• vom 04.08.2018, 11:00 Uhr

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Update: 20.08.2018, 21:34 Uhr

Inspirationsquellen für "Moby Dick"

Die Jagd nach Ruhm und Walrat




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  • "Essex"-Untergang 1820 war Vorlage für Herman Melville.
  • Autor mit eigener Walfang-Erfahrung.

Die Friedfertigkeit der Meeressäuger spiegelt sich in diesem Bild wider. R. ob. Melville mit 28, drei Jahre bevor "Moby Dick" erschien. 

Die Friedfertigkeit der Meeressäuger spiegelt sich in diesem Bild wider. R. ob. Melville mit 28, drei Jahre bevor "Moby Dick" erschien. © Bilder: Grönlandwal in "Nature Neighbors . . ." 1914/Archiv. Repro: Ph. Aufner Die Friedfertigkeit der Meeressäuger spiegelt sich in diesem Bild wider. R. ob. Melville mit 28, drei Jahre bevor "Moby Dick" erschien. © Bilder: Grönlandwal in "Nature Neighbors . . ." 1914/Archiv. Repro: Ph. Aufner

Ein 21-Jähriger heuert 1841 auf einem Walfänger an und hört dort zum ersten Mal von einem legendären Schiffsunglück, das ihn schriftstellerisch inspirieren sollte - und das in der Kartennuss der Nro. 382 rund um das Thema Wale gesucht war.

Dr. Karl Beck, Purkersdorf: Das US-Walfangschiff ""Essex" . . . wurde am 20. November 1820 durch Rammstöße eines Pottwals versenkt", der ungefähr die gleiche Länge wie das Gefährt hatte. Von den 21 Männern an Bord überlebten nur acht. Davon "fünf Männer in zwei Booten . . . nach drei Monaten Irrfahrt" auf dem Pazifik. Drei weitere überlebten auf einer unbewohnten Insel, die "zum Pitcairn Archipel" gehört. Dieses befindet sich fast exakt auf halber Strecke von Chile nach Neuseeland.


Grausame Ironie des Schicksals: Letztendlich mussten die Schiffbrüchigen ihre verstorbenen Kameraden verspeisen, um zu überleben. Zuvor hatte man sich gegen ein Ansteuern des 2000km entfernten Tahiti entschieden - aus Angst vor Kannibalen.

So erzählte es Kapitän George Pollard nach seiner Rettung. Die Schilderung der Horrorfahrt wurde Seefahrerlegende. Pollard war es auch, der dem Wal ein Rachemotiv beim Rammen des Schiffes unterstellte.

Der eingangs erwähnte Matrose war der New Yorker Herman Melville (1819- 1891), der Berichte über diese Ereignisse in seinem 1851 gedruckten Roman "Moby-Dick" (ursprünglich oft mit Bindestrich geschrieben) verwertete.

Das Schicksal der "Essex" war nicht die einzige Inspirationsquelle. Herbert Beer, Wolfpassing, nennt eine weitere: "1839 erschien in der New Yorker Zeitschrift "The Knickerbocker" der Artikel "Mocha Dick: or The White Whale of the Pacific" von Jeremiah N. Reynolds. Darin wird die Jagd auf einen weißen Wal geschildert, der . . . für seine Wildheit . .. bekannt war". Mocha ist eine Insel vor Chile, bei der der Wal gesichtet worden sei.

Seemannsgarn
Für Details zum Bordalltag griff Melville nicht nur auf eigene Erfahrungen zurück. Tüftler Beer recherchierte, dass sich der Autor eines der wenigen Exemplare des offiziellen Berichtes "von der "United States Exploring Expedition" in die Südsee von 1838 bis 1842" besorgt hatte. "Es wird auch vermutet, dass der sehr umstrittene Expeditionsleiter Charles Wilkes als Vorbild für die . . . Figur des Kapitän Ahab diente." Literaturwissenschaftliche und charakterpsychologische Überlegungen zu "Moby Dick" füllen mittlerweile ganze Bände. Diskutiert wird, wie naturgetreu die Schilderungen des Walfangs und des Verhaltens der Meeressäuger seien. Dabei muss bedacht werden, dass viele Erzählungen womöglich von Anfang an mit Übertreibungen gespickt waren. Die ewige Frage bleibt, ob die Geschichte der Jagd auf den weißen Wal eine Warnung ist oder doch auch teils autobiographische Züge trägt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 16:56:19
Letzte Änderung am 2018-08-20 21:34:32


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