• vom 06.08.2018, 14:00 Uhr

Gemeine


Bauernbefreiung 1848

Wenn Roboter für andere schuften




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  • Hans Kudlich kämpfte gegen die Erbuntertänigkeit.
  • Seit 169 Jahren sind Bauern ihre eigenen Herren.

Bis zum Umfallen mussten Bauern einst für Grundherren arbeiten; hier: Ausschnitt aus dem Gemälde "Die Kornernte" (1565) von Pieter Bruegel d. Ä. Links oben: Hans Kudlich (1823-1917) auf Zündholzschachtel-Etikett. Bilder: Archiv/ J. Andersch (danke!). Repro: Ph. Aufner

Bis zum Umfallen mussten Bauern einst für Grundherren arbeiten; hier: Ausschnitt aus dem Gemälde "Die Kornernte" (1565) von Pieter Bruegel d. Ä. Links oben: Hans Kudlich (1823-1917) auf Zündholzschachtel-Etikett. Bilder: Archiv/ J. Andersch (danke!). Repro: Ph. Aufner© Bilder: Archiv/ J. Andersch (danke!). Repro: Ph. Aufner Bis zum Umfallen mussten Bauern einst für Grundherren arbeiten; hier: Ausschnitt aus dem Gemälde "Die Kornernte" (1565) von Pieter Bruegel d. Ä. Links oben: Hans Kudlich (1823-1917) auf Zündholzschachtel-Etikett. Bilder: Archiv/ J. Andersch (danke!). Repro: Ph. Aufner© Bilder: Archiv/ J. Andersch (danke!). Repro: Ph. Aufner

Mit einem Schwall Blut begann die politische Karriere Hans Kudlichs: Ein Bajonett, erinnerte sich der spätere Bauernbefreier an den 13. März 1848, war "so scharf - es hinterließ eine sternförmige Wunde, war also ein 4schneidiges - meine Aufregung so groß, daß ich . . . keinen Schmerz empfand, und erst, als ein warmer Blutstrahl mir in’s Gesicht schoß . . ., bemerkte ich, daß meine Hand die Quelle . . . sei." Sie war "nahe am Gelenk durchbohrt und die Pulsader . . . durchschnitten". So schilderte es der "1848er", um den sich die kleine Nuss Nro. 381 drehte, in seinen mehr als zwei Jahrzehnten später verfassten Memoiren.

OStR Mag. Tania Koller, Wien 15, zitiert weiter daraus: Kudlich erwähnt auch "das Geschrei . . . der wildaufgehetzten Pionniere, die in unsern Haufen hineinschossen und stachen, als gelte es, wilde Thiere zu ermorden." An diesem denkwürdigen Tag, so Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, nahm der junge Mann an "einer vor dem niederösterreichischen Landhaus in Wien abgehaltenen Demonstration" von Studenten und Bürgern teil. Militär wurde eingesetzt, es gab erste Tote.


Zündende Würdigung
Einen ganz besonderen Beitrag zu Kudlich liefert Josef Andersch, Wien 21: "In meiner Sammlung fand ich ein Zündholzschachtel-Etikett aus den Jahren um 1910 mit dem Porträt von Hans Kudlich" von der Fabrik "J. & J. Kohn in Troppau/Opava". In der Nähe dieser heute tschechischen Stadt, nämlich in "Lobenstein . . . in Österreichisch-Schlesien", wurde Kudlich geboren. Und zwar, so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, "am 25. Oktober 1823" als eines von "acht Kindern (war bei meinem Vater ebenso, Jahrgang 1915!)".

Kudlichs Eltern waren Robotbauern. Was es bedeutete, in Abhängigkeit zu leben, wusste er also, auch wenn seine Familie relativ gut situiert war. Bauern mussten im Feudalsystem z.B. den "Zehent" leisten. Dazu Volkmar Mitterhuber, Baden: "Ein Zehent (auch Zehnt) war vom frühen Mittelalter bis zu den Ablösegesetzen der Bauernbefreiung des 19. Jh.s eine Abgabe des zehnten Teils vom Ertrag eines Grundstücks."

Als eine der "drückendsten Lasten" nennt Brigitte Schlesinger, Wien 12, die Robot, also die von den "Erbuntertanen . . . geschuldeten Frondienste". Wenn die Herrschaft es verlangte, musste der Bauer zur Stelle sein. Dabei kam es oft genug zur "Vernachlässigung seiner eigenen Wirtschaft".

Prof. Helmut Bouzek, Wien 13: "Der in Bayern, Schlesien und Österreich gebräuchliche Begriff Robot ist von dem slawischen Wort robota für Arbeit abgeleitet." Daher kommt auch unser Begriff Roboter für eine selbständig arbeitende Maschine; einst bezeichnete man damit eine Person, die Robotdienst erbrachte. Diesen, ergänzt Elisabeth Somogyi, Wien 11, mussten die Bäuerinnen und Bauern mit "eigenen Geräten, Werkzeugen (Handfron) bzw. . . . Tieren, Geschirr, Wägen (Spannfron) leisten." Kostenlos, versteht sich.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 17:02:27
Letzte Änderung am 2018-08-01 17:12:13


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