• vom 08.07.2018, 09:30 Uhr

Gemeine

Update: 20.07.2018, 13:53 Uhr

Der Grimm

Republik der Wörter - ohne Adel!




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  • Bahnbrechendes Lexikon der deutschen Sprache.
  • Brüder Grimm kämpften für die Kleinschreibung.

Zwei Väter der Germanistik , Jacob (r.) und Wilhelm Grimm, sowie ein Ausschnitt aus Band 7 ihres Opus magnum (1889; bearbeitet v. M. Lexer). - © Bilder: Dt. Wörterb.; Repro/Montage: Ph. Aufner

Zwei Väter der Germanistik , Jacob (r.) und Wilhelm Grimm, sowie ein Ausschnitt aus Band 7 ihres Opus magnum (1889; bearbeitet v. M. Lexer). © Bilder: Dt. Wörterb.; Repro/Montage: Ph. Aufner

Gut Ding braucht bekanntlich Weile. Manchmal lässt das Ding, und sei es noch so gut, doch etwas lange auf sich warten. So wurde die Gemeine ein ganzes Jahr auf die Folter gespannt, bevor ihre Recherchen zu einer Kartennuss vom Juni 2017 in den Zeitreisen präsentiert werden. Danke für die Geduld!

Das ist freilich gar nichts gegen die Zeitspanne, die Interessierte auf die Vollendung jenes Werkes warten mussten, das Gegenstand der Spezialnuss war: Die Macher rechneten anfangs mit 10 Jahren Arbeit, dann wurde doch weit mehr als ein Jahrhundert daraus.

Die Rede ist vom "Deutschen Wörterbuch" der Geschwister Jacob (1785- 1863) und Wilhelm (1786- 1859) Grimm. Angelegt ist das Riesenwerk, so Klaus-Peter Josef, Tulln, als "historisches Wörterbuch mit Bedeutungsangaben, Etymologien und Belegstellen". Es hat 16 Bände bzw. 32 Teilbände; "1971 erschien als 33. Band das Quellenverzeichnis."

Dr. Manfred Kremser, Wien 18, nennt weitere Eckdaten des imposanten Lexikons "von A bis Zypressenzweig . .. 350.000 Stichworte mit 67.744 Textspalten". Und: 84 Kilogramm!

Das "Deutsche Wörterbuch", oft auch schlicht "der Grimm" genannt, ist ein Heiligtum der Germanistik, internationale Berühmtheit erlangten die Brüder aber mit einer anderen Arbeit. MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, dazu: Gemeinsam gaben sie die "Kinder- und Hausmärchen" 1812ff heraus, wobei Wilhelms "sprachlich meisterhafte Gestaltung" zu betonen sei. Aus dem vielfältigen Schaffen der beiden hebt Zeitreisender DDr. Hartl noch Jacob Grimms verdienstvolle "Deutsche Grammatik" (erstmals 1819 erschienen) hervor. Doch nun zum "Deutschen Wörterbuch".

Für ihre Märchen (hier: das Rotkäppchen) kennt die breite Masse das gelehrte Duo. 

Für ihre Märchen (hier: das Rotkäppchen) kennt die breite Masse das gelehrte Duo. © Bild: P. F. Meyerheim, 1890 Für ihre Märchen (hier: das Rotkäppchen) kennt die breite Masse das gelehrte Duo. © Bild: P. F. Meyerheim, 1890



Eklat in Göttingen

Im Anfang war der Skandal. Dr. Karl Beck, Purkersdorf, stellt fest: "Das Wörterbuch . . . wäre ohne die "Göttinger Entlassung" so nicht entstanden." Zur Erklärung: Es geht um den "Hannoverschen Verfassungskonflikt des Jahres 1837". Damals wurden "sieben Professoren der Georg-August-Universität zu Göttingen, darunter die Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm, entlassen". Sie hatten dagegen protestiert, dass König Ernst August I. kurzerhand das Staatsgrundgesetz von 1833 abschaffte. (Literaturtipp für rechtshistorisch Interessierte von Dr. Beck: Werner Ogris, Tatort Rechtsgeschichte, Wien 1994; Fall Acht.)

Anton Teufl, Pielach: "Während dieser "Arbeitslosigkeit" wurde ihnen von Leipziger Verlegern, Karl Reimer und Salomon Hirzel, der Vorschlag gemacht, das "Deutsche Wörterbuch" zu schaffen". Konzipiert wurde das Werk "als Sammlung sämtlicher Wörter aus der Zeit von Luther bis Goethe."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-05 10:43:51
Letzte Änderung am 2018-07-20 13:53:04


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