• vom 03.08.2018, 12:00 Uhr

Gemeine

Update: 03.08.2018, 13:02 Uhr

Maria Theresia privat

Kaiserlicher Kübel und ein Fleck




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  • Maria Theresia trank täglich zwei Tassen Kaffee.
  • Sie schlemmte für ihr Leben gern, hielt sich aber streng an Fasttage.
  • Zu Frage 1 der Nro. 384.



Üppigem Essen sprach Maria Theresia (1717-1780), hier als junge Herrscherin, sehr zu. In späteren Jahren machte ihr Übergewicht zu schaffen. 

Üppigem Essen sprach Maria Theresia (1717-1780), hier als junge Herrscherin, sehr zu. In späteren Jahren machte ihr Übergewicht zu schaffen. © Gemälde (Ausschn.): Jean-Étienne Liotard (1747) Üppigem Essen sprach Maria Theresia (1717-1780), hier als junge Herrscherin, sehr zu. In späteren Jahren machte ihr Übergewicht zu schaffen. © Gemälde (Ausschn.): Jean-Étienne Liotard (1747)

So ein kaiserlicher Leibarzt hat es wahrlich schwer! Er war "nicht nur für die Heilung damals noch schwer behandelbarer Krankheiten wie etwa der Pocken bei der großen Kinderschar Maria Theresias verantwortlich", so Mag. Susanne El Mahdi, Wien 9, sondern stellte auch "einen Diätplan für die gesamte kaiserliche Familie auf". Und deren Oberhaupt ließ sich von der "barocken Üppigkeit" der ihr aufgetischten Speisen allzu gerne hinreißen.

Bei dem Mediziner handelt es sich natürlich um Ger(h)ard van Swieten (1700-1772), der auch nicht davor zurückscheute, seine wichtigste Patientin mit drastischen Maßnahmen zu belehren. Bei Dr. Hans Bankl las Maria Thiel, Breitenfurt, nach und zitiert aus seinem Buch "Die kranken Habsburger" (Kremayr & Scheriau, Wien 1998): "Auf ihren Leibarzt hielt Maria Theresia zwar große Stücke, seine Ratschläge befolgte sie aber nicht immer. Sie war eine Freundin reichlicher . . . Mahlzeiten und nahm ihre Speisen sehr hastig zu sich. Van Swietens Warnungen, wie gesundheitsschädlich diese Art des Essens sei, wurden nicht beachtet. Bis es dem Medikus bei einer festlichen Tafel zu bunt wurde. Er ließ von einem Lakaien einen Kübel bringen, warf von allen Speisen eine Portion hinein, goß Bier, Wein, Likör und Kaffee darüber und präsentierte das wenig appetitliche Gemisch der genüßlich tafelnden Kaiserin: "So sieht es jetzt dann im Magen Eurer Majestät aus - gesegnete Mahlzeit!"."

Ein genauer Stundenplan sah für Maria Theresias Kaffeegenuss täglich zwei Zeitfenster vor; hier eine unbekannte junge Kaffeetrinkerin (1774). 

Ein genauer Stundenplan sah für Maria Theresias Kaffeegenuss täglich zwei Zeitfenster vor; hier eine unbekannte junge Kaffeetrinkerin (1774). © Bild: Rijksmuseum Amsterdam Ein genauer Stundenplan sah für Maria Theresias Kaffeegenuss täglich zwei Zeitfenster vor; hier eine unbekannte junge Kaffeetrinkerin (1774). © Bild: Rijksmuseum Amsterdam

Mit dem englischen Fachausdruck "Binge Eating" für "krankhafte Fressanfälle" bezeichnet Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, Maria Theresias Essverhalten. Ob van Swietens Maßnahme half? "Zumindest bis zum nächsten Gelage", glaubt der Tüftler.

Besonders üppig ging es "bei offiziellen Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Bällen" zu, so Herbert Beer, Wolfpassing; als "gebürtiger Lothringer" brachte Maria Theresias Gemahl Franz Stephan "die französische Küche an den Hof". Diese "vermischte sich mit der böhmischen und ungarischen."

Die junge Maria Theresia galt wegen "ihrer vorbildlichen Körperhaltung, ihrer schönen blauen Augen, ihres Teints" und anderer Vorzüge (wie "Fingerpölsterchen ohne Schrunden") als außergewöhnlich schön, so Zeitreisenmedicus Dr. Manfred Kremser, Wien 18; doch mit zunehmendem Alter schraubte sie "ihren Body-Mass-Index immer höher hinauf. Sie war zuletzt viel zu klein für ihr Gewicht."

Leibarzt Gerard van Swieten pochte auf Mäßigung.

Leibarzt Gerard van Swieten pochte auf Mäßigung.© Bild: Archiv Leibarzt Gerard van Swieten pochte auf Mäßigung.© Bild: Archiv




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 16:53:26
Letzte Änderung am 2018-08-03 13:02:04


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