• vom 06.08.2018, 14:00 Uhr

Gemeine


Bauernbefreiung 1848

Wenn Roboter für andere schuften




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Herbert Beer, Wolfpassing: Dabei gab es oft "keine Beschränkung . . . der Arbeit, die von ihnen verlangt werden konnte." Sie waren "der Gnade ihrer Lehnsherren unterworfen".

Langer Robot-Tag
Eine gewisse Erleichterung kam mit Maria Theresias "Robotpatent" 1775, das Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, als Beispiel von mehreren derartigen Dekreten erwähnt: Es regelte die zu erbringende Leistung penibel, u.a. die Arbeitszeit: "Der "kurze Robot-Tag" war jahreszeitlich bedingt nur ein Halbtag, der "lange Robot-Tag" hatte zehn Stunden" (ohne Pausen gerechnet); in der "Schnittzeit", also während der Ernte, konnte man ihn um bis zu zwei Stunden verlängern, wenn, so steht es im Patent, "die Noth es erheischet". Damit ergaben sich bis zu zwölf Stunden reine Arbeitszeit. "Kommt uns Nachgeborenen bekannt vor", so Dr. Zemann.

Zur Frage der Gerichtsbarkeit erläutert Richter i.R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7: "Der Grundherr, egal ob es ein weltlicher oder ein geistlicher . . . war, hatte auch die niedere Dorfgerichtsbarkeit über. Dazu setzte er "Pfleger" ein, also Verwalter." Diese verhandelten "kleinere Delikte, wie z.B. Dorfhändel, Grenzfragen, Marktfrevel, Fahndung nach falschen Gewichten" etc. "Schwere Vergehen" wurden "vor dem Landgericht" abgehandelt.

Dr. Alfred Komaz, Wien 19, merkt an: "Man kann sich . . . vorstellen, dass die Robotpflicht der Bauern oft zu Streitigkeiten mit ihrem Grundherrn führte, sodass es aus dessen Sicht sicher äußerst praktisch war, dass er zugleich auch Gerichtsherr über seine Untertanen war." Die "ihm zu Gebot stehende Prügelstrafe war wohl geeignet, aufsässige Untertanen zur Räson zu bringen."

All dem sollte schließlich Hans Kudlich ein Ende setzen. Im März 1848 konnte er sich retten und ging schließlich in seine Heimat, um seine Wunde zu kurieren. Dort kandidierte er erfolgreich für den Reichstag und kehrte als Abgeordneter nach Wien zurück. Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March: "Als jüngstes Mitglied . . . stellte er am 24. Juli 1848 den . . . Antrag betreffend die Aufhebung des bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses". Dieser wurde in "abgewandelter Form" beschlossen und trat "am 7. September 1848 als Grundentlastungspatent in Kraft".

Während sich, so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, "in der Grundsatzfrage, der Aufhebung des Untertanenverhältnisses, .. . alle Gruppierungen . . . einig" waren, kam es "über die Frage der Entschädigung . . . zur Konfrontation." Man beschloss, dass den Grundherren für einige ihrer verlorenen Rechte Abgeltung zustünde. Der Gesamtwert dieser Rechte, u.a. der Grundbesitz, aber auch gewisse Arbeitsleistungen, wurde von Kommissionen festgelegt. Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, notieren, dass die Bauern für "ein Drittel des Schätzwertes" aufzukommen hatten. Wer sich das nicht leisten konnte, musste seinen Hof aufgeben.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 17:02:27
Letzte Änderung am 2018-08-01 17:12:13


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