• vom 08.09.2018, 10:20 Uhr

Gemeine


Freihandel

Handelsmann als Anti-Zoll-Apostel




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





Gerhard Toifl, Wien 17: "Cobden sorgte mit Reden in ganz England dafür, dass die Idee des Freihandels populär wurde". Die "League" verteilte "über neun Millionen Broschüren". Dem Parlament wurden beinahe dreitausend Petitionen "mit über 1,5 Millionen Unterschriften" vorgelegt.

Für die Kampagnen sammelte Cobden rund 100.000 Pfund Sterling. (Diese Summe findet sich auch in der Karikatur links wieder.) 1846 wurde der Druck zu stark, wie zuvor zitierter Tüftler Mag. Lamberger ausführt: Premierminister Robert Peel brachte erfolgreich einen Antrag ein, "wonach die Einfuhr aller Lebensmittel freigegeben . . . werden sollte."

Den Dominoeffekt, den dieser Erfolg gegen Einfuhrzölle auslöste, stellt Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, dar: "Eine Handelsbeschränkung nach der anderen" fiel. Teile der Arbeiterschaft, die vor allem von den niedrigeren Brot- und Lebensmittelpreisen profitierte, feierten Cobden. Er galt als "Champion of the Poor". Nicht alle dieser Armen sahen und sehen ihn als Helden. Viele können mit Qualitätsprodukten nicht gegen frei eingeführte Billigware konkurrieren.

Ehefrau als Mitwisserin
Nicht immer ist ein direkter Zusammenhang zwischen Zollbestimmungen und geschichtlichen Ereignissen nachvollziehbar. Anders bei dem in der Zusatzorchidee gesuchten Handelsvertrag zwischen England und Frankreich. Zu diesem recherchierte Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Das Cobden-Chevalier-Abkommen wurde "zwischen dem . . . Unternehmer und Manchesterliberalen Richard Cobden und dem französischen Professor der Nationalökonomie und Staatsrat Michel Chevalier" (1806-1879) ab Oktober 1859 ausgehandelt.

Dr. Manfred Kremser, Wien 18, mit Details: Sie kamen "als Privatmänner - ohne offizielle Ämter", aber im Auftrag ihres jeweiligen Finanzministers zusammen. "Das Treffen war so streng geheim, dass Madame Chevalier persönlich den Vertragsentwurf . . . niederschrieb." Niemand sollte den Text lesen, bevor nicht die jeweiligen Regierungen zugestimmt hatten. Die Unterzeichnung erfolgte am 23. Jänner 1860.

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, zum Inhalt: Frankreich reduzierte "seine Zölle auf englische Importe . . . deutlich. Großbritannien schaffte Zölle im Handel mit Frankreich ganz ab." Ausnahmen gab es für Wein und Spirituosen.

OStR Mag. Tania Koller, Wien 15, zu den weiteren Auswirkungen: "Der Handel zwischen England und Frankreich verdoppelte sich." In weiten Teilen Europas begannen in den Folgejahren ebenfalls Zollschranken zu fallen: "Frankreich legte den Cobden-Chevalier-Vertrag zugrunde, als es ähnliche Abkommen" mit Belgien, Italien, dem Deutschen Zollverein, der Schweiz, Schweden-Norwegen, der Hanse, den Niederlanden, Spanien, Portugal und Österreich schloss.

zurück zu Seite 1 weiterlesen auf Seite 3 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 10:30:02
Letzte Änderung am 2018-09-06 10:52:18


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Rotkäppchen und der böse Fritz
  2. Land des Lächelns, Land des Leids
  3. Auf Biegen und Brechen
  4. Kleine Zeitreisen-Nuss Nro. 387
  5. Versunkene Stadt der Noriker
Meistkommentiert
  1. Gute Zeiten, schlechte Zeiten . . .
  2. Zehn Küchen und ein Riesenkeller
  3. K.u.k. Oasen - eine Fata Morgana
  4. Predigt des rechnenden Denkers

Werbung





Werbung