• vom 04.08.2018, 15:00 Uhr

Gemeine


Kraut und Rüben

Großer Sohn, beschäftigte Töchter




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    Aus dem Archiv von Tüftler Dr. Litschauer: Arbeiterkalender 1950. 

    Aus dem Archiv von Tüftler Dr. Litschauer: Arbeiterkalender 1950. © Repro: Irma Tulek Aus dem Archiv von Tüftler Dr. Litschauer: Arbeiterkalender 1950. © Repro: Irma Tulek

    Liesing heißt bekanntlich der 23. Wiener Bezirk. Dass auch ein kleiner Ort im schönen Kärntner Lesachtal diesen Namen trägt, ist in Ostösterreich nicht jedem präsent. Dorthin, nach Liesing im Lesachtal, muss das Zeitreisenteam zerknirscht zu einem Bußgang aufbrechen. Mag. Gerhard Keuschnig, Lienz, wies auf einen Fehler in der Juli-Ausgabe hin: Der in jenem Kärntner Dorf geborene Mediävist Matthias (ab 1885 Ritter von) Lexer (1830- 1892), der als Mitarbeiter des "Deutschen Wörterbuchs" Thema war, wurde in einer redaktionellen Anmerkung fälschlich als Oberösterreicher ausgegeben. Pardon - und danke für die Korrektur!

    "Mir selbst", so Zeitreisender Mag. Keuschnig, "ist der Name Lexer seit meiner Gymnasialzeit in den 1960er-Jahren in Lienz/Osttirol als . . . typischer Name aus dem benachbarten Lesachtal bekannt." Dort ist man zu Recht stolz auf den Bauernsohn, der es zum Universitätsprofessor brachte. Er arbeitete nicht nur maßgeblich am "Deutschen Wörterbuch" mit, sondern schuf auch das "Mittelhochdeutsche Handwörterbuch", das bis heute zur germanistischen Grundausstattung gehört.


    Mit dem "Kärntischen Wörterbuch" setzte er seiner Heimat ein Denkmal. Im Vorwort verneigt er sich besonders vor seiner Mutter, "die einst den armen Knaben in drei mühevollen Tagreisen auf die Schule nach Klagenfurt gebracht und für denselben mit grosser Geduld und vielen Thränen bei wohlthätigen Bürgern freien Mittagstisch erbeten hatte".

    Nach dem Studium in Graz wirkte Lexer in Krakau als Gymnasiallehrer; dann durfte er sich mit einem Stipendium der kaiserlichen Regierung an der Universität Berlin weiterbilden. Da er in Habsburgs Landen keine Anstellung erhielt, folgte er einem Ruf nach Bayern. 1860 promovierte er in Erlangen, es folgten Professuren in Freiburg, Nürnberg, München. - Heimat, bist du großer Söhne, wenn sie es nur woanders werden.

    *****

    Zu einer Zeitreise in die Mitte des 20. Jh.s nimmt Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, die Gemeine mit. Dem Aufruf des Geschichtsfeuilletons, Einblick in alte Kalender zu gewähren, folgte der Tüftler mit dem "Arbeiterkalender 1950". Blättern wir ein wenig in dem 272 Seiten starken Büchlein: In etlichen Aufsätzen wird u.a. der Fortschritte gedacht, die die junge Republik seit 1945 gemacht hat, wirtschaftliche Entwicklung, bessere Lebensmittelversorgung etc. Kalorienzählen war auch damals gang und gäbe, allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Je mehr, desto besser! Daher wünschte man in der Rezepte-Rubrik des Monats Jänner: "Ein frohes, fettes und süßes 1950!"

    In einem Beitrag macht sich SP-Nationalrätin Marianne Pollak (1891-1963) Gedanken über die Emanzipation der Frau. Wichtig wäre, dass diese den Kreis des Häuslichen verlässt und in der Politik "zweierlei Bezahlung, zweierlei Würdigung" bekämpft. Nach drei Jahrzehnten Frauenwahlrecht wundert sich Pollak, warum "dies nicht schon in einem höheren Grad erreicht ist." Nun ja, ein Blick auf die erwähnte Kochrubrik lässt manches ahnen. Titel: "Für unsere Frauen"!

    Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-08-01 17:02:19
    Letzte Änderung am 2018-08-01 17:15:48


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