• vom 04.01.2019, 08:00 Uhr

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Samoa

Eine in der Südsee geraubte Perle




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Von Alfred Schiemer

  • Die Samoa-Inseln gerieten ab etwa 1850 in die Fänge weißer Großmächte.
  • Nicht nur 130 Jahre zurückgeblättert.

Diese Inseln waren bis 1914 Deutsch-Samoa; die deutsche Briefmarke ist aus dieser Ära. Karte: P. Ebert, Südsee-Erinnerungen, Leipzig 1924

Diese Inseln waren bis 1914 Deutsch-Samoa; die deutsche Briefmarke ist aus dieser Ära. Karte: P. Ebert, Südsee-Erinnerungen, Leipzig 1924



Nicht nur Tänzerinnen zogen einst deutsche Herren an, ging es doch um Plantagen und Profit auf Samoa. - Bilder rechts (v. ob.): Hauptstadt Apia (nach 1900); das deutsche Kanonenboot "Eber" (vor 1889); malerischer Wasserfall. Großes Bild: E. v. Barfus, Auf Samoa, Stuttgart o. J. (um 1905?); weitere Bilder: E. Schultz-Ewerth, Erinnerungen..., 1926/Deutsche Kolonien, 1936.

Nicht nur Tänzerinnen zogen einst deutsche Herren an, ging es doch um Plantagen und Profit auf Samoa. - Bilder rechts (v. ob.): Hauptstadt Apia (nach 1900); das deutsche Kanonenboot "Eber" (vor 1889); malerischer Wasserfall. Großes Bild: E. v. Barfus, Auf Samoa, Stuttgart o. J. (um 1905?); weitere Bilder: E. Schultz-Ewerth, Erinnerungen..., 1926/Deutsche Kolonien, 1936. Nicht nur Tänzerinnen zogen einst deutsche Herren an, ging es doch um Plantagen und Profit auf Samoa. - Bilder rechts (v. ob.): Hauptstadt Apia (nach 1900); das deutsche Kanonenboot "Eber" (vor 1889); malerischer Wasserfall. Großes Bild: E. v. Barfus, Auf Samoa, Stuttgart o. J. (um 1905?); weitere Bilder: E. Schultz-Ewerth, Erinnerungen..., 1926/Deutsche Kolonien, 1936.

Liebe Leserinnen und Leser, wollen Sie einen Tag geschenkt bekommen?

Bitteschön, zum Einstieg ins 20. Bestandsjahr des Zeitreisebüros ist das ausnahmsweise möglich!

Denn heute entführt Sie mit Spezialtour Nro. 391 (vgl. Geschichtsfeuilleton-Titelkopf) Ihr Cicerone ins Herz Polynesiens um die Wende zum 20. Jahrhundert. Als Luxus leisten wir uns eine Erdumrundung mit Startpunkt weit im Westen, von dem wir - stets der Sonne entgegen - weit nach Osten kommen. Bei jedem zurückgelegten Längengrad gewinnen wir vier Minuten.

Bei 360 Längengraden macht das dann 1440 Minuten, also 24 Stunden...

Es gibt auch eine Kurzbeschreibung der Causa: Wir Zeitreisende segeln am 4. Juli 1892 oder etwas später von Westen nach Samoa und demnach über die einst so fixierte Datumsgrenze. Diese Regelung erfolgte übrigens auf Druck der USA, die den Archipel in ihrer Hemisphäre sehen wollten.

Und damit sind wir mitten im erbitterten Ringen dreier Weltmächte um die zwischen Australien und Tahiti gelegene Inselgruppe.

Einheimischer Polizist der Kolonialtruppe (l. ob.); Mädchen (l. u.); 1787 wehrten Samoaner weiße "Besucher" ab (r. ob.); Titel eines Buches, das Jahre nach Deutsch-Samoas Ende erschien und suggerierte, man habe Samoa den Deutschen (!) 1914 gestohlen (r. u.). - Bild r. u.: E. H. Düsterdieck, Die gestohlene Insel, Leipzig 1941

Einheimischer Polizist der Kolonialtruppe (l. ob.); Mädchen (l. u.); 1787 wehrten Samoaner weiße "Besucher" ab (r. ob.); Titel eines Buches, das Jahre nach Deutsch-Samoas Ende erschien und suggerierte, man habe Samoa den Deutschen (!) 1914 gestohlen (r. u.). - Bild r. u.: E. H. Düsterdieck, Die gestohlene Insel, Leipzig 1941 Einheimischer Polizist der Kolonialtruppe (l. ob.); Mädchen (l. u.); 1787 wehrten Samoaner weiße "Besucher" ab (r. ob.); Titel eines Buches, das Jahre nach Deutsch-Samoas Ende erschien und suggerierte, man habe Samoa den Deutschen (!) 1914 gestohlen (r. u.). - Bild r. u.: E. H. Düsterdieck, Die gestohlene Insel, Leipzig 1941

Diese verwickelte Angelegenheit lässt sich mit einem Blick ein paar weitere Jahre zurück besser klären. Wo aber finden wir eine prägnante Rückschau? Natürlich in einer alten "Wiener Zeitung"-Ausgabe. Konkret in der "WZ"-Spätausgabe "Wiener Abendpost" vom 29. Jänner 1889, die die noch freien (doch seit ca. 1850 im Visier weißer Mächte stehenden) Samoa-Eilande unter die Lupe nahm.

