• vom 08.09.2018, 12:00 Uhr

Gemeine


Kraut und Rüben

Rotkäppchen und der böse Fritz




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    Worauf wartet der Wolf eigentlich? 

    Worauf wartet der Wolf eigentlich? © Bild: Leipzig/Schwetschke, o.J. Worauf wartet der Wolf eigentlich? © Bild: Leipzig/Schwetschke, o.J.

    Eine gute Erzählung braucht einen Bösewicht. Müssten die Zeitreisenden aus der Geschichte einen Schurken wählen, so hätte wohl Friedrich II. gute Karten. Kaum ein Herrscher ist im Tüftlerkreis so unbeliebt. Schon aus den Recherchen zu Frage 2 der Nro. 384 sprach deutlich Antipathie. Nach Erscheinen der Zusammenstellung zum "Alten Fritz" in der August-Nummer trudelten weitere kritische Anmerkungen ein. "Etwas zurechtrücken" möchte etwa Mag. Hermann Hayn, Ma. Enzersdorf, "den Mythos, Friedrich II. sei "in religionibus" per se tolerant gewesen." So stellte er "Juden in seinen Landen rechtlich besser, das ist richtig, aber nicht aus bloßem Altruismus." Er fand einfach, man könne sie "(und ihre Kontakte) .. . brauchen, soll aber selbst herzlich wenig von ihnen gehalten haben."

    In den August-Zeitreisen war davon die Rede, dass Schlesien beim Einzug preußischer Truppen jubelte. Das trifft freilich nur auf den evangelischen Teil der Bevölkerung zu, so Tüftler Mag. Hayn. In Niederschlesien seien die Protestanten in der Mehrzahl gewesen, "Oberschlesien war dagegen überwiegend katholisch".


    An die Schulzeit erinnert sich Dr. Herbert Michner, Wien 17: "Vor 1938 zitierte unser Geschichtsprofessor . . . Friedrich II. und fügte privat hinzu "den Schurken" - also nicht offiziell, aber zutreffend. Nach 1938 lernten wir vom "Preußisch-deutschen Machtwillen"", was "abwegig" ist, "da seit der dritten Teilung Polens 1795 eine Million Slawen . . . dorthin gekommen ist, sodass schon damals jeder dritte Preuße ein Slawe war."

    *****

    Was war nur mit Rotkäppchen los, fragt sich Mathilde Lewandowski, Payerbach, die anlässlich der Nuss um die Brüder Grimm (vgl. Nro. 385) auch deren Märchen Revue passieren ließ - kopfschüttelnd. Dass das rotbemäntelte Mädchen "dem Wolf bis ins kleinste Detail" erzählt, "wo die liebe Großmama wohnt", sei gar sehr naiv. "Vielleicht ist aber nicht nur das Denkvermögen limitiert? Wie gut ist Rotkäppchens Sehkraft auf einer Skala von 1 bis 10?" Immerhin müsste ihr die Gesichtsbehaarung der vermeintlichen Oma auffallen. "Vielleicht hätte Rotkäppchen eine Brille gebraucht . . . Auch mit den Ohren muss es Probleme haben . . . Immerhin haben selbst die sieben Geißlein den Wolf an der Stimme erkannt".

    Und dann die Großmutter! "Welche Krankheit hat man, wenn man zur Genesung eine Flasche Wein braucht?" Erklären sich Rotkäppchens "eingeschränkte Fähigkeiten" daraus, dass es öfters "mit Oma . . . angestoßen" hat?

    Auch am Wolf lässt die Zeitreisende kein gutes Haar. "Warum z.B. frisst er Rotkäppchen nicht gleich bei der ersten Begegnung im Wald, da hätte er sich doch die ganze Prozedur mit der Verkleidung ersparen können." Vor einem ähnlichen Schicksal wie Rotkäppchen braucht man jedenfalls keine Angst zu haben. "Wölfe sind Rudeltiere mit strenger Rangordnung, ein einzelner Wolf . . . ist äußerst selten anzutreffen. Auch die Gefahr, lebendig verschluckt . . . und später wieder als ganzer Mensch ans Tageslicht befördert zu werden, geht Richtung null! Wölfe töten die Beute mit einem kräftigen Biss in die Kehle und reißen" sie "in mundgerechte Stücke". Dann kann man ja beruhigt sein.

    Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-09-06 10:36:00
    Letzte Änderung am 2018-09-06 11:03:28


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