• vom 02.11.2018, 14:00 Uhr

Gemeine


Blick in die Hauptstadt der Bukowina

Per Eilzug in die k.u.k. Kulturoase




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  • Ein Besuch im altösterreichischen Czernowitz.
  • Paul Celan und Rose Ausländer stammen aus der Stadt am Pruth.

Der Ringplatz im Herzen von Czernowitz, hier wohl um das Jahr 1900, sieht heute noch ähnlich aus. (Bild: Zeitgenössische Ansichtskarte/Archiv)

Der Ringplatz im Herzen von Czernowitz, hier wohl um das Jahr 1900, sieht heute noch ähnlich aus. (Bild: Zeitgenössische Ansichtskarte/Archiv)

Prächtig liegt die Stadt auf ragender Höhe. Wer da einfährt, dem ist seltsam zu Muthe: er ist plötzlich wieder im Westen, wo Bildung, Gesittung und weißes Tischzeug zu finden." So schilderte Karl Emil Franzos anno 1875 im Stil der Zeit das Ende einer Bahnfahrt von Wien nach Czernowitz, "dies blühende Stücklein Europa", hineingestellt "mitten in die halb-asiatische Kulturwüste". Anlässlich der Karten-Spezialnuss in Nro. 385 machte die Gemeine einen Ausflug in die altösterreichische Kulturmetropole. Und stieß auf ein Problem: Die Bahnverbindung.

Angesichts der Frage, wie lange man einst per Zug von Czernowitz, damals im äußersten Osten der Monarchie, heute Tscherniwzi in der Ukraine, ins etwa 1000 Bahnkilometer entfernte Wien brauchte, sah Brigitte Schlesinger, Wien 12, zunächst einmal in einem aktuellen Fahrplan nach und stellte fest, dass die Reise heute "zwischen 23.32 und 29.06 h" dauern kann.


Bildung im Kronland
Und damals? Für 1912 fand Geschichtsfreundin Schlesinger die Angabe, dass die Strecke in etwa 19 Stunden zurückzulegen war. Volkmar Mitterhuber, Baden, wälzte Fahrpläne. Zusammenfassendes Fazit des Zeitreisenden: "Trotz des technischen Fortschritts" kommt man in diese Richtung heute nicht schneller voran als vor mehr als hundert Jahren. Augenzwinkernd könnte man, so Tüftler Mitterhuber, auch von einer "Form der Entschleunigung" sprechen.

Laut einer Quelle aus 1890 war man mit dem regulären Eilzug über Lemberg und Krakau damals knapp 27 Stunden unterwegs. Allerdings, merkt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, an, soll es "eigene Theaterzüge" gegeben haben, "um den Czernowitzer Bürgern zu ermöglichen, in Wien die Staatsoper oder das Burgtheater . . . zu besuchen."

Apropos Kultur. Alles begann damit, so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, dass Czernowitz habsburgisch wurde. Wie es dazu kam, fasst der Tüftler so zusammen: "Durch ein diplomatisches Meisterstück wurde 1775" die auf Deutsch Buchenland genannte "Bukowina dem Osmanischen Reich "abgeluchst" - völlig kampflos . . . Aus dem dünn bevölkerten, völlig verwahrlosten Gebiet schuf die österreichische Verwaltung in jahrzehntelanger Arbeit fast ein Musterland der Donau-Monarchie, das . . . 1849 den Status eines eigenen Kronlandes . . . erhielt." Sein Zentrum: Czernowitz. Die größten Fortschritte gab es "auf dem Bildungssektor zu verzeichnen. Zusätzlich zur (1875 gegründeten deutschsprachigen, Anm.) Universität gab es um 1900" in der Bukowina "bereits zehn Gymnasien (ein deutsches in der Hauptstadt) und 327 Volksschulen."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-31 12:19:07
Letzte Änderung am 2018-10-31 14:22:25


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