• vom 07.09.2018, 12:00 Uhr

Gemeine


Merkantilismus

Wie man Merkur die Flügel stutzte




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Maria Thiel, Breitenfurt: "In Österreich war ab 1750 die Ausfuhr von Rohstoffen wie Pottasche (Kaliumkarbonat, wird u.a. zur Herstellung von Glas verwendet, Anm.), Rohhäute, Kupfer und Blei verboten. 1755 gab es Einfuhrverbote für Zucker", da "ab 1750 eine erste Zuckerraffinerie in Fiume" (nun Rijeka) existierte. Nachdem "1751 in Wien eine Samtproduktion" etabliert worden war, wurde die Einfuhr von Samt 1756 unter Strafe gestellt. Die "Gründung einer Nadelfabrik in Lichtenwörth" 1751 zog ein "Importverbot von Nadeln" nach sich.

OStR Mag. Tania Koller, Wien 15: "Zur Absatzsteigerung im Inland wurde im Gegenzug (1785, Anm.) der Hausierhandel erlaubt." Die von Tür zu Tür ziehenden Händler stießen "bei den Kaufleuten auf wenig Gegenliebe."

"Eine Kuriosität am Rande" erwähnt Alice Krotky, Wien 20: "Wer hat sich noch nicht in Heurigengärten über von Maulbeerbaumfrüchten verschmutzte Bänke geärgert? Die sind darauf zurückzuführen, dass Maria Theresia Seidenproduktion in Wien plante, um das teure Luxusgut nicht einführen zu müssen. Grundbedingung für die Haltung von Seidenraupen sind . . . Maulbeerbäume . . . Das mit den Seidenraupen hat nicht so funktioniert, wie man sich das gewünscht hätte. Geblieben sind die Maulbeerbäume und ihre Früchte in den Heurigengärten . . ."

Die Nase des Gesetzes
Ins Land von Maria Theresias Erzfeind Friedrich II. blickt Mag. Susanne El Mahdi, Wien 9: "Der Siebenjährige Krieg (1756- 1763) ging für Preußen zwar letztlich siegreich", mit der Bestätigung der Übernahme Schlesiens, aus, die enormen Kosten "mussten jedoch . . . kompensiert werden". Kaffee wurde mit hohen Steuern belegt, "woraufhin sein Schmuggel . . . in großem Stile begann."

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, zitiert aus Texten zur TV-Dokumentation "Preußen - Chronik eines deutschen Staates": "Endgültig lächerlich macht sich der König, als er 1781 in preußischen Häusern nach illegal gebranntem Kaffee schnüffeln lässt. Der staatliche Kaffee wird von der "Regie" gebrannt und in gestempelten Blechbüchsen für einen Taler verkauft. In (der Freien Stadt, Anm.) Hamburg jedoch kostet der Kaffee . . . vier bis fünf Groschen."

Als Kaffeeriecher, so Gerhard Toifl, Wien 17, engagierte man "400 Invalide", also "kriegsversehrte Soldaten". Eine Stelle aus einem 1892 in der "Gartenlaube" publizierten Artikel gibt Herbert Beer, Wolfpassing, wieder: "Die Kaffeekränzchen blühten, und es ist anzuerkennen, daß in jenen Tagen die . . . Damen mehr Muth brauchten, wenn sie zu ihren "Schlachten" auszogen, als dies gemeinhin heutzutage der Fall sein dürfte. Denn "das Auge" - oder in diesem Falle richtiger - "die Nase des Gesetzes wachte"! Die Diener der Öffentlichen Ordnung schnüffelten allenthalben herum . . . Sie drangen in die Häuser und in die Stuben, spionierten in Tassen und Töpfen und manchmal mag ein biederes Kränzchen ein Ende mit Schrecken genommen haben."

War der Preußenkönig seinen Untertanen ein Vorbild beim Verzicht auf das Bohnengetränk? Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, verneint und führt aus: "Kaffee war das Lieblingsgetränk des Monarchen. Er konsumierte mehrere Tassen . . . täglich auf unterschiedliche Art. Auch mit Champagner zubereitet oder sogar mit Senf gewürzt." Man hatte auch "eine spezielle Kaffeeküche eingerichtet und auf Reisen und im Felde wurde ein Coffetier engagiert."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 10:30:11
Letzte Änderung am 2018-09-06 10:36:55


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