In dem Bericht lesen wir nach einer Einleitung zu geographischen und postalischen Verhältnissen: Die Inseln zählen etwa 38.000 Bewohner, darunter 300 Weiße, von denen ungefähr 180 Deutsche, die übrigen Engländer, Amerikaner (...) und Scandinavier sind. Großen Grundbesitz Weißer gebe es nur auf der Hauptinsel Upolu, wo das deutsche Land das einzige (...) ist, welches bebauungsfähig erscheint. Die englischen Flächen seien werthlos.

Weiter heißt es: Auf den übrigen Inselnbestehen nur Stationen, auf denen weiße Händler Cocosnüsse oder Copra (= getrocknetes Kokosnussfleisch) aufkaufen. Und: Die Zahl der englischen und amerikanischen Stationen sei gegen die der deutschen unbedeutend. Außerdem seien riesige Areale Upolus im Besitze der deutschen Südsee- und Plantagen-Gesellschaft.

Fazit: Die Wirtschaft war fest in deutscher Hand. Doch auch politisch drängte sich Berlin vor, als es - so unser Blatt weiter - auf dem Archipel die Abführung (= Verbannung) des Königs Malietoa durchsetzte. Der Grimm der US-Kaufleute auf der Inselgruppe sei wegen dieses Eingriffs aufs höchste gestiegen.

Keine Freude machte den Yankees wohl auch, dass der neue König Tamasese, der direct von Deutschland eingesetzt wurde, augenblicklich die Anerkennung fast aller Häuptlinge von Samoa fand.

Doch damit nicht genug. Das 1871 gegründete Deutsche Reich lernte in puncto klassischer Imperialismus (Beginn von Historikern oft um 1880 angesetzt) schnell: König Tamasese erhielt, so schließt der Artikel aus 1889, den preußischen Hauptmann Brandeis als Berather, ebenso waltet ein Deutscher als Richter der samoanischen Regierung.

Damals schien es, die Perle Samoa wäre bald deutsch - oder beim Hauptort Apia liegende Kriegsschiffe Berlins und Marinefahrzeuge Washingtons (plus Londons) würden aufeinander feuern.

Nichts davon passierte. Ein Taifun raste am 16. März 1889 über Samoa, der Marineschiffe Deutschlands (so das Boot "Eber", Bild l.) und der USA wie Spielzeug herumwarf und zerstörte; nur eine Korvette Englands gewann das offene Meer. Es gab ca. 200 Tote. Mehr Opfer hätte man beklagt, hätten nicht Samoaner unter Lebensgefahr Männer feindlicher Mächte gerettet. 1722 waren die Insulaner von Holländern "entdeckt" worden, 1787 hatten sie fremde Boote abgewehrt (Bild in Leiste l. u.) - dennoch bewahrten sie gegenüber Eindringlingen 1889 Menschlichkeit!

Nach dem Desaster verhandelten die drei großen Staaten miteinander. Lange. Die Entscheidung fiel 1899/ 1900. Das in der Südsee starke Großbritannien verzichtete auf Samoa, zugunsten von Handelsrechten und anderen bislang deutschen Interessen. Die USA erhielten den kleinen Ostteil des vormals freien Inselstaats, dessen Löwenanteil (mit Upolu) ans Deutsche Reich ging. Berlins "Drängen" hatte sich gelohnt. Bis 1914: Im 1. Weltkrieg kassierte Neuseeland als Teil des Empire Deutsch-Samoa de facto. Nach 1918 wurde die Kolonie de iure Mandatsgebiet, dessen Bewohner vom Regen in die Traufe kamen. Erst 1962 erlangte (West-) Samoa die Unabhängigkeit. Amerikanisch-Samoa allerdings untersteht noch heute den USA.

Kopfnuss: Warum gewinnt man nun bei der Reise vom Westen nach (West-)Samoa keinen Tag mehr? (Geknackte Kopfnuss auf der nächsten Seite)


weiterlesen auf Seite 2 von 2




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-02 17:47:16
Letzte Änderung am 2019-01-02 18:11:21


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