• vom 06.07.2018, 13:30 Uhr

Gemeine


Bernard Bolzano

Predigt des rechnenden Denkers




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  • Bernard Bolzano beschäftigte sich mit Gemeinwohl.
  • Er forderte Gleichberechtigung - auch für Frauen.
  • Zur Orchidee der Nro. 382.

Weit kam Bolzano nicht - geographisch gesehen. Er wohnte in Prag (hier um 1840) und Südböhmen.  - © Gemälde: F.X. Sandmann

Weit kam Bolzano nicht - geographisch gesehen. Er wohnte in Prag (hier um 1840) und Südböhmen.  © Gemälde: F.X. Sandmann



Ein schwacher Mathematiker wird nie ein starker Philosoph werden", so zitiert Dr. Alfred Komaz, Wien 19, den in der Orchidee der Nro. 382 Gesuchten. Dieser Leitspruch wird "Bernardus Placidus Johann Nepomuk Bolzano (1781- 1848)" zugeschrieben, den Mag. Susanne El Mahdi, Wien 9, nennt. Sein Vorname ist im Deutschen sowohl als Bernard als auch Bernhard überliefert.

Jugendporträt aus der Autobiographie und Aufsatzsammlung "Lebensbeschreibung des Dr. B. Bolzano . . ." (1836).

Jugendporträt aus der Autobiographie und Aufsatzsammlung "Lebensbeschreibung des Dr. B. Bolzano . . ." (1836).© Bild: a.a.O./Archiv Jugendporträt aus der Autobiographie und Aufsatzsammlung "Lebensbeschreibung des Dr. B. Bolzano . . ." (1836).© Bild: a.a.O./Archiv



Der Zusammenhang zwischen Philosophie und Mathematik wird deutlicher, wenn man sich die Forschungsgebiete Bolzanos ansieht. Er befasste sich mit komplex Abstraktem wie der mathematischen Beschreibung des Unendlichen. Dazu führt Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, aus: "Im 1851 posthum erschienenen Werk "Paradoxien des Unendlichen" sammelte er eine Vielzahl von Erkenntnissen über (endliche und unendliche) Mengen". Dabei stieß er auf Gesetzmäßigkeiten, die den Grundstein zur Mengenlehre bildeten. Er brachte die Idee der "Menge" in die Mathematik ein.

Für alle, die mit der Terminologie weniger vertraut sind, liefert Richter i.R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7, die Erläuterung, die Mathematiker Georg Cantor (1845-1918) formulierte: "Unter einer "Menge" verstehen wir ... jede Zusammenfassung von bestimmten, wohlunterschiedenen Objecten . . . zu einem Ganzen."

Eine bahnbrechende Erkenntnis Bolzanos fand Dr. Harald Jilke, Wien 3: "Das erste Beispiel einer stetigen, nirgends differenzierbaren Funktion". Diese ist bis heute nach ihm benannt. Für mathematisch Interessierte: Eine Funktion ist an einer bestimmten Stelle differenzierbar, wenn man dort eine Tangente an den Graphen der Funktion legen kann.

Über die Unendlichkeit hat sich Bolzano anhand von Reihen und Mengen Gedanken gemacht, u.a. in seinem mathematischen Hauptwerk, das 1851 erschien.

Über die Unendlichkeit hat sich Bolzano anhand von Reihen und Mengen Gedanken gemacht, u.a. in seinem mathematischen Hauptwerk, das 1851 erschien.© Bilder: a.a.O./Repros: Philipp Aufner Über die Unendlichkeit hat sich Bolzano anhand von Reihen und Mengen Gedanken gemacht, u.a. in seinem mathematischen Hauptwerk, das 1851 erschien.© Bilder: a.a.O./Repros: Philipp Aufner



Bolzanos Bedeutung für die Mathematik sei, so Dr. Manfred Kremser, Wien 18, erst "viel später" gewürdigt worden. Einige Texte wurden erst posthum veröffentlicht. Problematisch war auch, dass "so manche Irrtümer Bolzanos in diesen Schriften nicht auf seine Rechnung gehen", sondern auf die der Herausgeber.

Die Welt besser machen

Mathematik war jedoch nur ein Teilgebiet der Interessen und Studien Bolzanos. Christine Sigmund, Wien 23, zitiert dazu aus dessen eigenem Text "Was ist Philosophie?" (1849): Es wird "jeder Sachkenner zugeben, daß folgende fünf Wissenschaften: Logik, Metaphysik, Moral, Rechtslehre und Staatswissenschaft schon seit der Zeit ihrer Entstehung fast allgemein als eben so viele Zweige der Philosophie betrachtet worden sind." Bolzano sei, so die Tüftlerin, überzeugt gewesen, dass diese Disziplinen "viel zur Verbesserung jedes einzelnen Menschen beitragen können, und damit auch zur Verbesserung der ganzen Welt."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 10:31:58
Letzte Änderung am 2018-07-05 11:54:10


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