• vom 09.09.2018, 10:23 Uhr

Gemeine


Das Reich der Mitte im 17. Jh.

Land des Lächelns, Land des Leids




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Herrscher als Schädling
Zurück zu Huang Zongxi kommt Zeitreisender Dr. Litschauer: Er "suchte in Peking den Tod des Vaters zu rächen ... und gewann etliche Anhänger, widmete sich aber schon bald der Historiographie". Als die Mandschu "in Peking 1644 ihre ... Ch’ing-Dynastie begründeten, schlug Huang Zongxi alle Angebote aus, dem neuen Hof zu dienen."

Schließlich setzte "eine Welle der Verfolgung von Nachkommen der Donglin-Anhänger" ein. Haftbefehle wurden erteilt, doch Huang Zongxi gelang die Flucht. Für einige Zeit unterstützte er weiterhin "versprengte Reste von Ming-Anhängern, zog sich aber bereits 1649 gänzlich ins Privatleben ... zurück". In seiner Heimatprovinz Zhejiang, südlich von Shanghai, begann er "sich der Aufzeichnung seiner politischen Theorien und ... Philosophie zu widmen und zu unterrichten."

Gerhard Toifl, Wien 17, dazu: "Obwohl seine Interessensgebiete Mathematik, Geographie, kalendarische Wissenschaft, Literatur und Philosophie umfassten, ist er am besten als Historiker und Begründer der Zhejiang-Schule bekannt, die versuchte, objektive anstatt persönliche und moralische Standards" für Geschichtsforschung zu entwickeln.

Seine zusammengeführten "Aufzeichnungen über die Ming-Gelehrten", so Dr. Karl Beck, Purkersdorf, weiter, gelten "als erstes großes Geschichtswerk der chinesischen Philosophie".

1676 schloss er sein Opus zur Geschichte des Konfuzianismus der Ming-Zeit ab; eine systematisch angelegte Quellensammlung der Schriften von mehr als 200 Denkern mit Biographien und Anmerkungen des Herausgebers.

In seinen philosophisch-politischen Werken galt seine Hauptkritik, wie bereits genannter Geschichtsfreund Toifl notiert, dem "übermäßigen Autoritarismus des chinesischen politischen Systems."

Die Monarchen seiner Zeit, so stellte Huang Zongxi fest, betrachteten ihre Untertanen als Privatbesitz. Daran übte der Denker unverblümte Kritik und bezeichnete solche Herrscher als "Schädlinge für das Volk". Nach konfuzianischer Überzeugung, mit der sich Huang Zongxi verbunden fühlte, müsste der Regent eine Vorbildfunktion erfüllen und als Diener der Allgemeinheit auftreten. Dies wäre der Schlüssel zu gesellschaftlichem Gelingen.

Erhellende Philosophie
Diese Ideen finden sich in der 1662 verfassten schmalen Schrift "Ming yi dai fang lu" (andere Transkriptionen möglich), die stark von den historischen Ereignissen um den Untergang der Ming-Dynastie und der Machtergreifung der Mandschu geprägt war.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 10:33:05
Letzte Änderung am 2018-09-06 10:59:30


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