• vom 08.09.2018, 10:20 Uhr

Gemeine


Freihandel

Handelsmann als Anti-Zoll-Apostel




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  • Richard Cobden setzte sich für freien Warenverkehr ein.
  • Er beeinflusste weite Teile Europas.
  • Zur Zusatzorchidee der Nro. 384.

Richard Cobden ca. 1860. 

Richard Cobden ca. 1860. © Bild: Ullstein Weltgesch., 1909/Repro & Schmuckfarbe: Ph. Aufner Richard Cobden ca. 1860. © Bild: Ullstein Weltgesch., 1909/Repro & Schmuckfarbe: Ph. Aufner

Internationale handelspolitische Entscheidungen sind mitunter schon schwer nachzuvollziehen, wenn sie in der Gegenwart passieren. Noch schwieriger wird es, wenn man sich in ferne Jahrhunderte und ungewohnte politische Konstellationen hineindenken muss. Trotzdem haben sich Tüftlerinnen und Tüftler an die Zusatzorchidee der Nro. 384 gewagt: Gefragt war ein Brite, der im 19. Jh. zur Verbreitung der Freihandelsidee beigetragen hat. Dr. Karl Beck, Purkersdorf, nennt Eckdaten: "Richard Cobden, 3. Juni 1804 bis 2. April 1865, britischer Wirtschaftspolitiker".

Um seine Bemühungen um die Aufhebung von Einfuhrzöllen besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in Cobdens Kindheit, den Herbert Beer, Wolfpassing, liefert: Er "wurde in arme Verhältnisse geboren". Die Bauernfamilie schickte Richard, viertes von elf Kindern, auf ein Internat bzw. später zu einem Onkel.


Sein Vater konnte die Familie nach Missernten nicht mehr ernähren. Dazu kamen die strikten Zollgesetze ("Corn Laws"), die den Getreideimport untersagten, womit in Krisenzeiten die Brotpreise anstiegen. Besonders drastisch wirkte sich dieses Zusammenspiel 1815 aus: Der gewaltige Ausbruch des Vulkans Tambora in Südostasien hatte in weiten Teilen Europas die Landwirtschaft gelähmt.

Als diese Karikatur 1844 erschien, war der Widerstand gegen Freihandelsbestrebungen (s. Text) quasi zwecklos. Er wurde mit einem Frosch verglichen, der - wie in Aesops Fabel - am Versuch, sich so groß zu machen wie das "Anti-Zoll"-Rind, einfach zerplatzt. 

Als diese Karikatur 1844 erschien, war der Widerstand gegen Freihandelsbestrebungen (s. Text) quasi zwecklos. Er wurde mit einem Frosch verglichen, der - wie in Aesops Fabel - am Versuch, sich so groß zu machen wie das "Anti-Zoll"-Rind, einfach zerplatzt. © Bild: Punch, britisches Satiremagazin, Nr. 6. "WZ"-Kolorierung: Philipp Aufner Als diese Karikatur 1844 erschien, war der Widerstand gegen Freihandelsbestrebungen (s. Text) quasi zwecklos. Er wurde mit einem Frosch verglichen, der - wie in Aesops Fabel - am Versuch, sich so groß zu machen wie das "Anti-Zoll"-Rind, einfach zerplatzt. © Bild: Punch, britisches Satiremagazin, Nr. 6. "WZ"-Kolorierung: Philipp Aufner

In den Folgejahren avancierte Richard Cobden vom Ladenmitarbeiter in London zum Großhändler für Kattun (Baumwollgewebe) in Manchester und ab 1831 zum Fabriksbesitzer in Lancashire. In diesen Geschäftsfeldern bekam er die restriktiven Auswirkungen von Zöllen direkt zu spüren.

Er wollte andere Handels- und Zollpraktiken kennenlernen. Dazu Brigitte Schlesinger, Wien 12: Cobden besuchte "zwischen 1833 und 1839 Frankreich, Deutschland, die Schweiz, die Vereinigten Staaten und die Levante". Mit seinen Erfahrungen erstellte er Streitschriften, "in denen er eine neue Herangehensweise an die Außenpolitik verlangte". Im Vordergrund sollte nicht mehr das Mächtegleichgewicht stehen, sondern "die internationale wirtschaftliche Expansion durch die Freizügigkeit von Menschen und Materialien".

Kampagnen-Erfolg
Nach Cobdens Rückkehr, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, boten ihm die schwierigen "Verhältnisse der Fabrikarbeiter . . . Gelegenheit, öffentlich gegen die drückende Herrschaft des Monopolsystems" sowie die "Corn Laws" aufzutreten.

Die von ihm mitbegründete "Anti-Corn-Law-League", erläutert Mag. Robert Lamberger, Wien 4, "war eine Vereinigung . . ., welche die Abschaffung der Getreidezölle anstrebte und auch herbeigeführt hat." Anfang der 1840er wurden zunächst nur geringe Änderungen erzielt.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 10:30:02
Letzte Änderung am 2018-09-06 10:52:18


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