• vom 06.09.2018, 16:00 Uhr

Gemeine


Aeronautische Abenteuer

Höhenflüge am seidenen Faden




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  • Ballonfahrerin Madame Blanchard stürzte in den Tod.
  • 1804 sah Wien im Prater den ersten Fallschirmspringer.

Ehepaar Sophie und Jean-Pierre Blanchard; Dr. John Jeffries (v. links).  - © Bilder: Wonderful Balloon Ascents, London u.a. o.J. (ca. 1890)/Archiv. Schmuckfarbe: "WZ"

Ehepaar Sophie und Jean-Pierre Blanchard; Dr. John Jeffries (v. links).  © Bilder: Wonderful Balloon Ascents, London u.a. o.J. (ca. 1890)/Archiv. Schmuckfarbe: "WZ"



Gerangel um die besten Plätze im Wiener Prater, als Prof. Robertson 1804 von einem Ballon aus einen Fallschirmsprung wagte. 

Gerangel um die besten Plätze im Wiener Prater, als Prof. Robertson 1804 von einem Ballon aus einen Fallschirmsprung wagte. © Bild: Zeitgenössischer Stich, nachkoloriert von Ph. Aufner Gerangel um die besten Plätze im Wiener Prater, als Prof. Robertson 1804 von einem Ballon aus einen Fallschirmsprung wagte. © Bild: Zeitgenössischer Stich, nachkoloriert von Ph. Aufner

Einen Rundflug - Pardon, eine Rundfahrt quer durch Ballonhistorie machte die Gemeine anlässlich der kleinen Nuss Nro. 383. Schwindelfreie Zeitreisende begleiteten frühe Aeronauten (und Aeronautinnen!) auf wilden Himmelsritten. Langjährige Nussknackerinnen und Nussknacker erinnerten sich an eine ähnliche Recherche-Tour 2014 (vgl. Nro. 338). Wie damals gilt auch nun: Auf dieser Seite wird es zu Turbulenzen kommen - zur Sicherheit Fallschirme einpacken!

Der 1753 (nach anderen Quellen 1750) im französischen Les Andelys geborene Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard war jedenfalls froh, 1793 einen solchen mitgehabt zu haben. Herbert Beer, Wolfpassing: Damals drohte sein Ballon zu platzen. Zwar ließ Blanchard Druck ab, indem er "einige Löcher in die Hülle" stieß, doch dann strömte das Gas "so schnell aus, dass ein Absturz . . . bevorstand und er sich nur noch mit seinem Fallschirm retten konnte."

Unerwünschter Ballast

Spottbild aus dem Jahr 1807 auf einen missglückten Aufstieg der Blanchards in Den Haag (Bild: Rijksmuseum).

Spottbild aus dem Jahr 1807 auf einen missglückten Aufstieg der Blanchards in Den Haag (Bild: Rijksmuseum). Spottbild aus dem Jahr 1807 auf einen missglückten Aufstieg der Blanchards in Den Haag (Bild: Rijksmuseum).

Zu einer Pioniertat des Franzosen notiert Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: Mit einem Ballon "überquerte . . . Blanchard am 7. Jänner 1785 als erster . . . den Ärmelkanal von Dover nach Calais." Financier war der US-Arzt Dr. John Jeffries (1744-1819). Er bestand darauf, "für seine 700 Pfund" mit einsteigen zu dürfen. "Blanchard wollte den Ruhm nicht teilen und setzte alles daran, . . . seinen Geldgeber an der Mitfahrt zu hindern." So "versteckte er Gewichte und verkündete, dass der Ballon zu schwer sei". Doch der an Messungen interessierte Naturwissenschafter "setzte sich . . . durch."

Erinnerte sich Blanchard womöglich an sein Erlebnis 1784 mit dem "englischen Chirurgen Dr. John Sheldon"? Dieser wollte, so Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, "die Auswirkungen einer Ballonfahrt auf den menschlichen Körper untersuchen". In der Not warf Blanchard Sheldons Geräte über Bord. Es kam zum Streit, bei einer Zwischenlandung stieg der Arzt aus.

Jeffries schlug sich wacker, die Kanalüberquerung glückte, "wenn auch nur knapp", fügt Volkmar Mitterhuber, Baden, hinzu. Die beiden warfen "allen überflüssigen Ballast . . . bis auf die Unterhosen" ab, "um einen Absturz zu vermeiden."

Übrigens stieg Blanchard bei dieser Tour mithilfe von Wasserstoff auf. Es gab also, ergänzt Mag. Susanne El Mahdi, Wien 9, außer Heißluft- damals auch Gasballone. Weitere Traggase waren Helium und Leuchtgas.

"Eigentlich verwunderlich", gleitet Brigitte Schlesinger, Wien 12, in privatere Sphären ab, dass Blanchard eine Frau, noch dazu eine deutlich jüngere, fand. Sophie Armant (geb. 1778) schien weder zu stören, dass er gefährlich lebte, noch dass er "sehr klein . . ., spindeldürr, nicht besonders temperamentvoll" war und als "humorlos und verdrießlich" galt. Auch sein Geschäftssinn sprach nicht für ihn. Bald drohte den 1804 Vermählten Konkurs. Die Idee: "Eine Ballonfahrerin wäre ein Novum"!




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 10:36:07
Letzte Änderung am 2018-09-06 10:41:45


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