• vom 07.09.2018, 12:00 Uhr

Gemeine


Merkantilismus

Wie man Merkur die Flügel stutzte




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  • Wirtschaftspolitik unter Friedrich II. und Maria Theresia.
  • Kaffeeverbot und Raupenzucht als Maßnahmen.
  • Zur Orchidee der Nro. 384.

Einen Bestseller des Merkantilismus schrieb Philipp Wilhelm Hörnigk mit "Oesterreich über Alles . . ." (l. Frontispiz mit Handelsgott Merkur und Titelblatt); daneben Physiokrat François Quesnay und Querdenker Karl von Zinzendorf (rechts). Bilder: Archiv; Zusammenstellung: Ph. Aufner.

Einen Bestseller des Merkantilismus schrieb Philipp Wilhelm Hörnigk mit "Oesterreich über Alles . . ." (l. Frontispiz mit Handelsgott Merkur und Titelblatt); daneben Physiokrat François Quesnay und Querdenker Karl von Zinzendorf (rechts). Bilder: Archiv; Zusammenstellung: Ph. Aufner.

Schnüffeln im Auftrag des Königs: Die Kaffeeriecher Friedrichs II. störten manches Kränzchen (Bild: Deutsche Kultur-Bilder, 1934).

Schnüffeln im Auftrag des Königs: Die Kaffeeriecher Friedrichs II. störten manches Kränzchen (Bild: Deutsche Kultur-Bilder, 1934). Schnüffeln im Auftrag des Königs: Die Kaffeeriecher Friedrichs II. störten manches Kränzchen (Bild: Deutsche Kultur-Bilder, 1934).

In Wirtschaftsberichterstattung stößt man derzeit wieder öfter auf den Begriff Merkantilismus, der laut manchen Kommentatoren eine Renaissance erlebe. Bevor man jedoch Parallelen zum Gestern zieht, muss man sich genau damit befassen - was der Tüftlerkreis mit seinen Recherchen zur Orchidee der Nro. 384 gemacht hat. Merkur, der römische Handelsgott und Namensgeber des von lat. mercatus (= Handel) abgeleiteten Begriffs, schaute den Zeitreisenden dabei neugierig über die Schulter.

Grundlegendes schickt Dr. Alfred Komaz, Wien 19, voraus: "Merkantilismus war die Gesamtheit der wirtschaftspolitischen Bestrebungen der absolutistischen Staaten im 17./18. Jahrhundert zur Mehrung der Macht und des Wohlstandes des jeweils eigenen Landes bzw. Landesherrn", u.a. durch "Förderung der inländischen gewerblichen Produktion und ihres Exports zu möglichst hohen Preisen" sowie "Einschränkung des Imports mit Ausnahme von (möglichst billigen) Rohstoffen." Die "Hofhaltung und die Bezahlung der . . . Armeen und der Beamten" kosteten schließlich Geld.

Das Luxusprodukt Seide musste teuer importiert werden. Maria Theresia wollte den Stoff daher in ihrem Reich erzeugen. Links: Seidenraupenzucht im 16. Jh.; rechts: Seidenfärberei um 1800. (Bilder: Stich nach J. Stradanus, um 1600/Archiv.)

Das Luxusprodukt Seide musste teuer importiert werden. Maria Theresia wollte den Stoff daher in ihrem Reich erzeugen. Links: Seidenraupenzucht im 16. Jh.; rechts: Seidenfärberei um 1800. (Bilder: Stich nach J. Stradanus, um 1600/Archiv.) Das Luxusprodukt Seide musste teuer importiert werden. Maria Theresia wollte den Stoff daher in ihrem Reich erzeugen. Links: Seidenraupenzucht im 16. Jh.; rechts: Seidenfärberei um 1800. (Bilder: Stich nach J. Stradanus, um 1600/Archiv.)

Staaten agierten also wie Unternehmen, die Gewinn erwirtschaften wollten.


Österreich über alles
"Die Verwirklichung der merkantilistischen Politik war", so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, "nur durch breiten staatlichen Interventionismus machbar, auch noch in den Jahrzehnten des aufgeklärten Absolutismus (in Preußen und Österreich ab 1740) . . . Bis Ende der 1760er-Jahre herrschte ein rigoroses Schutzzollsystem."

Tüftler Dr. Litschauer nennt "drei Exponenten der merkantilistischen Lehre", die in den Habsburgerlanden tätig waren - wobei sie alle nicht in ihnen geboren wurden: "Johann Joachim Becher (1635-1682), Wilhelm von Schröder (1640- 1688) und Philipp Wilhelm von Hörnigk (1640-1714), dessen (Lehr-)Buch "Oesterreich über Alles, wann es nur will" ein "Bestseller" wurde, der zwischen 1684 und 1784 sechzehn Auflagen erreichte!"

Mag. Robert Lamberger, Wien 4: "Maria Theresia war von den . .. Theorien des Merkantilismus angetan", verhießen sie doch "Macht und Wohlstand". Voraussetzung war "eine möglichst große Bevölkerung . . ., die mehr und länger arbeiten, mehr produzieren und mehr Steuern bezahlen sollte."

Auch ein "umfassendes Beschäftigungsprogramm im Bereich der Landwirtschaft, des Handwerks und der Fabrikation" wurde umgesetzt, stellen Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, fest. "Insbesondere das Manufakturwesen, so beispielsweise die Wiener Porzellanmanufaktur, wurde als wohlstandsbildende Initiative . . . staatlich gefördert".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 10:30:11
Letzte Änderung am 2018-09-06 10:36:55


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