so einfach ist die Sache nicht. Aber alles der Reihe nach.

Winter war "Sohn eines Schuhmachers und Kanzleiverwalters", wie Herbert Beer, Wolfpassing, notiert. Er wurde "am 16. September 1896 in Grottau, Nordböhmen, Österreich-Ungarn", geboren, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf.


In jungen Jahren schwebte dem glühenden Patrioten eine militärische Laufbahn vor, doch wurde er für körperlich untauglich erklärt. Daher entschloss er sich, als Priester seinem Land zu dienen. Dr. Harald Jilke, Wien 3: Er nahm das Studium "an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck" auf.

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Einer seiner Forschungsschwerpunkte war der Reformkatholizismus, wobei er natürlich an Bolzano nicht vorbei konnte" (siehe gegenüberliegende Seite). Dieser Kirchenkritiker, der den Menschen in den Mittelpunkt der Religion rückte, begeisterte Winter. Mag. Robert Lamberger, Wien 4, dazu: Im Laufe seines Lebens publizierte er geradezu "eine Unzahl von Büchern über Bolzano".

1919 empfing Winter die Priesterweihe. 15 Jahre später wurde er, so Franz Kaiser, Wien 11, "Ordinarius für Kirchengeschichte und Patristik (= Lehre von den Schriften der Kirchenväter, Anm.) an der Theologischen Fakultät der Deutschen Universität zu Prag."

Faule Kompromisse?
Im selben Jahr, 1934, bezog er in einer katholischen Zeitschrift Stellung gegen den "Anreiz zur Vernichtung oder zum Haß des Andersartigen" und kritisierte "nationale Übersteigerung".

Auch mit der Institution Kirche begann der Historiker zu hadern. Gerhard
Toifl, Wien 17
: "1938 erschien Winters Buch "Tausend Jahre Geisteskampf im Sudetenraum ..."." Dieses Werk widersprach gängigen Darstellungen des Fachs.

Zum Bruch mit der Kirche kam es 1941 durch die Vermählung mit Maria Kögl. Alice Krotky, Wien 20: "Zum Zeitpunkt der Eheschließung" hatte sie "bereits ein Kind von ihm ... Das führte ... zur Exkommunikation Winters."

Die Zerschlagung des tschechoslowakischen Staates 1939 entzog Winters Bemühungen um ein versöhnliches Miteinander der Volksgruppen den Boden. Zudem hatte er 1941 seinen nicht unkomplizierten Wechsel zur Philosophischen Fakultät in Prag zu bewerkstelligen. Dazu brauchte er Kontakte zur Führung des von den Nazis installierten "Protektorats Böhmen und Mähren". Somit verkehrte Winter, wie Prof. Brigitte Sokop, Wien 17, ausführt, "in höchsten SS-Kreisen". In einer Schrift der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Brigitte Schlesinger, Wien 12, zitiert, heißt es: "Winter wurde ab dem 1. April 1939 ... als Mitglied der NSDAP geführt". Allerdings liegt "kein unterschriebener Mitgliedsausweis vor."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 10:28:50
Letzte Änderung am 2018-07-05 12:08:28


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