• vom 09.09.2018, 10:23 Uhr

Gemeine


Das Reich der Mitte im 17. Jh.

Land des Lächelns, Land des Leids




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  • 1644 kam es in China zu einem Dynastiewechsel.
  • Ein Philosoph übte scharfe Kritik am Herrscherhaus.

Huang Zongxi (1610-1695, r. o.) war Anhänger von Konfuzius (im Bild links mit Hut, daneben Lao-Tse in Rot sowie ein Schüler Buddhas; die drei verkörpern die Hauptlehren Alt-Chinas). R.: Teil einer aus Europa stammenden Karte.

Huang Zongxi (1610-1695, r. o.) war Anhänger von Konfuzius (im Bild links mit Hut, daneben Lao-Tse in Rot sowie ein Schüler Buddhas; die drei verkörpern die Hauptlehren Alt-Chinas). R.: Teil einer aus Europa stammenden Karte.© Bilder: Novus Atlas Sinensis, 1655/Archiv. Repro: M. Szalapek Huang Zongxi (1610-1695, r. o.) war Anhänger von Konfuzius (im Bild links mit Hut, daneben Lao-Tse in Rot sowie ein Schüler Buddhas; die drei verkörpern die Hauptlehren Alt-Chinas). R.: Teil einer aus Europa stammenden Karte.© Bilder: Novus Atlas Sinensis, 1655/Archiv. Repro: M. Szalapek

Als "mild und friedlich", ja sogar vorbildlich, wurden im 16. und 17. Jahrhundert diverse Kaiser in China von europäischen Missionaren beschrieben. Auch den Südtiroler Martino Martini (1614-1661), der Angehöriger der österreichischen Jesuiten war, fesselte das ferne "Land des Lächelns". (Mit dieser Bezeichnung kann auch Japan gemeint sein; spätestens seit der so betitelten Operette von Franz Lehar, Uraufführung 1929, deren Handlung in Wien und Peking spielt, wird hierzulande mit diesem Ausdruck eher China assoziiert.) Der studierte Mathematiker und Astronom Martini brach 1640 ins Reich der Mitte auf. Im Gepäck führte er Instrumente zur Erstellung von Karten (ein Ausschnitt aus seinem "Novus Atlas Sinensis" im Bild r.) und natürlich eine Bibel mit. Denn das Christentum war in China so gut wie nicht vertreten. Man hielt sich an die Lehren nach Konfuzius, Lao-Tse (Taoismus) und Buddha.

Gen Osten richteten jene Spezialtüftler den Blick, die die Nuss der Rubrik KARTEN GELESEN aus den Mai-Zeitreisen knackten.


Von "mild und friedlich" war im Jahr 1644, das für den Zusammenbruch der Ming-Dynastie steht, wenig zu spüren. Seit 1368 war dieses Herrscherhaus an der Macht und musste nun den Mandschu-Rebellen aus dem Süden Platz machen. Bis 1911/12 regierten diese das Land in der von ihnen gegründeten Ch’ing-Dynastie (auch Tsing, Qing u.a.).

In den turbulenten Zeiten Mitte des 17. Jahrhunderts lebte ein Gelehrter, um den sich die Fragen der Kartennuss drehten. Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, recherchierte zu diesem Mann: "Huang Tsung-hsi, auch - je nach Transkription - Huang Zongxi ... wuchs in den letzten Jahrzehnten der Ming-Dynastie auf. Er war der Sohn eines Hofbeamten, eines Anhängers der reformgeneigten, konfuzianisch-geprägten Donglin-Bewegung, der von der absolutistischen, reaktionären Eunuchen-Clique bei Hof 1626 getötet wurde."

Diese Gruppe der Kastraten, die ursprünglich hauptsächlich niedere Staatsdienste ausübte, umfasste damals an die 100.000 Personen, die mitunter wichtige Machtpositionen, etwa bei Gericht, innehatten. Die meisten von ihnen fristeten allerdings ein tristes Dasein - so sie überhaupt die "Operation" überlebten, bei der ihnen in jungen Jahren alle äußeren Geschlechtsmerkmale abgeschnitten wurden. Denjenigen, die die Verstümmelung nicht mit ihrem Leben bezahlten, wurden die abgetrennten "drei Kostbarkeiten" in einem Beutel übergeben, den sie zeitlebens bei sich trugen, um nach dem Tod wieder unversehrt ins Jenseits einzugehen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 10:33:05
Letzte Änderung am 2018-09-06 10:59:30


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